Über Wegewächter

Seit 13 Jahren aktiv im Sandstein unterwegs ...

Arbeitseinsatz bei Porschdorf

Am vergangenen Samstag trafen sich 9 Mitglieder der IG zu einem Wegebau-Einsatz in der Nähe von Porschdorf. Organisiert wurde das Ganze vom Stiegenfreund “Polenztaler”, nicht nur material- und werkzeugtechnisch, sondern auch die Verpflegung und die Aufwärmmöglichkeit – letzteres dringend erforderlich bei Temperaturen von 4°C, frischem Wind und leichtem Regen. Gebaut wurde am “Hornleitenweg” oberhalb des Lachsbachtales (Link zur OSM – Weg hier als “Kirchleite” bezeichnet).

Im ersten Abschnitt wurde ein Stück des alten Wegverlaufes neu angelegt, da dieser über die Jahre durch Bewuchs verschwunden war. Im zweiten Abschnitt wurde in einem kleinen Seitental ein Holzsteg über den kleinen Graben errichtet und der östliche Zugang zusätzlich durch Einbau von Stufen und Wasserableitung versucht zu “entschärfen”, denn dort war es bei der Nässe sehr rutschig gewesen.

Am Ende kamen 75 reparierte Wegmeter zustande, und wir setzten abschließend auch eine kleine Wegmarke mit einer Erinnerung an die fleißigen Helfer. Zudem hatten wir auch die SZ eingeladen, um von unserer Arbeit zu berichten – vielleicht erscheint der Artikel ja dann in den nächsten Tagen tatsächlich auch.

Baumartenstreit im Nationalpark (2) – die Datenlage

Wie versprochen habe ich ein wenig im Internet recherchiert und bin auf einige interessante Beiträge zum Thema Baumarten und Klimawandel gestoßen – allerdings sind diese teilweise nicht ganz aktuell oder undatiert gewesen. Aber sei es erstmal drum … aus zweien möchte ich hier Auszüge darstellen.

Die erste Untersuchung stammt aus heimatlichen Gefilden von Prof. A. Roloff und B. Grundmann aus Tharandt, verfasst bereits 2008. Angereichert mit ein paar Daten aus der Schriftenreihe des NP.

Hier wurden zum einen Frostresistenz (Winter- und Spätfröste) und zum anderen Trockenresistenz untersucht. Letzteres braucht ja nicht näher erläutert zu werden; Frostresistenz ist aber ebenfalls wichtig, da in unseren Breiten auch künftig durchaus noch Fröste zu erwarten sind, wenn auch vielleicht nur noch selten – aber ein Zitronenbäumchen würde wohl auch einen Nachtfrost von -5°C nicht überstehen. Besonders empfindlich gegen Winterfrost zeigt sich die mediterrane Flaum-Eiche; gegen Spätfröste ist eine ganze Reihe von Bäumen empfindlich, dazu gehören sogar einheimische Arten wie die Rotbuche, die Weißtanne und die Gemeine Esche sowie z.B. Edel-Kastanie (Marone), Walnuss, Wildapfel und -birne, Zerr-Eiche.
Was sagen unsere einheimischen Hauptbaumarten zu Trockenheit? Die Fichte (Anteil in der Sächsischen Schweiz 1995: 46,2%) ist extrem anfällig, das ist bekannt und inzwischen auch zu sehen. Künftig ist sie wohl nur noch in den Kammlagen der Mittelgebirge und vielleicht in den feuchteren Schlüchten des Elbsandsteins zu finden. Sie wächst normalerweise in Lagen von 1200 bis 1700 Meter bei JN > 1000 mm (!) und eher kühlen Temperaturen. Stiel- und Traubeneiche haben tiefe Pfahlwurzeln und sind deshalb gut an trockene Standorte angepasst – sind aber bislang im Elbsandstein nicht so verbreitet (Anteil: 2,8%). Wegen ihrer Lichtbedürftigkeit haben sie einen deutlichen Wachstumsnachteil gegen Buche und Fichte. Auch die Waldkiefer (Anteil: 14,9%) ist sehr trockentolerant – nicht umsonst wachsen in den deutschen „Sandbüchsen“ vorrangig Kiefern und Eichen. Differenziert muss die Rotbuche (Anteil: 11,8%) gesehen werden. Diese wächst auch derzeit schon bestandsbildend außerhalb ihres Optimums, ein weiteres Vordringen auf trockenwarme Kalkstandorte wird beobachtet. Allerdings kann sie längere Trockenphasen nicht tolerieren – wie letztes Jahr an vielen Standorten zu sehen war (JN > 600 mm erforderlich). Perspektivisch wird sie wohl an schon jetzt trockenen Standorten wieder verschwinden. Die Rotbuche ist vor ca. 5800 Jahren aus Südosteuropa eingewandert und die damit die jüngste „heimische“ Baumart.
Zusatzinfo: weitere Baumanteile: Birke 12,9%, sonst. Laubbäume 3,8%, fremde Laubbäume 1,4%, fremde Nadelbäume 6,2%. Quelle: Der Wald im Nationalpark Sächsische Schweiz, Schriftenreihe Heft 7

Aus der Zusammenfassung möchte ich nun die Arten nennen, die sich für eher trockene Standorte qualifizieren. (Die Einteilung nach Feuchte erfolgte in 4 Stufen, ich erwähne hier nur die beiden trockenen.) Für trockene und sehr trockene Standorte – dazu gehören sicher auch viele Flächen im Elbsandsteingebirge – werden als geeignet bezeichnet: Feld- und Spitzahorn, Sandbirke (Pionierbaum), Hainbuche, alle Kiefernarten, Zitterpappel (Pionierbaum), Vogelkirsche (Pionierbaum), Traubeneiche, Robinie, Mehlbeere, Speierling, Elsbeere und Winterlinde.
Für mäßig frische bis mäßig trockene Standorte werden empfohlen: die gerade genannten + Bergahorn, Europ. Lärche, Zirbel-, Schwarz- und Waldkiefer, Traubenkirsche, Roteiche, alle Sorbus-Arten (Vogelbeere & co), Eibe und Sommerlinde.
(kursiv: europäische Arten, aber nicht in Deutschland beheimatet, unterstrichen: amerikanische Arten)
Es müssten also quasi Fichte, Tanne und Rot-Buche komplett ersetzt werden, mithin 58% aller Bäume …

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Internetzensur und Boofenverbot durch die Hintertür?

Copyright giphy.comEigentlich wollte ich ja an dieser Stelle noch etwas zur Roteiche schreiben, aber die Ereignisse überrollen mich und machen zunächst zwei andere Themen brandaktuell: Wie ich gestern zuerst bei Markus gelesen hatte, hat die NPV eine Stellenausschreibung für einen Referenten veröffentlicht. Dessen Hauptaufgabe soll es sein, das Internet nach NPV-unliebsamen Webseiten zu durchforsten und gegen die Betreiber rechtlich vorzugehen – egal ob Privatpersonen oder Online-Kartendienste. Die Stellenbeschreibung nebst eines ausführlichen und gepfefferten Kommentars könnt ihr derzeit bereits hier nachlesen.

Für mich stellt sich dies als (geplanter) staatlicher Eingriff in die Freiheit des Internets dar, also dass, was unsere vielgeliebte Regierung in China, Iran und anderswo immer anprangert. Copyright giphy.comBezahlt zudem von unseren Steuergeldern – vermutlich ein sechsstelliger Betrag -, die dann wieder in der Wegeinstandhaltung in der Sächsischen Schweiz fehlen werden und durch Holzverkäufe kompensiert werden müssen. Sinnvoller wäre es m.E., dieses Geld in die Umweltbildung der Bevölkerung zu stecken, um z.B. Waldbrände und das Müllproblem zu reduzieren.

Das andere angesprochene Thema ist der Plan, für Übernachtungen in den Boofen der Sächsischen Schweiz vorab Tickets verkaufen zu wollen, natürlich mit Angabe von Name, Adresse und Haftpflichtversicherungsnachweis (oh geliebtes Deutschland!!!). Da werden wegen dreier schwarzer Schafe wieder Tausende “ordentlicher” Boofer von vornherein zu Kriminellen gestempelt. Und durch die Hintertür das Boofen so restriktiv eingeschränkt, dass am Ende wohl kaum noch jemand dort übernachten will (“Mission accomplished”).

Meine persönliche Schlussfolgerung: Bisher habe ich immer eine Lanze FÜR den Nationalpark gebrochen, der trotz seiner Schwächen eine willkommene Schutzfunktion der Region vor Bebauung oder anderweitiger intensiver Nutzung gewährt. Aber heute ist der Rubikon für mich überschritten – ab sofort plädiere ich für eine Abschaffung des Nationalparks in seiner derzeitigen Form, vor allem seiner Verwaltung, und die Schaffung einer neuen Art von Schutzgebiet (und keines Disneylands nach den Vorstellungen einiger NP-Oberer), welches auch weiterhin jegliche Bebauung, jedoch auch seine kommerzielle Nutzung als Reservoir für Nutzholz verbietet – also das, was die NPV seit Jahren dort betreibt. Dazu das Betretungsrecht aller in der Natur vorhandener Wege sowie freies Boofen an den bisher dafür vorgesehenen Stellen.

Baumartenstreit im Nationalpark

Wie bekannt wurde, soll im Nationalpark auf Geheiß der Nationalparkverwaltung eine größere Fläche mit Roteichen (Quercus rubra) komplett gerodet werden. Die Begründung der NPV ist, dass diese als eingeführte Baumart im Nationalpark nichts zu suchen hat, da hier nur einheimische “natürliche” Vegetation zu wachsen hat. Die IG hat dazu Gegenposition bezogen, wie ihr hier in der ARD-Mediathek selbst sehen könnt: Link

Die Roteiche wurde wohl zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus Nordamerika in Europa eingeführt, insbesondere als Parkbaum wegen der schönen Blattfärbung im Herbst. Das Holz wird auch forstwirtschaftlich genutzt, wobei der Baum seit Anfang des 20. Jahrhunderts auch als Ersatz für stark fraßgeschädigte einheimische Eichenarten angepflanzt wurde. Laut Wikipedia “sind verwilderte Roteichen auffallend beispielsweise im Elbsandsteingebirge, wo die Roteiche auf Felsen weitab eines forstlichen Anbaus wächst und sicher eingebürgert ist.”

Für uns steht die Frage im Raum, ob es bezüglich des Klimawandels wirklich sinnvoll ist, fremde Baumarten komplett aus den Wäldern des Nationalparks zu verbannen. Wie wir bereits jetzt gesehen haben, können nach zwei Sommern ohne ausreichende Niederschläge weder die momentan noch dominierende Fichte (ebenfalls standortfremd in großen Teilen des Elbsandsteingebirges) noch die als “Allheilmittel” angesehene Rotbuche (die tatsächlich einer der Hauptbäume unserer Klimazone ist) den neuen Bedinungen ausreichend trotzen. Die Klimamodelle sagen voraus, dass solche Dürresommer bis zu sechs Mal in Folge auftreten könnten – das überleben vermutlich weder Fichte noch Rotbuche oder Stieleiche und ggf. weitere einheimischen Baumarten. Letztlich könnte das Elbsandsteingebirge – mit Ausnahme der schluchtartigen Täler – zu einer Art Savanne versteppen. Sicher auch ein interessanter Anblick, aber ob das so gewollt ist? Mal abgesehen von den Folgeschäden durch verstärkte Erosion, Sturzfluten und Hochwasser im Elbtal und den Seitentälern, wenn es keinen wasserspeichernden Wald mehr gibt.

Ich werde mich in nächster Zeit dazu weiter informieren und die Ergebnisse hier präsentieren. Festhalten möchte ich an dieser Stelle noch, dass die Schaffung eines Nationalparks mit einer Vegetation aus dem Lehrbuch des 20. Jahrhunderts der Schaffung eines “Jurassic Parcs” gleicht und nichts mit “Natur Natur sein lassen” zu tun hat. Und was man nicht vergessen sollte – der Nationalpark verdient ja auch gerne Geld mit “seinem” Wald: für Borkenkäferholz der Fichte, welches momentan ja in Unmassen anfällt, werden aktuell 20-35 €/fm gezahlt, für Eichenholz zwischen 105 und 270 €/fm! [Quelle: https://fbg-amberg.de/holzvermarktung/holzpreise]

Kirnitzschtalfest 2019 – Nachlese

Am letzten Wochenende (27.+28.07.19) fand das traditionelle Kirnitzschtalfest statt mit vielen Veranstaltungen im K-tal und Sonderfahrten der Kirnitzschtalbahn. Auch die IG war wieder an beiden Tagen mit ihrem Stand vor Ort – im Gegensatz zur Nationalparkverwaltung, die am Sonntag durch Abwesenheit glänzte.

Viele Besucher machten an unserem Stand Halt, es ergaben sich eine Reihe guter Gespräche. Anklang fanden vor allem unser “Stiegenkalender 2020” sowie die von Rolf Böhm zur Ansicht bereitgestellte neue Wanderkarte “Balzhütte”, die im August dann zum Erwerb stehen wird.

Für alle Rätselfreunde hier noch unser diesjähriges Preisrätsel – bitte herunterladen, ausfüllen und Lösungswort an uns senden! Als Gewinn winkt ein Stiegenkalender! Einsendeschluss ist der 11. August 2019!