Sommersloch im Sommerloch

Auf meiner To-Hike-Liste steht schon sehr lange die Sommerwand im Großen Zschand. Es geht mir nicht darum, mich ins Gipfelbuch einzutragen, ich würde wahrscheinlich nicht mal den AW schaffen, sondern mich interessiert das „Loch“ in der Wand und die Inschrift Herrmann Krones. In Abstimmung mit dem Niederschlagsradar, das Regen erst ab 16 Uhr für den Sandstein ankündigt, mache ich mich mit meiner Frau auf den Weg zur Neumannmühle.
Dort erwartet uns ein bis auf den letzten Quadratzentimeter belegter Parkplatz; Buschmühle ebenso, aber an der Felsenmühle finden wir am Straßenrand, und kostenlos(!), noch eine PKW-Länge freien Platz. Oberhalb des Sägewerkes ist der Flößersteig nicht zu übersehen und mit 500 Meter mehr Weg, stehen wir wenige Minuten später am immer noch randvoll gefüllten Parkplatz an der Neumannmühle. Der Weg durch den schattigen, kühlen Großen Zschand ist durch zwei Eigenarten gekennzeichnet.

  • Die Anzahl der Begegnungen von Wanderern steht in keinem Verhältnis zum vollen Parkplatz. Wo sind die alle hin?
  • Erstaunlicherweise begegnen uns viel mehr Frauen als Männer. Wo sind die Männer geblieben? Eventuell könnte das am nachmittäglichen Testspiel Dynamo Dresden – Wolfsburg gelegen haben und die Männer sind an Ackis Sportbar am DDV-Stadion zu finden.

Das Zeughaus wollen wir erst auf dem Rückweg mitnehmen und gehen ohne Pause in die Kernzone weiter. Richterschlüchte, Weberschlüchte und jetzt den Bergsteigerzugang rechts nicht verpassen. Er ist aber unübersehbar. Sanft ansteigend schlängelt sich der Weg bis zum Talschluß des Sommerloches. Die dortige Grotte wehrt sich gegen jeden Besuch, in dem sie vor sich eine versumpfte Grasfläche angelegt hat. Auf Rolfs Karten ist die Grotte noch namenlos. Ich habe sie auf den Namen Sumpfgrotte getauft und bitte Rolf, in der nächsten Auflage der Großen Zschand-Karte, ihr diesen Namen zu verpassen.

Stiege im Talschluß Sommerloch

Stiege im Talschluß Sommerloch

Die Sumpfgrotte am Talschluß des Sommerloches

Die Sumpfgrotte am Talschluß des Sommerloches

Der Bergsteigerpfad schlängelt sich rechts durch Kuschelkiefern und über einige wenige, aber gut platzierte Holzstufen überwinden wir den Talschluß. Oben angekommen blicken wir von dem kurzen Band, auf dem der Pfad verläuft, noch einmal auf die Sumpfgrotte.
Der Pfad wird wieder breiter und steigt moderat bis zum nächsten Talschluß an. Dieser wird gequert und der Weg hat einen Ausbauzustand, der darauf schließen lässt, dass er irgendwann in der Erschließerphase der Sächsischen Schweiz als Wanderweg geplant gewesen sein muss. Die letzten Höhenmeter werden mit einem steilen Pfad überwunden, bis wir an einer Weggabel mit dem Hinweisschild zur Bergungsbox an der Sommerwand ankommen. Wir nehmen den Weg nach rechts und stehen wenige Augenblicke später vor der Sommerwand.
Durchgang in der Sommerwand

Durchgang in der Sommerwand

Blick auf die Nordseite der Sommerwand.

Blick auf die Nordseite der Sommerwand.

Die Rucksäcke lassen auf Bergsteiger schließen, von denen wir aber weder etwas hören, noch etwas sehen. Durch das Loch hindurch gelangen wir auf die andere Seite der Wand. Hier haben wir einen kleinen Ausblick bis zum Teichstein und einen respektvollen Blick auf den glatten Fels der Wand.
Zurück geht es den selben Weg. An der Weggabelung könnten wir auf der Höhe bleiben und auf dem Bergsteigerzugang bis zum Kampfturm weiterlaufen. Dort gibt es dann wieder einen legalen Abstieg in den Großen Zschand. Der Bergsteigerpfad geht noch weiter bis zum Bergfreundschaftskegel und dort wären wir dann ganz in der Nähe von … und könnten auf … weiter bis zum … wandern. Aber das ist für das nächste Mal aufgehoben, denn ein Blick auf die Uhr zeigt unerbittlich, dass wir absteigen müssen, um vor dem Regen wieder im Auto zu sein.
Am Zeughaus ist mittlerweile viel los; der Biergarten ist auf SB umgestellt und für uns ist noch Platz.
Herrmann Krone 1856

Herrmann Krone 1856

... und weg ist das Schild!

… und weg ist das Schild!

Natürlich haben wir auch Herrmann Krones Inschrift gefunden. Schließlich hat sie Weltkriege und Diktaturen überdauert und auch die Kernzone des Nationalparkes wird sie überleben. Im Gegensatz dazu ist mir auf dem Rückweg in der Schutzhütte an der Richterschlüchte aufgefallen, dass da doch früher was war, was jetzt weg ist.


14 Gedanken zu “Sommersloch im Sommerloch

  1. Kleiner Tipp: einige Meter links vom Loch durch die Sommerwand und der Krone-Inschrift kann man in einer schmalen Schlucht hoch und oben rechts auf ein kleines Felsplateau. Dort hat man rechts ganz nah Einblick in den oberen Teil der Sommerwand und den Alten Weg. Links der Sommerwand hat man einen schönen Fernblick nach Norden, angefangen vom Tanzplan über Teichstein, Kanstein, Böses Horn, Goldstein und fast den gesamten Verlauf des Goldsteiges bis hin zum Jortanshorn. Ein kleines Fernglas mitzuhaben ist dort nicht verkehrt.

      • Natürlich nur mit Kletterschuhen. Man muß erst links, dann nach rechts etwas in die Spalte runter, rübertreten und die Rinne hoch, rechts und links davon sind kleine Reibungstritte, die man vom Felsabsatz aus gar nicht so richtig sieht, weil man frontal draufschaut, da sieht es schwerer aus, als es ist. Nur die ersten 2 Meter sind die Schwierigkeit, dann wird es immer leichter bis zur AÖ.

  2. ….schön 🙂 , der letzte Besuch ist auch schon wieder 2 ? oder doch schon 3 Jahre her.
    Aber, um Himmels Willen, wer hat denn auch das Schild vom Schutzhüttenarbeitseinsatz aus purem Gold gemacht ! Ist doch klar daß so was verschwindet !!! …..oder sollen hier Spuren verwischt werden?
    Da pfeift der Fuchs !

  3. Schöner Bericht, dort oben war ich wirklich lange nicht mehr, kommt auch auf meine Liste. Da wo Dietmar Stufenreihen im Talschluss ausmachte, stand früher eine kleine Holzleiter. Und oben angekommen führt nach links (mit Blick auf das Loch) ein Kletterzugang ziemlich spannend runter un die Weberschlüchte.

  4. Ja, besuchenswert, schöner Weg, tolle Wand. Wir sind damals durch das Loch, linksrum und wollten über den … weiter, haben uns aber dann irgendwo in den überraschend zahlreichen Einkerbungen südöstlich des Weberschluchsteins regelrecht verlaufen und auf einem rettenden Kletterzugang in den Zschand abgestiegen. Muss man nochmal versuchen besser zu machen.
    Was die Parklätze betrifft – wie spät war es denn? Früher war 10:00 dicht, heute schon gegen 09:30. Das ist normal.
    Und vergiss die Übernachter nicht – die Neumannmühle ist sicher voll und hat eventuell weit über 40 Gäste die gleiche Zahl dürfte sich nochmal auf die Boofen im Umkreis verteilen … und da kommen dann die Tageswanderer erst noch dazu 🙂

  5. Schöne Beschreibung, Danke. Fehlt auch mir noch das Ding und to hike Liste,
    wunderbarer Begriff. Das was fehlt hatten wir vor 14 Tagen auch bemerkt, Mathias wollte da nachhaken.

Schreibe einen Kommentar