Ist ein Schritt zurück ein Rückschritt?

In irgendeinem Wanderbericht hatte ich gelesen, dass man den Sommerturm in den Poblätzschwänden mittels eines 1er Sprungs bequem erobern könnte. Das interessiert mich, obgleich ich mich da noch nicht springen sehe, aber eine Erkundung vor Ort ist es wert und dazu hab‘ ich mir beim ortsansässigem Outdoorladen mal noch den passenden Kletterführer besorgen wollen. (Dass ich da keinen 1er Sprung drin fand, lieber Andy, das ist ein anderes Thema) Im besagten Laden lag aber gleich bei dem KF auch der Sandsteinblogger in Papier. „Hat der Landgraf selbst vorbeigebracht“, meinte der Händler. „Soso“, dachte ich da, „diese Mühe muss belohnt werden“ und so löhnte ich in zwischenjährig entspannter Stimmung die nicht ganz billig wirkenden 7,50 €. Aber, hab‘ ich meinen Kauf begründet, das kostet so ein buntes Heft und hier hab ich nur Themen die dicht um ein Lieblingsthema kreisen. Also schön, in den nächsten 2-3 freien Tagen gibt das was kurzweiliges zum lesen.

Und tatsächlich, auf Papier sind mir die Beiträge doch lieber, als auf dem Bildschirm. Das knapp A4-große Heft liest sich eben auch in der Badewanne einwandfrei und vor dem Schlafen nochmal das Kissen zurechtstopfen und noch einen Beitrag lesen – perfekt. Die Länge der Texte ist auch prima, obwohl ich schon manche etwas länger gewünscht, oder auf eine Fortsetzung gehofft hätte. Naja, wahrscheinlich darf bei der heute als so verkürzt behaupteten Aufmerksamkeitsspanne auch ein interessanter Beitrag eine bestimme Zeichenzahl nicht überschreiten. Aber grade das Titelthema, der Bericht über die Probebegehung des Forststeiges mit den Böhms, hätte doch geradezu nach einer Fortsetzung geschrien. Aber bitte, schön geschrieben ist auch der kürzere Bericht.
Nur das Titelfoto, zwei schicke Trekker mit Kraxe und Isomatten drauf und alle auf der Rahmhanke – naja. Schönes Bild zwar, aber da werden doch die wenigsten mit Kraxen langgehen (wenn überhaupt) und der Forststeig geht da auch nicht direkt lang. Aber egal, das wissen nur Informierte.
Richtig ein bissl geärgert hab ich mich über die etwas irreführende Zusammenstellung auf den Seiten 6 bis 9. Da gibt es jeweils ein großformatiges Bild mit einem Thema und ein paar Zeilen Text dazu und … so einen nervigen Hinweis „Weiterlesen auf Seite 86“ Mann ehhh! Was soll denn das? Das ist die blödeste Idee der Zeitungsmacher. Ich weiß schon, das soll die hyperaktiven Spackos, deren Aufmerksamkeit nicht über 2 Seiten reicht, am Heft halten, damit sie schon auf der nächsten Seite ein neues Thema finden, wenn sie das auf der Seite davor nicht interessieren sollte. Nee nee, Hartmut, sei dir ruhig versichert, wer dein Heft kauft, der kann auch drei Seiten am Stück lesen. So richtig blöd fand ich es, als ich herausfand, dass die in kleinen 6ecken vorgestellten Persönlichkeiten und deren Aktionen mit dem großformatigen Bild und Text gar nix zu tun haben. Das ergab nur unproduktives Hinundhergeblätter mit linder Enttäuschung. Das ist gänzlich unnötig.
Aber der ganze Rest des Heftes macht Spass beim Lesen. Kurzweilig, unterhaltsam, anregend, romantisch, liebevoll und einfühlsam geschrieben. Und das sind, inklusiver etwas nötiger Werbung, 124 Seiten. Schön. Und humorvoll hab ich noch vergessen.
Man wünschte sich, die BIWAK-Macher würden sich aus dem Heft ein paar Themen für kommende Sendungen ziehen. Herrlich verrückte Leute von hier und von ferner, die mal wieder so eine sehenswerte Sendung ergeben könnten, wie die mit der Seifen-Besteigung. Ich hätte doch die zwei Kletterfrauen gern mal im Fernsehen, die für ein 3-Gänge-Menü (frisch zubereitet natürlich) auf 3 Gipfel steigen. Oder der Marathon, alle Klettergebiete in einer Tour zu begehen und wenigstens einen Gipfel dort zu besteigen. Oder der Gewitterjäger, oder ….
Richtig schön auch, die doppelseitigen Landschaftsbilder mit ein paar Assoziationsgedanken zum HDR-Auenland und dem Schlusslacher beim Mordor-Bild. Das zeigt, vom Papststein gesehen, ein über der Residenz tobendes Blitzgewitter…. Über Mordor also.
Beim Text über bedrohte Tierarten im Sandstein dachte ich noch „Hoppla“, ich habe doch ein Foto aus 2009 mit einem Gartenschläfer, der laut Text schon 10 Jahre länger nicht mehr nachgewiesen wäre. Aber ich glaube ich habe mich geirrt. Mein Schläfer hat zwar etwas dunkle Augenringe, was aber wohl nur von ausgedehnten Nachtleben kommt. Es ist doch nicht die richtige Gaunermaske des Gartenschläfers und „nur“ ein Siebenschläfer (Bild oben).
Den Kauf habe ich jedenfalls nicht bereut und das nächste Heft erwarte ich gespannt. Und – vom Webblog zurück zum Papier ist für mich kein Rückschritt. Höchstens ein Seitensprung.

6 Gedanken zu “Ist ein Schritt zurück ein Rückschritt?

    • Jaja, kenn ich, aber im aktuellen KF findet sich das nicht so. Da gibt es einen Elfenflug 2/I und Schiffersprung 2.
      Aber wo ich grad nochmal reinschaue – der 1er Sprung verbirgt sich als Variante im Überfall III. Na das guck ich mir mal an, als Sprung ne 1 als Überfall eine III?
      Komisch finde ich, dass bei Teufelsturm für den Sommerturm nur 5 Wege gelistet sind, im KF sind es 15+ 2 Varianten.

    • Klar, ich werde auf der geplanten Tour durch die Poblätzschwände am Samstag das noch gut lesbare Heft irgendwo dort verstecken und eine Suchanleitung hier notieren. Wer will, kann es sich dann am Sonntag holen 🙂

        • Hatte ich auch so gelesen, freue mich aber, denn etwas unsicher war ich, weil im Gebiet auch einzelne Gipfel ab 15.01. unter Schutzbann stehen.
          Warum eigentlich dieser Unterschied, andere Greifenart?

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