Keine Wanderung: Großer Lorenzstein, AWI

Großer LorenzsteinWir haben es wieder getan. Und ich schreibe wieder einen Bericht darüber. Wenn alle Stiegen begangen sind, greifen wir manchmal auch an (oder in) den Sandstein. Zur Nachahmung für Touristen nicht empfohlen. Ich beschreibe deshalb weder den Zugangsweg, noch den genauen Aufstieg.

An einem späten Nachmittag hatten wir uns verabredet zur Wanderung „mit Klettern“. Nicht alle kamen, aber acht Stiegenfreunde – pardon, eine Stiegenfreundin und sieben –freunde – sind für eine solche Tour auch nicht zu wenig.

LorenzsteinDieses Mal mit dabei: Anke, Matthias, Karsten, Eric, Manuel, Bernd, Bernd alias rahmhanke (unser sachkundiger Führer) und ich (alias Zwillingsstiege 😉   ). Dank des Vorsteigers Bernd war der Zugang zum ‚Alten Weg‘ am Großen Lorenzstein schnell gefunden. Mit einigem Respekt schauten wir zunächst auf den Einstieg in die enge Schlucht. Das ist neben dem Aufstieg zum Gipfelbuch auch das schwierigste Teilstück des AW. Ist auch gut so, denn es schreckt wahrscheinlich den abenteuerlustigen Wanderer ab. Es gibt zwei Varianten für die ersten Meter Aufstieg. Beide wurden genutzt und wir trafen wenig später wieder zusammen. Jetzt geht es ohne besondere Schwierigkeiten – sogar über einige künstliche Stufen und später in einem breiten Kamin – bis zum Gipfelplateau. Wer glaubt, er habe es nun geschafft, der irrt. Weiterlesen

Endlich wieder Draußen – Ein (fast*) perfekter Boofe-Abend

Von der Wanderung vorher aus dem Zahnsgrund in die Hintere Schweiz, dort umpacken und in der Schenke erstmal eine Cola, ein Kännchen, ein Eis und eine Gulaschsuppe, als kleiner Imbiss zur Stärkung, denn immerhin soll es ja noch ein Stück bergauf gehen.

SchlafzimmerDer Weg zur Boofe war dann auch deutlich steiler und länger als im Gedächtnis behalten und wir kamen nochmal ganz schön ins schnauffffen, mit dem ganzen Hausrat auf dem Buckel. Oben angekommen suchten wir uns in der ziemlich langgestreckten Boofe ein hübsches Plätzchen mit möglichst ebenem Untergrund. Zwischen mehreren Felsblöcken fand sich auch eine solche Stelle, weit genug vorn für eine gute Sicht ins Tal und weit genug hinten für ausreichenden Wind- und Regenschutz. Die umliegenden Blöcke gaben genügend Fläche für Tisch- und Stuhlbedarf, perfekt also. Weiterlesen

Neue Parameter einer alten Debatte

Eine Stiege ist eigentlich eine ganz schöne Sache. Auf kurzem Wege kann man etliche Meter an Höhenunterschied überwinden, dabei einiges an Spannung erleben und wird oftmals am Ende mit einer wunderschönen Aussicht belohnt. Nach kurzer Rast geht es auf einer anderen Stiege bergab und gegenüber gleich wieder hinauf. So kann man eine Wanderung zur Stiegentour ausbauen – auch bei uns in der Sächsischen Schweiz.

Solche Stiegentouren sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden. An allen Ecken und Enden selbst der kleinsten Mittelgebirge werden Stiegen und Klettersteige errichtet, um den wachsenden Ansprüchen der erlebnissüchtigen Touristen zu genügen. Nicht jeder ist glücklich mit dieser Entwicklung – die Tourismusbranche aber forciert solche Entwicklungen mit aller Entschiedenheit. All das stellt oftmals kein Problem dar. Anders ist die Lage allerdings im Nationalpark Sächsische Schweiz.

Fritschenstein

Fritschenstein - Metallklammer (Quelle: Polenztaler, Forum)

Am Wochenende berichtete die Sächsische Zeitung in einer ihrer Regionalausgaben über neue Edelstahlklammern, die am Fritschenstein bei Porschdorf gesetzt worden sind. Den Fritschenstein kannten bislang nur wenige Menschen, nun aber könnte er zu einer Berühmtheit gelangen, die man ihm wohl nicht zugetraut hätte. Auf den Fritschenstein führt eigentlich ein kleiner Weg, der in einer Art Gratweg mündet, welcher wiederum zu einer beschaulichen Aussicht führt. Auf der anderen Seite hingegen gibt es noch eine Art Kletterstelle, an der Geübte auch recht einfach hinauf kommen – unbedarfte Wanderer aber nicht. Genau an dieser Stelle wurden nun Klammern in den Stein gehauen, sodass diese Stelle einfacher zu überwinden ist. Die Nationalparkverwaltung (NPV) hat nach Bekanntwerden sofort angekündigt, diese Eisen entfernen zu wollen. Weiterlesen

Umstrittener Stiegenbau

Ich stelle diesen Text jetzt mal auf eigene Faust online, und ich hoffe, er repräsentiert die vorherrschende Meinung in der IG. Falls nicht – schmeißt den Mist einfach wieder raus. Also, worum geht es mir: am Fritschenstein ist eine Stiege gebaut worden. Heimlich, ohne jede Genehmigung, und damit illegal. Die NPV hat schon angekündigt, die Eisen zügig wieder zu entfernen, und sie hat dafür mehrheitlich Lob geerntet. Was also fällt mir zum Thema ein:

Häntzschelstiege

Häntzschelstiege (Quelle: Stiegenmatrix)

1. Alle, wirklich ausnahmslos alle, Stiegen in der Sächsischen Schweiz sind „illegal“ entstanden. Entweder waren sie (die große Mehrheit) einfach Arbeitswege für Steinbrecher oder Forstleute, oder sie waren Abkürzungen für den sonntäglichen Kirchgang (die Heilige Stiege), oder sie wurden auf fürstlichen Erlass gar spezielle für den Tourismus angelegt (der leider nur noch in Rudimenten vorhandene Kerbensteig). Die bekannteste Stiege der Region, die auch republikweit vermarktet wird, ist gar ein richtig heimlicher Bau von Rudi Häntzschel gewesen. Also: ohne den spontanen Bau von Siegen, ohne jemanden links und rechts zu fragen, würde es heute wahrscheinlich keine einzige solche geben. Weiterlesen

Wieviele Stiegen braucht die Sächsische Schweiz?

Es muss Zeiten gegeben haben, da wurde mächtig gewerkelt im Sandstein. Ohne Rücksicht auf Naturschutz, den gab es vor fast 200 Jahren noch gar nicht, oder einen Nationalpark, davon wusste man damals auch noch nichts, wurden Steiganlagen gebaut, um möglichst viele Punkte dieser Landschaft zugängig zu machen – irgendwann war dann alles erschlossen und das Wandern muss grenzenlos gewesen werden. 200 Jahre später sieht das ganz anders aus, gewerkelt wird im Sandstein kaum noch, Naturschutz und Nationalpark stehen dem entgegen und vom grenzenlosen Wandern, im übertragenen, wie im Sinne einer Landesgrenze, kann heute nur schwer die Rede sein. Wieviele Stiegen brauchen wir heute, um grenzenlos wandern zu können? Und brauchen wir neue?

Die Frage lässt sich mit keiner Zahl beantworten, Wandern kann nicht rein mathematisch betrachtet werden. Zudem ist die Motivation des Wanderns sehr unterschiedlich; Urlauber und Tagesbesucher wollen die Hauptwanderwege, die empfohlen wurden, erwandern und stören sich nicht daran, dass andere auch dieselbe Idee haben. Besucher, die hier wohnen oder wiederholt in den Sandstein kommen, wollen den Sandstein als Rückzugsgebiet nutzen oder tiefer in die Ecken eindringen, in denen nicht unbedingt die Frühstückstischnachbarn vom Hotel über den Weg laufen. Die ersteren brauchen Stiegen auf den Hauptwanderwegen, gut ausgebaut und immer in Schuß gehalten. Die letzteren brauchen nicht die teuren, gut ausgebauten Stiegen, sondern die, die unsere Altvorderen irgendwann angelegt haben und die, da selten jemand vorbei kommt, oft ein langes Leben haben und manchmal sogar in Vergessenheit geraten.
Es sollen alle Stiegen, die heute noch in irgendeiner Form existieren, egal ob auf einem Hauptwanderweg oder auf einem nicht markierten Weg in der Kernzone, erhalten bleiben; Flex und Eisensäge haben in der Sächsischen Schweiz nichts zu suchen. Sanierungen, die notwendig sind, sollen so durchgeführt werden, dass bei Besuchern nicht der Eindruck entsteht, „man sei hier sehr stahlverliebt“. (Ist mir tatsächlich von Besuchern schon so gesagt wurden.) Bei Stiegen, die nicht mehr existieren, aber mit denen die Möglichkeit gegeben ist, die Besucherkonzentration auf mehrere Wege zu verteilen, sollte über deren Reaktivierung nachgedacht werden. Weiterlesen