Zahlen zählen

weder Heilige Stiege, noch Lilienstein …

Da berichtet die SZ, am Lilienstein werden die Aufstiege saniert. In der Woche steht  nur ein Aufstieg zur Verfügung, am Wochenende wieder beide. Gut zu wissen und soweit so gut. Dass in der Zeitung, offenbar in Ermangelung passender Bilder, schnell mal irgendein ähnliches Bild zur Illustration eines Artikels benutzt wird wussten wir bereits. Dass die Unpässlichkeit nicht erwähnt wird hatten wir auch schon. Aber dass nun gleich mal der richtige Titel des falschen Bildes alle Zusammenhänge auflöst – das ist nochmal ärgerlich. Klar, dem Redakteur ist jede Treppe gleich, ob heilig oder nicht. Stiege ist Stiege. Schmilka oder Lilienstein, alles egal, dem Schreiber. Jaja, aber der Liebhaber des Gebirges empfindet solches als Geringschätzung der geliebten Landschaft und fühlt sich irgendwie gekränkt.

Aber dann gibt’s in dem Artikel auch noch eine Menge Fakten, die einen Graf Zahl gleich mal zum Nachrechnen verführen müssen.

Unter anderem lesen wir, 80 Steiganlagen unterhalte die Nationalparkverwaltung (NPV) im Nationalpark  und auf diesen könne man 5.000 Höhenmeter überwinden. Damit ist die Durchschnittshöhe einer nationalparkigen Steiganlage also 62,5 m. Und oohoo! Die Gesamthöhe ist höher als der Mont Blanc. Und, so lesen wir weiter, für den Unterhalt dieser Steiganlagen gibt die NPV jährlich (also in jedem Jahr) eine halbe Million (also 500.000 €) aus. Daraus können wir nun schlussfolgern, dass die NPV problemlos eine Stiege auf den Mont Blanc unterhalten könnte – ganz bis hoch und zwar nicht irgendwo in den Alpen beginnend, sondern quasi auf Meeresniveau.

Cool, oder? Wenn die Verwaltung ein derart potentes Budget hat, warum sind denn dann so viele Steiganlagen im Nationalpark in so einem bemitleidenswerten Zustand? Wenn für 80 „Treppen“ jedes Jahr 500.000 € da sind – dann, hihii – sind das doch für Graf Zahl 6.250 € für jede Treppe und zwar in jedem Jahr wieder neu. Ja himmelarschundzwirn!

der hässliche Zaun am Kuhstall

Ich glaube zwar, auch schon von aufwändigen Sanierungen gelesen zu haben, die vielleicht auch gleich mal 12.000 oder 24.000 € Kosten. Hut ab, nebenbei, vor denen, die dann zentnerweise Stahlräger, Mörtel und Ausrüstung in die Felsen hoch schleppen. Da kann eine Treppe schon mal das Jahresbudget von 3-4 anderen mit schlucken. Aber im nächsten Jahr, wenn die Arbeit gut gemacht ist auch in den nächsten Jahren, steht doch das Budget der renovierten Stiege dann den anderen zur Verfügung. Da müsste man doch erwarten dürfen, dass die Stiegen in einem besseren Zustand sind. Statt dessen bemerken wir aber auf vielen Stiegen, denn nicht alle sind so extrem aufwendige Eisenkonstruktionen (oder geht es bei den 80 nur um diese?), verrottete Holzstufen die nur noch zur Hälfte vorhanden sind, ehemals hilfreiche Geländer sind komplett verschwunden, wo Hölzer ganz fehlen ragen die Bodeneisen als gefährliche Fußangeln in die Luft und an einigen Stellen führen fehlende Stufen und Geländer zu verstärkter Bodenerosion … wofür dann aber wieder die Wanderer verantwortlich gemacht werden. Die man dann wiederum für viel Geld mit ganz tollen Eisenzäunen, die super ins Naturbild passen, daran hindern muss, die ganze schöne Landschaft platt zu trampeln, wie am Kuhstall (Bild 2).

Nee nee Leute, ich glaube euch kein Wort. Entweder sind die Zahlen schlicht falsch, oder die Verantwortlichen können mit Geld nicht umgehen.

Und, um nicht den gleichen Vorwurf wie die SZ zu bekommen, das Bild vom Kuhstallzaun ist von 2015 und bestimmt nicht mehr aktuell, weil die naturliebenden Nationalparkschützer das hässliche Teil selbst nicht mehr ertragen konnten. Und das Bild mit den kaputten Stufen stammt gar aus 2014, vom Großen Pohlshorn und die Treppe wird sicher inzwischen nagelneu sein, denn in den 3 Jahren haben sich ja für jede Steiganlage, für jede, 18.750 € angesammelt. Ob diese Stufen allerdings überhaupt zu den 80 genannten Steiganlagen gehören ist mir unbekannt. Kann schon sein, dass die zum gewöhnlicher Wanderwegenetz gehören, welches 500 km umfasst. Ist aber mir nun schnurz, denn für’s Wegenetz wird ja wohl auch ein Budget vorhanden sein.


Ein Gedanke zu “Zahlen zählen

  1. ….oh, der Graf zermartert sich den Kopf ob der Verwendung der Gelder. Du hast da einen wichtigen Posten schlicht vergessen: Die jährliche , vielleicht auch vierteljährliche, Begehung und Dokumentation der Steiganlagen und Wege. Rechnen wir pro Steiganlage 0,5 Stunden Anfahrt und 1 Stunde Begehung für je zwei Leute ( ….oder darf lt. Arbeitsschutz Einer alleine?) plus 1 PKW .
    Die Arbeitsstunde pro Mann kalkuliere ich mal über den Daumen mit einem Kostensatz von 80€, den PKW /Geländegängig mit 1€/km und 10 km An-/Abfahrt.
    Ich glaube mit dieser Rechnung fast richtig zu liegen. Da sind schon mal 20.000,- weg ohne das auch nur ein Hölzchen bewegt wurde.
    Da sind 500.000 € nur noch eine relativ große Zahl. Die Handwerksmeister und Kaufleute können ja den Netzplan mit Kalkulation mal aus Spaß zu Ende denken. Arbeit und Bürokratie sind eben teuer und müssen aber bezahlt werden. Es ist nicht immer Subotnik
    😉

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