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Autor Thema:Wie weiter im Nationalpark Sächsische Schweiz? Minister Kupfer bezieht Stellung!
ChristianH-
.
Stiegengeher
Beiträge: 997
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Beitrag Wie weiter im Nationalpark Sächsische Schweiz? Minister Kupfer bezieht Stellung!
am 01.11.2012, 17:23
Zitat

Wie weiter im Nationalpark Sächsische Schweiz?

Umweltminister Frank Kupfer (CDU) informiert über Ergebnisse des bundesweiten Qualitätschecks:

Im Nationalpark Sächsische Schweiz wird es auch weiterhin ein dichtes Netz von Wanderwegen und zahlreiche Möglichkeiten für das Felsklettern geben. Das betonte Umweltminister Frank Kupfer heute (1. November 2012) bei der Bewertung des Evaluierungsberichts für den Nationalpark.

„Genau wie die 13 anderen deutschen Nationalparks haben Naturschutzexperten auch die Sächsische Schweiz bewertet. Das Ergebnis des Evaluierungsberichts enthält eine Reihe von Vorschlägen, über die nachgedacht werden kann“, so der Minister. „Die Vorstellung jedoch, schon in wenigen Jahren 75 Prozent der Flächen sich selbst zu überlassen und das dichte Wegenetz zu verringern, geht absolut an der Realität vorbei“. Das Wegekonzept im Nationalpark sei im Konsens mit Naturschutz-, Bergsport- und Wanderverbänden entstanden. „Bei der Gründung des Nationalparks gehörten Naturerlebnis und Naturerfahrung ausdrücklich zu den Zielen“.

Im Rahmen einer bundesweiten Untersuchung haben hochkarätige Naturschutzexperten im vergangenen Jahr auch den Nationalpark Sächsische Schweiz bewertet. Der Ergebnisbericht der Evaluierung ist auf der Internetseite der Nationalparkverwaltung veröffentlicht.

Die bundesweite Untersuchung belegt die hervorragende Naturausstattung des Nationalparks mit Lebensräumen von nationaler und internationaler Bedeutung. Die Bewertung berücksichtigt die Eigenständigkeit des Parks als Felsen-Nationalpark mit herausragender Bedeutung für den Tourismus. Darüber hinaus werden unter anderem die gute Vernetzung mit den benachbarten tschechischen Schutzgebieten, die positiven Impulse für die Regionalentwicklung und die enge Zusammenarbeit mit den Wander- und Bergsportverbänden gewürdigt.

Schrittweise soll der überwiegende Teil der Flächen im Nationalpark einer natürlichen Waldentwicklung überlassen werden. Dazu werden aber auch nach 2020 vor allem in standortuntypischen reinen Fichtenbeständen noch Waldpflegemaßnahmen nötig sein, die zu einer natürlichen Baumartenzusammensetzung führen und großflächige Waldschäden durch den Borkenkäfer verhindern sollen. „Das dies auch beim Einsatz von Forstmaschinen auf möglichst schonende Weise geschieht, hat die Nationalparkverwaltung heute überzeugend demonstriert“, so der Minister bei dem Vor-Ort-Termin am Lilienstein.

(Quelle: http://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/177459)

Bitte um Beachtung der folgenden tagesaktuellen Berichte:

http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=3193971

http://www.nationalpark-saechsische-schweiz.de/service/service/news/Archiv2012/Evaluierungsbericht.html

Achtung! 19 Uhr dazu auch ein Bericht im MDR-Sachsenspiegel!

Was sagen die Stiegenfreunde dazu?

polenztale-
r
Forums-Junkie
Beiträge: 1070
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Beitrag Re: Wie weiter im Nationalpark Sächsische Schweiz? Minister Kupfer bezieht Stellung!
am 01.11.2012, 19:18
Zitat

Warum hat man Minister Kupfer nicht das Lindengründel gezeigt?

ChristianH-
.
Stiegengeher
Beiträge: 997
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Beitrag Re: Wie weiter im Nationalpark Sächsische Schweiz? Minister Kupfer bezieht Stellung!
am 01.11.2012, 19:25
Zitat

Ja, stimmt schon. Der MDR-Bericht war Käse, auch wenn ihn Herr Kutschke von Biwak erstellt hat.

EricF
Administrator
Beiträge: 856
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Beitrag Re: Wie weiter im Nationalpark Sächsische Schweiz? Minister Kupfer bezieht Stellung!
am 01.11.2012, 19:41
Zitat

Habe mir die Evaluation grob durchgelesen. Ich kann bei vielen Ergebnissen mitgehen, die scheinen mir sogar durchaus sinnvoll.

Leider kann ich die Aussagen zum Wegenetz aus eigenem Erleben nicht nachvollziehen. Es ist - gerade auf den einsamen Pfaden - noch einsamen, als vor vielen Jahren, als dort "Normalbetrieb" herrschte und jeder jeden Pfad gehen konnte, wo er nur wollte. Aber das haben wir bei der NPV-Wanderung in der Speisekammer gut belegen können, außer uns war keiner dort, und wir haben sicher den Wochenschnitt versaut. Überlaufen sehe ich eher Touristenautobahnen an, Bastei, Brand u.ä.

"Nur Dreck, wo Du hinguckst. Ich komme in die Kabine, da steht keiner auf, da hört keiner zu - kein Anstand. Lauter Ossis." (Rolf Schafstall)

polenztale-
r
Forums-Junkie
Beiträge: 1070
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Beitrag Re: Wie weiter im Nationalpark Sächsische Schweiz? Minister Kupfer bezieht Stellung!
am 01.11.2012, 19:43
Zitat

Es ist wie zu alten Zeiten.Wenn sich bei der NVA ein General angekündigt hatte ,wurden die Bordsteinkanten weiß gestrichen.
Wenn Minister Kupfer der Natinalparkchef und der Bundestagsabgeordnete Herr Brähmig sich vor Ort treffen,muss alles in"Butter" sein.Ja ,ja das war früher beim alten Fritz schon so und daran hat sich bis heute nichts geändert.Leider 🙁

EricF
Administrator
Beiträge: 856
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Beitrag Re: Wie weiter im Nationalpark Sächsische Schweiz? Minister Kupfer bezieht Stellung!
am 01.11.2012, 19:52
Zitat

Ich habe gar nichts dagegen, wenn alles in Butter ist. Schade nur, dass es nicht immer so ist, und darauf müssen wir weiter hinweisen, wie bereits geschehen. Gut, dass der Naturort Sächsische Schweiz weiter allen Personengruppen offen stehen soll. Was letzten Endes jedoch von einer solchen Evaluation umgesetzt wird, wird allein die Zeit zeigen.

"Nur Dreck, wo Du hinguckst. Ich komme in die Kabine, da steht keiner auf, da hört keiner zu - kein Anstand. Lauter Ossis." (Rolf Schafstall)

ChristianH-
.
Stiegengeher
Beiträge: 997
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Beitrag Re: Wie weiter im Nationalpark Sächsische Schweiz? Minister Kupfer bezieht Stellung!
am 01.11.2012, 19:59
Zitat

Ich glaube, der richtige Aufreger ist folgender Punkt:

Umweltminister Frank Kupfer: „Die Vorstellung, schon in wenigen Jahren 75 Prozent der Flächen unter Verzicht auf jegliche forstliche Maßnahmen sich selbst zu überlassen, geht an der Realität vorbei.“

Dieser Satz sagt uns, dass das Programm, das sich der Nationalpark gegeben hat, was zumindest diesen Teil betrifft, obsolet ist. Denn es heißt auch:

Die Überführung von Flächen der Naturzone B in eine räumlich möglichst zusammenhängende Naturzone A soll in einem Übergangszeitraum von etwa 30 Jahren erfolgen (Anlage 5 Nr. 5 NLPR-VO).

und

Flächenanteil Prozessschutz (Naturzone A, Naturzone B-Ruhebereich)
- 2008: über die Hälfte, d.h. Erfüllung der Mindestanforderungen an deutsche Nationalparke (§ 24 Abs. 2 BNatSchG, § 17 Abs. 2 SächsNatSchG)
- ca. 2020: mindestens zwei Drittel
- ca. 2030: über drei Viertel, d.h. Erfüllung der internationalen Anforderungen an Nationalparke (IUCN, Kategorie II)

Hier darf sich Herr Kupfer gern noch einmal äußern. Die internationalen Anforderungen sollen offenbar nicht erfüllt werden, zumindest nicht im vorgegebenen Zeitraum. Persönlich halte ich das für keine schlechte Nachricht, denn es kann für die natürliche Entwicklung in der Sächsischen Schweiz durchaus von Vorteil sein. Für mich ist damit aber das Ende des Nationalparks in nicht allzu langer Zeit voraus bestimmt.

Karsten
Moderator
Beiträge: 1673
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Beitrag Re: Wie weiter im Nationalpark Sächsische Schweiz? Minister Kupfer bezieht Stellung!
am 01.11.2012, 20:56
Zitat

Habe den Bericht auch quer gelesen. Neben den angesprochenen Dingen (Christian hat recht, der Aufreger ist die A-Zonen-Regelung) ist mir noch einiges aufgefallen, oft Erkenntnisse, die wir auch schon geäußert haben:
- Borkenkäfer-Behandluing nur in 500-m-Randbereich zu Privatwald
- zuwenig Personal, Überalterung
- Zuordnung des NP zum Sachsenforst; eigenes Budget wäre wichtig
- ...
"Unser" Minister klang für mich so wie: "Alles schön und gut, wir machen (aber) weiter wie bisher."

Der Nationalpark wird kommen und gehen,
aber die Boofen werden ewig bleiben.
(Gipfelbuch Schrammsteinwächter)

Karsten
Moderator
Beiträge: 1673
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Beitrag Re: Wie weiter im Nationalpark Sächsische Schweiz? Minister Kupfer bezieht Stellung!
am 01.11.2012, 21:14
Zitat

Link MDR-Sachsenspiegel: http://www.mdr.de/mediathek/fernsehen/sendungverpasst100-multiGroupClosed_boxIndex-0_zc-d65ce291.html

Besser als Video bei der SZ:
http://www.sz-online.de/_sitetools/videoplayer/player.asp?vID=1687

Der Nationalpark wird kommen und gehen,
aber die Boofen werden ewig bleiben.
(Gipfelbuch Schrammsteinwächter)

Wanderbär
Stiegengeher
Beiträge: 840
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Beitrag Re: Wie weiter im Nationalpark Sächsische Schweiz? Minister Kupfer bezieht Stellung!
am 02.11.2012, 23:50
Zitat

So, ich habe den Bericht gelesen. Oder sollte ich sagen, ich habe den Fehler gemacht, den Bericht zu lesen? Aber man muss schon mal gelesen haben, worüber zu reden sein wird.

Jedenfalls ist mir gleich bei den ersten Zeilen schon schlecht geworden und beim weiterlesen wurde es nicht besser. War ja auch klar, Evaluierung, das Wort benutzen diese Kennziffernheinis. Solche, die mit virtuellen Zahlen reale und gesunde Firmen bankrottschreiben ohne einen Euro oder ein Werkzeug in die Hand zu nehmen. Ich hab also schon nicht Gutes erwartet, denn wie kann man denn für ein Stück Naturlandschaft ein Normierungsschema aus der Schublade holen, um dann die Natur zu bewerten, zu bemessen und da reinzupressen – ich könnte bei dem Gedanken schon kotzen, aber es kommt noch besser....

Zuerst schon mal eine Liste von Abkürzungen, welche ich für lesenswert halte, denn ich glaube, daraus kann man eine unlogische Denkweise und eine mutwillige Verklausulierungsabsicht erkennen und diese Erkenntnis hilf bei der weiteren Lektüre. Wir gewöhnlichen Menschen benutzen für Abkürzungen ja üblicherweise die Anfangsbuchstaben der einzelnen sinngebenden Hauptworte. Meist unabhängig davon, ob die Worte zusammengeschrieben werden. Nationalpark ist zwar ein Wort, ist aber aus national und Park zusammengesetzt. Wir kürzen deshalb zumeist mit NP ab. Die Nationalparkverwaltung ist demzufolge die NPV. Im Bericht benutzt man NLP und das soll NationaLPark bedeuten. Dass NLPV dann die Nationalparkverwaltung ist, das können wir verstehen. Aber müsste es nach der neuen Logik nicht NLPKVG heißen, von NationaLParKVerwaltunG? Na egal.

Nach ein paar einleitenden Worten über Genehmigungen, Anträge, Mittelbereitstellung und wer alles mit wem, lese ich etwa in der Mitte von Seite 1 sinngemäß: " .... Die Grundlage einer jeden Nationalpark-Evakuierung bildet zunächst eine Selbstbefriedigung der jeweiligen Parkverwaltung anhand des entwickelten Online-Ejakulierungsbogens. ...." He? Ach nee, war nur ein freudscher Lesefehler meinerseits. Gleich darunter sieht man ein rundes Dings mit englischsprachiger Beschriftung, das hat von denen sicher jeder innen an der Spindtür hängen.

Am Ende von Seite 2 wird zugegeben, dass man sich gar 2 Tage vor Ort befunden hat. Oho! Und man hätte wichtige Fragen sogar sogar mit örtlichen Steakhäusern abgesprochen (Sie schreiben zwar Stakeholdern, ist aber bestimmt ein Schreibfehler, denn was soll das bedeuten?).

Seite 3 bietet eine überraschend kurz abgefasste Beschreibung der Landschaftsform und ihrer Flora und Fauna. Der Stengelumfassende Knotenfuß wird seltsamer Weise gar nicht erwähnt – enttäuschend – ansonsten liest man den Abschnitt gern, ist aber etwas verärgert, dass für soviel grandiose Natur sowenige Zeilen ausreichen. Dies Kürze erscheint mir symptomatisch.

Genau so umfangreich werden dann nachfolgend die diversen Tarifzonen in %en beschrieben und aufgelistet. Die dazugehörige Karte ist eher wenig hilfreich. Man kann aber sehr schön die fetzenhafte Gestalt des NLP erkennen. Man sieht quasie, wie man die Zonenumrandungen in die ärgerlicher Weise schon vorhandene Kulturlandschaft hineinzeichnen musste, da man die Bevölkerung nicht einfach umsiedeln konnte. Die Elbe ist eben kein Jangtsekiang.

Danach folgt eine weitestgehend unverständliche (immer natürlich nur auf mich bezogen) Auflistung von SOLL und IST und Stärken und Schwächen. Das ist sehr verwirrend. Interessant und bemerkenswert ist jedoch der Absatz am Ende von Seite 10, dessen Pointe gar auf Seite 11 gerutscht ist. Es heißt dort: "... Die Nationalpark-Fläche ist flurstückgenau, bzw. In amtlichen Seekarten abgegrenzt. ....". Na? Dämmerts da? Seekarten! Das bedeutet, die Mail aus der Zukunft war richtig. Hier lesen wir nun wie alles anfing. Das ist der Beweis für die langfristige Zielsetzung – die Rückverwandlung des ehemaligen Meeresbodens in ein wirkliches Meer. Die künftigen Nationalparkgrenzen beschreiben praktisch die angestrebte Küstenlinie. Dazu müssen antürlich noch Lücken in den Zonen geschlossen und einige Erweiterungen vollzogen werden. Und richtig, da steht es ja auch schon geschrieben, auf Seite 11 wird zuerst die lückenhafte IST-Situation beschrieben und dann als Maßnahme empfohlen: "....Flächenankäufe zur Gebietsarrondierung ..." Wikipedia sagt dazu: "Unter Arrondierung (Abrundung) versteht man unter anderem den Einbezug an ein bestimmtes Grundstück angrenzender Flächen zu diesem Grundstück dergestalt, dass eine kürzere Außengrenze bzw. zweckmäßigere Außengrenze entsteht. Das Wort stammt aus dem Französischen (arrondir, „abrunden“) bzw. dem Lateinischen (rotundus, „rund“)."

Seite 12 liefert Zustandsanalysen und Handlungsempfehlungen, deren spätere Umsetzung wir in der Mail aus der Zukunft bereits bestätigt bekommen haben – die splitterhafte Zerschneidung der NLP-Fläche wird durch den Rückbau des kompletten Wander-Wegenetzes beseitigt, lediglich 2-3 Hauptwanderschneisen werden erhalten bleiben.

Auf den nächsten Seiten wird mehrfach herausgestellt, dass der Elbsandstein zwar eine mitteleuropäische Einzigartigkeit besitzt und unter deutschen Nationalparks eine naturräumliche Eigenständigkeit aufweist, daraus jedoch auch für die Bewertung und Behandlung der besonderen Landschaft besondere Kriterien zu entwickeln, darauf kommt man nicht. Oder eigentlich doch, denn es gibt ein Artenmanagement. In diesem unangenehm klingendem Begriff sind unzutreffend kurz die eigentlich umfangreichen menschlichen Eingriffe in das Leben und die Existenz der Tiere und Pflanzen umschrieben. Teils wird das wohl nötig sein, damit die drumrumlebende Bevölkerung nicht auf die Barrikaden geht, weil ihnen Schwarz- und Rotwild die Gärten und Äcker kahlfressen und teils wohl auch, weil die reale Landschaft noch nicht dem Wunschziel entspricht.

Die auf Seite 17 empfohlene Maßnahme "Schaffung ökologisch effektiver Korridore" macht neugierig. Ich bin froh, weit außerhalb zu leben. Aber Waltersdorfer, Porschdorfer, Rathmannsdorfer – verkauft eure Grundstücke, bevor sie durch die durchziehenden Bisonherden im Wert sinken! In Punkt B 3.1 ist der Missstand beschrieben, dessen Auswirkungen wir in der Praxis ständig erleben. Punkt 3.2 beschreibt ihn weiter.

Auf Seite 20 erfahren wir, dass an Wochenenden im Sommerhalbjahr das Restrisko für "Zonengrenzverletzer" (woran erinnert mich das?) sich erfreulicher Weise im Promillebereich bewegt, da an solchen Tagen 1 NLP-Wächter zur Betreuung von 2.000 Besuchern zuständig ist. Rein rechnerisch natürlich, denn in Wahrheit wird sich dieser Mitarbeiter eher als Ranger fühlen und den Touristenmassen fliehend nur, sich in einsame Schlüchten und Gründe zurückziehen, wo er den scheuen Pfad-Finder aufzuspüren hofft. Im Winterhalbjahr sinkt das Risiko nochmals um ein gutes Drittel. Gut zu wissen das ist. Personalaufstockung ist allerding im Bericht angedroht, äh, empfohlen.

Auf Seite 22 erfahren wir, was wir schon vermutet und befürchtet hatten, die NLPV muss sich stark aus dem Holzverkauf finanzieren.

Die Folgeseiten beinhalten wahrscheinlich sehr viele Informationen, die sich jedoch dem uneingeweihten Leser ohne Kenntnis der zahlreich erwähnten Konzeptionen, Beschlüsse und Planungsunterlagen nicht erschließen. Punkt "4.3 Zonierung" beschreibt nochmal detailierter die weiter vorn schon allgemein beschriebene Expansionsabsicht. Dito in "Punkt 4.4 Renaturierung" und die Mail aus der Zukunft wird erneut bestätigt.

Achtung! Punkt 4.6 Besucherlenkung und Gebietskontrolle. In diesem Abschnitt bemerken wir nun wieder einmal die erprobte Taktik sachliche Halbwahrheiten, gar Lügen oder Fehlinterpretationen durch Aufschreiben in amtlichen Unterlagen auf das Niveau einer wissenschaftlich fundierten Information zu heben, um mittels dieser medialen Transformation die eigenen, andernfalls unbegründbaren Absichten durchzusetzen. Da wird frech behauptet, die Erholungsnutzung, besonders durch die "beängstigende" Wegedichte, würde zur Beunruhigung der Waldbewohner führen. Das ist doch nur eine Behauptung. Wäre dem so, müsste doch der Schwarzstorch, der Sperlingskauz, der Falke, der Luchs und wie sie noch alle da sind, nicht mehr da sein. Sie sind aber da und das beweist mir ohne Feldstudien oder Tierbefragung, dass die Behauptungen schlicht falsch sind. Übrigens genau so falsch wie die weiter vorn Im Bericht erwähnte Beabsichtigung der Wiederansiedlung des Luchses. Das liest sich für mich so, als wäre der Luchs noch nicht da. Nach meinen theoretischen Informationen war er aber schon in der DDR im Sandstein heimisch und im Jahr 2011 habe ich selbst ein taufrische Luchsfährte im nassen Sand gefunden. Für Haus- oder Wildkatze war der Abdruck zu groß und für einen Sibierischen Tieger deutlich zu klein.

Bis einschließlich 7.3 hat mein Interesse deutlich nachgelassen. Es sind alles Punkte mit vernünftig klingenden, aber endlich ins Leere laufenden Absichten und Bemühungen. Es geht sinngemäß um die theoretische und praktische Einbindung der Menschen in eine Naturerhaltungsabsicht, die bei den Menschen jedoch ein Interesse an und Kenntnisse über die Natur voraussetzt. Beides wird bei den Menschen künftig aber immer weniger zu finden sein, da sie weitestgehend aus der Natur ausgeschlossen, die Natur ihnen planmäßig entfremdet wurde. Zu diesem Sachverhalt empfehle ich den entsprechenden Text auf der Webseite von Dr. Rolf Böhm und das dortige weiterführende Link zu "Rainer Brämer, Der Mensch kommt im Natur-Bild des Menschen nicht mehr vor." Eine kürzliche Radiomeldung schließt dann diesen Gedankenkreis: Unter der Schlagzeile "Naturschützer sterben selber aus" wurde berichtet, dass Naturschutzverbände zunehmend Nachwuchsprobleme haben – warum wohl? Siehe Bambi-Syndrom.

Bis 8.1 werden die gleichen Probleme weiter beschrieben. Versuche, die vorher ausgeschlossenen Menschen wieder in das Thema einzubinden. Besonders schmerzlich bemerkt man, dass der NLPV hier ein (wörtlich) "enormes" Potential für Naturerlebnisangebote bescheinigt wird, was sie nicht nutzt. Man könnte praktisch durch entsprechende Veranstaltungen Einkünfte erzielen, die dann nicht durch Holzverkauf erzielt werden müssten. Neben dem Imagegewinn hätte man also einen Bildungseffekt und noch weniger Naturzerstörung durch erzwungene Holzgewinnung. Schade.

Aus 9.1 lese ich heraus, was ich vermutete – es gibt keine ausreichende Forschung, die die tatsächliche Beeinflussung und die Entwicklung der Natur im NLP auf sachliche Füße stellen könnte. Damit bleiben für mich alle Behauptungen nur Makulatur, der Mensch (und hier ist ja stets nur der einsame Mensch auf den einsamen Wegen gemeint) würde das einsame Tier im Walde verstören, verteiben und belästigen. Das dies auf die Menschenmassen auf den Wandertrassen zutrifft, zumindest teilweise, das bleibt unbestritten wie ebenfalls ungeprüft. Der immerwährende Aufreger-Haken ist hier ja nur, dass die "Lenkungspolitik" immer mehr Menschen auf immer weniger Wegen konzentriert und damit die Störung verstärkt. Die dortige Unruhe wird aber nicht thematisiert oder therapiert, die Ruhigstellungsbemühungen richten sich statt dessen auf die in Wahrheit ruhigen Bereiche, wo die wenigen wirklich Natursuchenden einer Bestrafung und Vertreibung aus dem Paradies zugeführt werden sollen.

Die Bewertung der Aussagen in "10.1 Image" und "10.2 Impulse für die Region" überlasse ich als "Ausländer" den "Einheimischen", sie klingen mir aber wie die gewohnten Beweihräucherungen der eigenen Leistungen.

Den Aussagen in 10.3 zum Verkehr kann ich aus eigenem Erleben teilweise zustimmen. Bestimmte Zielgebiete sind mit dem ÖPNV recht gut zu erreichen, andere dagegen gar nicht. Teilweise feht es vielleicht auch nur an ausreichenden Informationsmöglichkeiten zu vorhandenen Verkehrsanbindungen. Teilweise sehe ich aber auch erhebliche ungenutzte Möglichkeiten zur Besucherlenkung. Der linkselbische Teil gehört zwar (noch) nicht zum NLP, aber nach meinem Verständnis müssten Mittel und Bemühungen vorhanden sein, einen größeren Teil der sandsteininteressierten Besucher, auch und gerade mit dem ÖPNV, in dieses Gebiet zu lenken. Denn wer im Bielatal wandert, kann im Zschand kein seltenes Blümchen zertreten. Aber, das versaut natürlich auch die Besucherstatistik des NLP und die braucht man ja wieder für die Kennziffern in der nächsten Evaluierung.

Wirklich absolut undurchsichtig sind die Zahlen zum "Natur Natur sein lassen". Da ist von verschiedenen %zahlen die Rede und mal sollen die magischen 75% 2033, mal 2030 oder gar 2020 erreicht werden. Informativ ist das nicht.

Fazit:
Ein Text mit offensichtlichen Wahrheiten, teilweise wird der NLPV ein Spiegel vorgehalten, in dem sie eigene Fehler sehen könnte. Aber über weite Strecken zeigt der Text auch eine deutlich erkennbare Ignoranz der praktischen Unvereinbarkeit der "üblichen" Nationalparkkritärien mit den örtlich gegebenen Verhältnissen. Fast völlig fehlen Gedankenansätze für regionalspezifische Lösungen, obwohl sogar dargelegt wird, dass regionalspezifische Problemstellungen existieren.

Insgesamt unbefriedigend.

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