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Ex-Vogtländer und nun Dresdner & Sandsteinliebhaber, inzwischen 50 ...

Internetzensur und Boofenverbot durch die Hintertür?

Copyright giphy.comEigentlich wollte ich ja an dieser Stelle noch etwas zur Roteiche schreiben, aber die Ereignisse überrollen mich und machen zunächst zwei andere Themen brandaktuell: Wie ich gestern zuerst bei Markus gelesen hatte, hat die NPV eine Stellenausschreibung für einen Referenten veröffentlicht. Dessen Hauptaufgabe soll es sein, das Internet nach NPV-unliebsamen Webseiten zu durchforsten und gegen die Betreiber rechtlich vorzugehen – egal ob Privatpersonen oder Online-Kartendienste. Die Stellenbeschreibung nebst eines ausführlichen und gepfefferten Kommentars könnt ihr derzeit bereits hier nachlesen.

Für mich stellt sich dies als (geplanter) staatlicher Eingriff in die Freiheit des Internets dar, also dass, was unsere vielgeliebte Regierung in China, Iran und anderswo immer anprangert. Copyright giphy.comBezahlt zudem von unseren Steuergeldern – vermutlich ein sechsstelliger Betrag -, die dann wieder in der Wegeinstandhaltung in der Sächsischen Schweiz fehlen werden und durch Holzverkäufe kompensiert werden müssen. Sinnvoller wäre es m.E., dieses Geld in die Umweltbildung der Bevölkerung zu stecken, um z.B. Waldbrände und das Müllproblem zu reduzieren.

Das andere angesprochene Thema ist der Plan, für Übernachtungen in den Boofen der Sächsischen Schweiz vorab Tickets verkaufen zu wollen, natürlich mit Angabe von Name, Adresse und Haftpflichtversicherungsnachweis (oh geliebtes Deutschland!!!). Da werden wegen dreier schwarzer Schafe wieder Tausende “ordentlicher” Boofer von vornherein zu Kriminellen gestempelt. Und durch die Hintertür das Boofen so restriktiv eingeschränkt, dass am Ende wohl kaum noch jemand dort übernachten will (“Mission accomplished”).

Meine persönliche Schlussfolgerung: Bisher habe ich immer eine Lanze FÜR den Nationalpark gebrochen, der trotz seiner Schwächen eine willkommene Schutzfunktion der Region vor Bebauung oder anderweitiger intensiver Nutzung gewährt. Aber heute ist der Rubikon für mich überschritten – ab sofort plädiere ich für eine Abschaffung des Nationalparks in seiner derzeitigen Form, vor allem seiner Verwaltung, und die Schaffung einer neuen Art von Schutzgebiet (und keines Disneylands nach den Vorstellungen einiger NP-Oberer), welches auch weiterhin jegliche Bebauung, jedoch auch seine kommerzielle Nutzung als Reservoir für Nutzholz verbietet – also das, was die NPV seit Jahren dort betreibt. Dazu das Betretungsrecht aller in der Natur vorhandener Wege sowie freies Boofen an den bisher dafür vorgesehenen Stellen.

Baumartenstreit im Nationalpark

Wie bekannt wurde, soll im Nationalpark auf Geheiß der Nationalparkverwaltung eine größere Fläche mit Roteichen (Quercus rubra) komplett gerodet werden. Die Begründung der NPV ist, dass diese als eingeführte Baumart im Nationalpark nichts zu suchen hat, da hier nur einheimische “natürliche” Vegetation zu wachsen hat. Die IG hat dazu Gegenposition bezogen, wie ihr hier in der ARD-Mediathek selbst sehen könnt: Link

Die Roteiche wurde wohl zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus Nordamerika in Europa eingeführt, insbesondere als Parkbaum wegen der schönen Blattfärbung im Herbst. Das Holz wird auch forstwirtschaftlich genutzt, wobei der Baum seit Anfang des 20. Jahrhunderts auch als Ersatz für stark fraßgeschädigte einheimische Eichenarten angepflanzt wurde. Laut Wikipedia “sind verwilderte Roteichen auffallend beispielsweise im Elbsandsteingebirge, wo die Roteiche auf Felsen weitab eines forstlichen Anbaus wächst und sicher eingebürgert ist.”

Für uns steht die Frage im Raum, ob es bezüglich des Klimawandels wirklich sinnvoll ist, fremde Baumarten komplett aus den Wäldern des Nationalparks zu verbannen. Wie wir bereits jetzt gesehen haben, können nach zwei Sommern ohne ausreichende Niederschläge weder die momentan noch dominierende Fichte (ebenfalls standortfremd in großen Teilen des Elbsandsteingebirges) noch die als “Allheilmittel” angesehene Rotbuche (die tatsächlich einer der Hauptbäume unserer Klimazone ist) den neuen Bedinungen ausreichend trotzen. Die Klimamodelle sagen voraus, dass solche Dürresommer bis zu sechs Mal in Folge auftreten könnten – das überleben vermutlich weder Fichte noch Rotbuche oder Stieleiche und ggf. weitere einheimischen Baumarten. Letztlich könnte das Elbsandsteingebirge – mit Ausnahme der schluchtartigen Täler – zu einer Art Savanne versteppen. Sicher auch ein interessanter Anblick, aber ob das so gewollt ist? Mal abgesehen von den Folgeschäden durch verstärkte Erosion, Sturzfluten und Hochwasser im Elbtal und den Seitentälern, wenn es keinen wasserspeichernden Wald mehr gibt.

Ich werde mich in nächster Zeit dazu weiter informieren und die Ergebnisse hier präsentieren. Festhalten möchte ich an dieser Stelle noch, dass die Schaffung eines Nationalparks mit einer Vegetation aus dem Lehrbuch des 20. Jahrhunderts der Schaffung eines “Jurassic Parcs” gleicht und nichts mit “Natur Natur sein lassen” zu tun hat. Und was man nicht vergessen sollte – der Nationalpark verdient ja auch gerne Geld mit “seinem” Wald: für Borkenkäferholz der Fichte, welches momentan ja in Unmassen anfällt, werden aktuell 20-35 €/fm gezahlt, für Eichenholz zwischen 105 und 270 €/fm! [Quelle: https://fbg-amberg.de/holzvermarktung/holzpreise]

Kirnitzschtalfest 2019 – Nachlese

Am letzten Wochenende (27.+28.07.19) fand das traditionelle Kirnitzschtalfest statt mit vielen Veranstaltungen im K-tal und Sonderfahrten der Kirnitzschtalbahn. Auch die IG war wieder an beiden Tagen mit ihrem Stand vor Ort – im Gegensatz zur Nationalparkverwaltung, die am Sonntag durch Abwesenheit glänzte.

Viele Besucher machten an unserem Stand Halt, es ergaben sich eine Reihe guter Gespräche. Anklang fanden vor allem unser “Stiegenkalender 2020” sowie die von Rolf Böhm zur Ansicht bereitgestellte neue Wanderkarte “Balzhütte”, die im August dann zum Erwerb stehen wird.

Für alle Rätselfreunde hier noch unser diesjähriges Preisrätsel – bitte herunterladen, ausfüllen und Lösungswort an uns senden! Als Gewinn winkt ein Stiegenkalender! Einsendeschluss ist der 11. August 2019!

… der Borkenkäfer und seine Folgen – Teil 3

Der Borkenkäfer ist durch das Dürrejahr 2018 im Nationalpark sehr verbreitet. Neben den schon bekannten Stellen z.B. am Reitsteig, an der Lehne und Nähe Winterstein, welche sich deutlich vergrößert haben, sind kahle braune Fichten in der Hinteren Sächsischen Schweiz inzwischen schon fast Standard. Um nur einige von mir gefundene Plätze aufzuzählen: Heringsgrund und Rauschengrund, Großer Zschand beidseitig, Kirnitzschtal beidseitig, …

Steigschlüchte

Rapinzenberg

Vorderer Thorwaldweg

K-Tal, Westseite

K-tal, Ostseite

Was macht man da? Ich meine: Zuschauen und „Natur Natur sein lassen“ – außer in den Randzonen des Nationalparks. An den genannten Stellen ist die Grenze eigentlich weit genug entfernt.

Auch wenn wieder die „Wegsicherungspflicht“ vorgeschoben wird – im größten Notfall die wegnahen Bäume fällen und liegenlassen – Totholz bringt Leben und Artenvielfalt! Womit wir beim letzten leidigen Thema wären:

Die Wegsicherungspflicht / heimliche Stillegung

Fakt ist: Natur und Wald haben ein gewisses Gefährdungspotenzial auf den, der sich dort bewegt (wie Autostraßen auch …), und bei uns in der Sächsischen Schweiz kommt da noch das Risiko „abbröckelnder“ Felsen dazu. Dies sollte eigentlich jeder wissen, der hierher kommt, und oft wird er ja auch noch durch die Tafeln des Nationalparkes am Waldrand daran erinnert. Wie ein bekannter Geologe immer sagt: Unser Gebirge gibt es nur, weil ab und zu mal was abbröckelt und runterfällt :-).

Insofern ist es immer wieder kurios bis sehr ärgerlich, zu sehen, wie an alten Sandsteinbrücken Metallgeländer auf die Brüstung installiert werden, da diese Brüstungen nicht die DIN-Normhöhe erreichen und man 2 Meter tief in die Kirnitzsch fallen könnte. Oder an der Winterbergstraße in unregelmäßigen Abständen ein Metallgeländer an die Straße gesetzt wird, wenn der seitliche Wassergraben eine bestimmte Tiefenmarke unterschreitet. Dafür dürfen dann sogar historische Sandsteinsäulen mal eben so abgesägt werden.

Woanders, sprich außerhalb des NP, baut man dann wieder Stege, die sogar nur ein Geländer haben … und es funktioniert auch!

Im Bielatal

Die nächste Stufe sind dann Wegsperungen wegen „Felssturzgefahr“. Ja, die besteht aber großflächig im Elbsandsteingebirge, und nicht nur da, wo Schilder aufgestellt wurden (z.B. Haldenweg bei Wehlen). Wenn man ganz konsequent wäre, müsste man wohl 80% aller Wege im Nationalpark sperren und ein paar Straßen gleich noch dazu (praktisch alle Talstraßen inklusive der B172 – bei Königsstein hat es in letzter Zeit auch öfters mal „gebröckelt“ …). Von den Bahnstrecken ganz zu schweigen. Neuerdings werden auch noch Gaststätten Opfer des Sperrungswahns – ich sage nur Amselfall und Rathewalder Mühle. Am Ende passiert es dann sowieso woanders, wo keiner damit gerechnet hat (z.B an der Bastei, wo sich vor einigen Jahren eine Platte löste und eine Passantin verletzte.)

Stellt sich die Frage, woher dieser ganze Unsinn kommt – und die Antwort lautet wohl: vom großen Bruder USA. Wenn nur noch die Anwälte regieren und der gesunde Menschenverstand zu kurz kommt, dann ist dem Wahnsinn Tür und Tor geöffnet – ich sage nur „Vorsicht – Kaffee kann heiß sein!“

Und der Nationalpark kann natürlich auch anders als „offiziell“, wenn es darum geht, ungeliebte Wege stillzulegen: Lange bekannt ist ja schon die Tatsache, dass gerne mal ein paar Bäume gefällt werden und diese „ganz zufällig“ quer über Wege fallen, die nicht mehr begangen werden sollen. Was aber in der Regel nur bedingt hilft, da auf wenige Wegmeter vom Abzweig begrenzt. Inzwischen bekommt der NP da Unterstützung von Petrus: Ein kleiner Sturm, der schon mal einen oder zwei Bäume umlegt, und dann schnell noch mit der Säge ein paar weitere dazugelegt im Mikadomodus – schon ist der ungeliebte Weg verschwunden. Aktuelle Beispiele gefällig? Die kleine „Abkürzung“ an der Thorwaldbrücke (mit historischen Steinstufen!) oder der alte Flößersteig zwischen Reibetöpfel und E-Flügel.

An der Thorwaldbrücke – hier ist ein Weg versteckt

An der Thorwaldbrücke – Weg verschwunden, Mission erfüllt!

 

Zum Schluss noch ein Nachtrag zu Teil 1: Die Wegesperrungsseite vom NP wurde nach dem 12.04. erst am 30.05.19 wieder “aktualisiert” … d.h., eine Änderung! Kein Kommentar.

Der Nationalpark, der Harvester und … – Teil 2

Das leidige Thema „Holzernte“

Ich war entsetzt, welch große Flächen nur entlang meiner aktuellen Wanderroute in den letzten Jahren komplett abgeholzt wurden. Beginnend mit dem Kahlschlag im Lindengründel (bis unmittelbar an die Kernzonengrenze!) vor einigen Jahren (die IG berichtete) über 2 große Kahlschläge unterhalb des Raumberges (ebenfalls bis unmittelbar an die Kernzonengrenze) und einen am Südende des Rapinzenweges gelangte ich zum Rapinzenberg selbst – hier ist eine riesige Waldfläche verschwunden, die bis zum Saupsdorfer Weg reicht. Mit den üblichen „Kollateralschäden“: tiefe Reifenspuren = irreversible Bodenverdichtung, Unmengen an Haufen dürrer Äste, zu erwartende Schäden bei künftigen Stürmen an den neuen Waldrändern etc.
Das Holz wurde bereits (größtenteils) abgefahren, einige Reste lagern noch am Berg. Und interessanterweise war die Zufahrt dorthin nach dem letzten Sturm bereits wieder geräumt, wohingegen an anderer Stelle noch Chaos herrscht …

Auch vom Großen Zschand wurden Holzfällungen und -abfuhr berichtet, die ich jedoch nicht selbst in Augenschein nehmen konnte. Was ich allerdings sehen konnte, war der „Ausbau“ der Zschandstraße hinab zur Neumannmühle auf maximal mögliche Breite – natürlich auch wieder entlang der Kernzonengrenze. Sieht nicht gerade naturnah aus und lässt sich auch nicht (mehr) schön laufen.

Jedenfalls hatte ich dort kaum den Gedanken, mich in einem Nationalpark (sprich Naturschutzgebiet) zu befinden, es sah aus wie in jedem beliebigem Wirtschaftsforst!

Bleibt die Frage: rechnet sich das überhaupt? Der Holzpreis dürfte aufgrund Borkenkäfer & Stürmen ziemlich im Keller sein – im Gegenzug müssen Maschinen und Menschen bezahlt werden für Holzernte und -abfuhr, die Wege müssen instandgesetzt werden, etc. Mal abgesehen von den bleibenden Schäden, die nicht so einfach in Euro auszudrücken sind … aber die betreffen die derzeit Handelnden ja nicht mehr, das ist genauso wie beim Klimaschutz …

Die Aktion an der Oberen Schleuse erwähne ich hier mal nur, da haben ja bereits andere dazu geschrieben …

Wird fortgesetzt …

edit by Admin:
Bildergalerie temporär entfernt wegen Script-Fehlern auf der Website

Alternativ nun eine verkürzte Fotoauswahl an dieser Stelle:

Im Lindengründel

Am Raumbergweg – Kahlschlag 2

Rapinzenweg / -berg – Kahlschlag Nord, Richtung Thorwaldbrücke, Blick zu den Pohlshörnern

die üblichen Forstmaschinenspuren …

Riesiger Holzlagerplatz am Rapinzenberg

ausgebaute Zschandstraße