Zwillingsstiege gesperrt

Zwillingsstiege gesperrtFassungslos standen wir nach dem Aufstieg durch die Gasteltilke vor dem Schild mit dem Hinweis „Zwillingsstiege wegen Instandsetzung gesperrt!!!“. Davon abgesehen, dass es in der deutschen Rechtschreibung keine mir bekannten Hinweise auf dem Gebrauch mehrerer Ausrufezeichen am Satzende gibt, stellten wir uns die Frage: „Wo und wann wurde diese Sperrung veröffentlicht?

Es handelt sich beim Zugang zur Zwillingsstiege zwar nicht um einen markierten Wanderweg, allerdings ist es der einzige mögliche Zugang zum Klettergipfel Jammerspitze. De facto ist damit auch der Klettergipfel gesperrt. Die Zwillingsstiege ist eine der schönsten und oft begangenen Steiganlagen der Sächsischen Schweiz. Man könnte jetzt ganz naiv davon ausgehen, dass solche Sperrungen auf der Website der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz veröffentlicht werden. Das ist allerdings eine wirklich sehr naive Vorstellung. Weder auf der Seite „Aktuelles im Nationalpark“ noch auf den Seiten zum Bergsport findet sich ein Hinweis (auf der Seite „Aktuelles im Nationalpark“ gibt es nur Verweise auf Wegsperrungen wegen Waldpflegemaßnahmen). Man könnte sich noch der Mühe unterziehen, auf Seiten wie „News und Aktuelles“ zu suchen, das lohnt sich aber nicht. Überhaupt findet man erschreckend wenig „Aktuelles“ auf den Seiten der NPV. Weshalb benötig man eigentlich zur Nichtpflege der Seiten ein Content Managementsystem wie das nicht mehr ganz taufrische und ehemals recht teure „RedDot“? Neben den nichtvorhandenen Informationen zur Sperrung der Zwillingsstiege findet der interessierte Nationalparkfreund auch einen nicht vorhandenen Veranstaltungskalender. Vorhanden ist der Kalender schon. Es steht nur nichts drin außer den jährlich stattfindenden Turnuswanderungen. Das Jahr 2014 ist allerdings erst drei Monate alt. Vielleicht kommt ja da noch was – im Veranstaltungskalender.

Update 02.04.2014: Tatsächlich gibt es jetzt eine neue Website mit einem Veranstaltungskalender!

Zwischenzeitlich kann sich der Interessent auf unseren Seiten informieren. Die werden mit einem kostenlosen Open Source Programm und „ehrenamtlich“ ohne finanzielle Unterstützung gepflegt. Übrigens sucht man auch auf den Seiten des SBB vergeblich nach einem Hinweis zur gesperrten Zwillingsstiege. Wurden die Kletterfreunde über die Sperrung informiert?

ZwillingsstiegeDoch kommen wir zum eigentlichen Thema zurück: zur Zwillingsstiege. Unstrittig ist, dass die teilweise verrotteten Spreizhölzer am engen Durchstieg an der Jammerspitze ausgewechselt werden mussten. Doch weshalb werden Stahlklammern getauscht? Und was passiert am Abstieg hinter der Jammerspitze? Die alten Eisen hätten noch viele Jahre ihren Dienst verrichtet. Erfolgt hier ein Umbau, wie in der völlig „übersicherten“ Häntzschelstiege?

Rübezahlstiege

Rübezahlstiege

Über den Zeitraum der Sperrung kann man ebenso nur spekulieren wie über den Sinn der neuen „Eisensetzungen“ (Abstieg hinter der Jammerspitze – siehe Foto). Wir werden die Arbeiten jedenfalls genau beobachten.

Über unsere lange IG-Stiegentour, die an der Zwillingsstiege beginnen sollte und uns über den oberen Teil der Häntzschelstiege, beide Terrassenwege, die Starke Stiege, die Rübezahlstiege und durch die Wolfsfalle führte, werde ich in mehreren Fortsetzungen berichten.

Aktuelle Informationen nach der Wiedereröffnung der Zwillingsstiege gibt es in diesem Blogartikel…

Wie Perlen

Nein, nicht wie Perlen vor die Säue geworfen, denn wir wussten die Erlebnisse zu schätzen, sondern wie Perlen zu einer hübschen Kette aufgereiht. So erlebten wir die von Markus zusammengestellte Wanderung am letzten Samstag.

urwaldig

am Brandstein, herrlich grün und wild

Das war eigentlich auch genau so, wie ich es mir gedacht hatte. Die einzelnen Sehenswürdigkeiten liegen recht zerstreut in der an sich unauffälligen Umgebung um Berggießhübel herum. Der uninformierte Wanderer würde in den Wald hineingehen und mit den Worten wieder herauskommen: „Schöner Wald, paar Steine, musstde ne extra hinfahrn!“

Aber wie unrecht täte man da. Man muss sich entweder nur ausreichend informieren, was eben Mühe macht, oder einen ortskundigen Führer haben wie wir, was dann bequem ist. Da es inzwischen andernorts einen schönen und umfänglichen Bericht mit vielen Bildern gibt, will ich hier nur mit einigen eigenen Eindrücken ergänzen.

Krabbelstelle MühlsteinbruchBrandstein kluftigBrandstein kluftig 2

Lerchensporn

Lerchensporn

Wiewohl die ganze Strecke viele hübsche Stellen hatte, dürfte der Durch- und Abstieg am Brandstein wohl besonders ansprechend gewesen sein. Oben hat es schon mal eine urwaldige Umgebung und wenn man unverhofft in Augenhöhe mit Kletterfreunden steht (die schon auf ihrem Gipfel stehen), nur durch eine hopplaplötzlich auftauchende Schlucht getrennt, das ist auch interessant. Schön dann der enge, teils dunkle Abstieg. Genau steil genug, um Spaß und Spannung, aber noch keine Angst zu machen.

Scharbockskraut

Scharbockskraut

Dank einer Erklärtafel lernte ich den Lerchensporn und das Scharbockskraut kennen und ein anwesender Botaniker meinte, „ … klar, kannste essen das Kraut, hat ganz viel Vitamin C, wurde früher gegen Skorbut gegessen. Habs probiert und jaaa! Wikipedia bestätigt dies und meint auch „ … in allen Teilen giftig…“ Naja, es geht mir schon wieder besser.

Und hier mal noch die Sage zum Hochstein, Hochsteinsageden ich nicht bestieg, weil die Bank am Rektor John Platz so ein hübscher Fleck war. Die Schrift im zugehörigen Denkstein war übrigens mit Gold ausgemalt – hübsch – und das Schwarzbier in der Klause am Bismarkturm war nass, wie der viel zu frühe Regen, aber viel schmackhafter. Das Bier soll es in der näheren Umgebung nur dort geben. Eigentlich allein schon ein Grund nochmal hin zu müssen.

Wir freuen uns nun auf den Forellensteig und was noch so „dazugestrickt“ wird. Ein paar ältere Hosen für die Höhlen liegen schon bereit.

Märzenbecher

Nun war in letzter Zeit an dieser Stelle mehr über Wichtiges, aber eher Negatives zu lesen, weshalb heute mal wieder von schönerem berichtet werden soll.

Es sollte ein kleiner Rundgang zu und um die Märzenbecherwiesen werden.

So richtig schön gings aber erst mal nicht los, denn die Anfahrtskizze zur Bockmühle (noch nie gewesen) lag sonstwo und so kam ich irgendwann in bekannterem Gebiet raus und um das Rumfahren zu beenden sind wir eben an der Heeselichtmühle Polenztal 09.03 (3) gestartet, wo es noch schattig und ziemlich kalt war. Polenztal 09.03 (2) Die Schweinchen hatten zum Glück ein schönes Fell.

Da auf der Karte der Weg immer ganz dicht am Bach lang geht, hatte ich einen flachen ebenen Weg erwartet. Aber nein, der Weg war doch recht hügelig und abwechlungsreich. Mal in Wassernähe, mal recht weit oben, stellenweise fast etwas ausgesetzt und sogar mit einigen ganz kleinen leichten „Kletterstellen“. Wirklich schöner Weg, Polenztal 09.03 (4) den man nochmal laufen sollte, wenn nicht so sehr viele Menschen unterwegs sind. Inzwischen war nämlich richtig Betrieb. Und in der Sonne war es herrlich warm. Überall saßen Menschen in der Sonne und freuten sich des Lebens. Auf eine großen sonnigen Wiese stand dann plötzlich ein rauchender Badeofen, Polenztal 09.03 (5) aus dem es frische Rauchwürste gab. Bier gab’s auch, aber das Beste waren doch die stilgerechten Teller Polenztal 09.03 (6)aus frisch gesägtem Birkenholz. Eine begrüßenswerte Bürgerinitiative.

Polenztal 09.03 (7)Märzenbecher gab es natürlich auch, aber die sogenannten Märzenbecher“Wiesen“ sind eben doch nur Wiesen MIT Märzenbechern und nicht etwa Wiesen VON Märzenbechern. Und ich war froh, nicht etwa nur die kleine Runde um die Bockmühle gelaufen zu sein. Die größten Flecken waren nämlich schon weiter unten zu sehen gewesen.

Aber egal, schön wars und der Weg zurück zur Heeselichtmühle hat dann auch noch die km-Zahl vervollständigt. Polenztal 09.03 (1)

Tipp für Nachläufer – auf jeden Fall vor 10:00 da sein. Danach wird es auf den Parkplätzen sehr eng.

Umweltminister Kupfer und Sachsenforstchef Braun äußern sich zu Kritik der Stiegenfreunde

Hauptsache der Gewinn stimmt! Der Staatsbetrieb Sachsenforst zieht eine positive Bilanz für das Geschäftsjahr 2013. Noch nie seit Gründung konnte man so viel Geld erwirtschaften – Einnahmen von 65,9 Millionen Euro stehen Ausgaben von 55,2 Millionen Euro entgegen – umterm Strich bleibt also ein positives Ergebnis von 10,7 Millionen Euro. Das wertet der Sachsenforst als Erfolg seiner Arbeit.

Im Geschäftsjahr habe man laut Pressemitteilung über fünf Millionen junge Bäume für den Waldumbau gepflanzt, darunter vor allem Rotbuchen, Eichen und Weißtannen. Hingegen seien im Sächsischen Staatswald im Jahr 2013 1.050.000 Kubikmeter Holz eingeschlagen worden.

Hauptgrund für die ansprechende Bilanz ist vor allem der steigende Holzerlös im Zusammenhang mit hohen Holzpreisen und die weiterhin anhaltende Nachfrage der Holzverarbeiter. Die gute Ertragslage führe nach Darstellung des Sachsenforsts dazu, dass man mit dem Waldumbau gut voran komme.

Im Radiosender MDR Sachsen äußerte sich der Chef des Sachsenforst, Prof. Hubert Braun, nun auch direkt zu den Vorwürfen der IG Stiegen- und Wanderfreunde und verteidigte den Holzeinschlag im Nationalpark Sächsische Schweiz. Man müsse den Waldumbau gerade mit der Fällung von Fichten nun stärker vorantreiben, handle jedoch nicht nach Profitvorgaben. Dies hatte die IG dem Staatsbetrieb und der Nationalparkverwaltung im Zusammenhang mit den Holzeinschlägen des vergangenen Winters vorgeworfen.

Auch Umweltminister Frank Kupfer von der CDU äußerte sich zur Kritik der Stiegenfreunde und findet zwar Verständnis für die Aufregung, meint aber, dass die Wege nicht vorrangig zur Erholung da seien, sondern um sie zu nutzen – und das vor allem forstwirtschaftlich. Frank Kupfer sagte dem Radiosender, dass ihm die Zerstörung der Wanderwege zwar ebenso missfalle, aber die Wege zulasten der Staatskasse wieder hergestellt werden.

SZ-Artikel zu Streit um Baumfällung und Wegezerstörung im Nationalpark

Die Sächsische Zeitung berichtet heute in ihrer Sebnitzer Ausgabe über aktuelle Schäden im Nationalpark Sächsische Schweiz. Nicht nur die IG Stiegen- und Wanderfreunde hatte sich an die Presse gewandt, sondern auch viele Wanderer, die über die aktuelle Situation in der Sächsischen Schweiz geschockt sind.

Dies hat nun zu Konsequenzen geführt. Der Leiter des Forstbetriebes und stellvertretender Chef des Nationalparks wurde von seinen Funktionen enthoben und versetzt. Die SZ hat nun bei der Nationalparkverwaltung (NPV) nachgehakt und nur eine ausweichende Antwort bekommen. Die Versetzung habe nichts mit den aktuellen Arbeiten zu tun, blieb aber eine schlüssige Begründung schuldig. Man äußere sich nicht zu Personalfragen, sagt NPV-Sprecher Hanspeter Mayr. Offene Worte im Nationalpark sind also auch in den Jahren nach der Ära Stein noch nicht gewünscht.

In einer Pressemitteilung hatte sich die IG an die Öffentlichkeit gewandt und von schwerwiegenden Fehlern bei den Forstarbeiten in der Sächsischen Schweiz berichtet: Was dieses Jahr wie nie zuvor besonders zu beobachten ist – forstliche Fehler an allen Ecken und Enden: Eine Seilwinde, die nicht richtig funktionierte und Bäume über den Boden schleifte. Zerstörtes Wurzelwerk an den Wegen, die zum Teil um Meter verbreitert worden und für immer zerstört sind. Und auch Buchen, die gerade einen naturnahes Waldbild ausmachen, wurden gefällt. Ob Absicht oder Unwissen – das bleibt offen.

Die IG wirft der Nationalparkverwaltung vor, den Naturschutz bei Pflegemaßnahmen hinten anzustellen: Die Profitgier scheint in diesem Jahr soweit zu gehen, dass offenbar Firmen engagiert worden, die sich nicht um ordnungsgemäßes Arbeiten kümmern. Zu kritisieren sind in dem Zusammenhang auch die Revierförster, die eigentlich einmal am Tag die Arbeiten begutachten müssen und einschreiten sollen, wenn sie Mängel feststellen. Die Fremdfirmen, welche die Arbeiten durchführen, müssten eigentlich zur Verantwortung gezogen werden für die entstandenen Schäden, aber auch darum wird sich nicht gekümmert. Wer für die Aufräumarbeiten aufkommt, ist bislang nicht bekannt. […] Und wenn der Druck aus dem Ministerium immer größer wird und auch der Sachsenforst in strengen Lieferverträgen hängt, so muss auch im geschützten Nationalpark das Holz geschlagen werden.Wurzelzerstörung

Der Nationalpark wehrt sich laut SZ gegen die Vorwürfe und meint, dass es nicht um Holzgewinnung gehe, sondern mehr Naturnähe erzielt werden solle. „Aus den naturschutzfachlichen Anforderungen […] ergibt sich die anfallende Holzmenge“, sagt Mayr der SZ. Eine interessante Darstellung, über die nach IG-Informationen aber selbst die Mitarbeiter der Verwaltung nur den Kopf schütteln können. Nach Darstellung der NPV meldet der Nationalpark die Holzmenge, die eingeschlagen werden soll, an den Staatsbetrieb Sachsenforst. Wenn dies so sein sollte, ist die Verwaltung voll verantwortlich für die Vorgänge im Wald und kann die Schuld nicht auf den Sachsenforst abschieben. Dass es in der Realität aber anders aussieht und der Sachsenforst eine Menge an Festmetern vorgibt, die geliefert werden muss, weiß jeder, der sich eingehend mit der Thematik auseinander setzte. Traurig, dass darüber nicht offen gesprochen werden kann.