Über Karsten

Ex-Vogtländer und nun Dresdner & Sandsteinliebhaber, inzwischen 50 ...

… der Borkenkäfer und seine Folgen – Teil 3

Der Borkenkäfer ist durch das Dürrejahr 2018 im Nationalpark sehr verbreitet. Neben den schon bekannten Stellen z.B. am Reitsteig, an der Lehne und Nähe Winterstein, welche sich deutlich vergrößert haben, sind kahle braune Fichten in der Hinteren Sächsischen Schweiz inzwischen schon fast Standard. Um nur einige von mir gefundene Plätze aufzuzählen: Heringsgrund und Rauschengrund, Großer Zschand beidseitig, Kirnitzschtal beidseitig, …

Steigschlüchte

Rapinzenberg

Vorderer Thorwaldweg

K-Tal, Westseite

K-tal, Ostseite

Was macht man da? Ich meine: Zuschauen und „Natur Natur sein lassen“ – außer in den Randzonen des Nationalparks. An den genannten Stellen ist die Grenze eigentlich weit genug entfernt.

Auch wenn wieder die „Wegsicherungspflicht“ vorgeschoben wird – im größten Notfall die wegnahen Bäume fällen und liegenlassen – Totholz bringt Leben und Artenvielfalt! Womit wir beim letzten leidigen Thema wären:

Die Wegsicherungspflicht / heimliche Stillegung

Fakt ist: Natur und Wald haben ein gewisses Gefährdungspotenzial auf den, der sich dort bewegt (wie Autostraßen auch …), und bei uns in der Sächsischen Schweiz kommt da noch das Risiko „abbröckelnder“ Felsen dazu. Dies sollte eigentlich jeder wissen, der hierher kommt, und oft wird er ja auch noch durch die Tafeln des Nationalparkes am Waldrand daran erinnert. Wie ein bekannter Geologe immer sagt: Unser Gebirge gibt es nur, weil ab und zu mal was abbröckelt und runterfällt :-).

Insofern ist es immer wieder kurios bis sehr ärgerlich, zu sehen, wie an alten Sandsteinbrücken Metallgeländer auf die Brüstung installiert werden, da diese Brüstungen nicht die DIN-Normhöhe erreichen und man 2 Meter tief in die Kirnitzsch fallen könnte. Oder an der Winterbergstraße in unregelmäßigen Abständen ein Metallgeländer an die Straße gesetzt wird, wenn der seitliche Wassergraben eine bestimmte Tiefenmarke unterschreitet. Dafür dürfen dann sogar historische Sandsteinsäulen mal eben so abgesägt werden.

Woanders, sprich außerhalb des NP, baut man dann wieder Stege, die sogar nur ein Geländer haben … und es funktioniert auch!

Im Bielatal

Die nächste Stufe sind dann Wegsperungen wegen „Felssturzgefahr“. Ja, die besteht aber großflächig im Elbsandsteingebirge, und nicht nur da, wo Schilder aufgestellt wurden (z.B. Haldenweg bei Wehlen). Wenn man ganz konsequent wäre, müsste man wohl 80% aller Wege im Nationalpark sperren und ein paar Straßen gleich noch dazu (praktisch alle Talstraßen inklusive der B172 – bei Königsstein hat es in letzter Zeit auch öfters mal „gebröckelt“ …). Von den Bahnstrecken ganz zu schweigen. Neuerdings werden auch noch Gaststätten Opfer des Sperrungswahns – ich sage nur Amselfall und Rathewalder Mühle. Am Ende passiert es dann sowieso woanders, wo keiner damit gerechnet hat (z.B an der Bastei, wo sich vor einigen Jahren eine Platte löste und eine Passantin verletzte.)

Stellt sich die Frage, woher dieser ganze Unsinn kommt – und die Antwort lautet wohl: vom großen Bruder USA. Wenn nur noch die Anwälte regieren und der gesunde Menschenverstand zu kurz kommt, dann ist dem Wahnsinn Tür und Tor geöffnet – ich sage nur „Vorsicht – Kaffee kann heiß sein!“

Und der Nationalpark kann natürlich auch anders als „offiziell“, wenn es darum geht, ungeliebte Wege stillzulegen: Lange bekannt ist ja schon die Tatsache, dass gerne mal ein paar Bäume gefällt werden und diese „ganz zufällig“ quer über Wege fallen, die nicht mehr begangen werden sollen. Was aber in der Regel nur bedingt hilft, da auf wenige Wegmeter vom Abzweig begrenzt. Inzwischen bekommt der NP da Unterstützung von Petrus: Ein kleiner Sturm, der schon mal einen oder zwei Bäume umlegt, und dann schnell noch mit der Säge ein paar weitere dazugelegt im Mikadomodus – schon ist der ungeliebte Weg verschwunden. Aktuelle Beispiele gefällig? Die kleine „Abkürzung“ an der Thorwaldbrücke (mit historischen Steinstufen!) oder der alte Flößersteig zwischen Reibetöpfel und E-Flügel.

An der Thorwaldbrücke – hier ist ein Weg versteckt

An der Thorwaldbrücke – Weg verschwunden, Mission erfüllt!

 

Zum Schluss noch ein Nachtrag zu Teil 1: Die Wegesperrungsseite vom NP wurde nach dem 12.04. erst am 30.05.19 wieder “aktualisiert” … d.h., eine Änderung! Kein Kommentar.

Der Nationalpark, der Harvester und … – Teil 2

Das leidige Thema „Holzernte“

Ich war entsetzt, welch große Flächen nur entlang meiner aktuellen Wanderroute in den letzten Jahren komplett abgeholzt wurden. Beginnend mit dem Kahlschlag im Lindengründel (bis unmittelbar an die Kernzonengrenze!) vor einigen Jahren (die IG berichtete) über 2 große Kahlschläge unterhalb des Raumberges (ebenfalls bis unmittelbar an die Kernzonengrenze) und einen am Südende des Rapinzenweges gelangte ich zum Rapinzenberg selbst – hier ist eine riesige Waldfläche verschwunden, die bis zum Saupsdorfer Weg reicht. Mit den üblichen „Kollateralschäden“: tiefe Reifenspuren = irreversible Bodenverdichtung, Unmengen an Haufen dürrer Äste, zu erwartende Schäden bei künftigen Stürmen an den neuen Waldrändern etc.
Das Holz wurde bereits (größtenteils) abgefahren, einige Reste lagern noch am Berg. Und interessanterweise war die Zufahrt dorthin nach dem letzten Sturm bereits wieder geräumt, wohingegen an anderer Stelle noch Chaos herrscht …

Auch vom Großen Zschand wurden Holzfällungen und -abfuhr berichtet, die ich jedoch nicht selbst in Augenschein nehmen konnte. Was ich allerdings sehen konnte, war der „Ausbau“ der Zschandstraße hinab zur Neumannmühle auf maximal mögliche Breite – natürlich auch wieder entlang der Kernzonengrenze. Sieht nicht gerade naturnah aus und lässt sich auch nicht (mehr) schön laufen.

Jedenfalls hatte ich dort kaum den Gedanken, mich in einem Nationalpark (sprich Naturschutzgebiet) zu befinden, es sah aus wie in jedem beliebigem Wirtschaftsforst!

Bleibt die Frage: rechnet sich das überhaupt? Der Holzpreis dürfte aufgrund Borkenkäfer & Stürmen ziemlich im Keller sein – im Gegenzug müssen Maschinen und Menschen bezahlt werden für Holzernte und -abfuhr, die Wege müssen instandgesetzt werden, etc. Mal abgesehen von den bleibenden Schäden, die nicht so einfach in Euro auszudrücken sind … aber die betreffen die derzeit Handelnden ja nicht mehr, das ist genauso wie beim Klimaschutz …

Die Aktion an der Oberen Schleuse erwähne ich hier mal nur, da haben ja bereits andere dazu geschrieben …

Wird fortgesetzt …

edit by Admin:
Bildergalerie temporär entfernt wegen Script-Fehlern auf der Website

Alternativ nun eine verkürzte Fotoauswahl an dieser Stelle:

Im Lindengründel

Am Raumbergweg – Kahlschlag 2

Rapinzenweg / -berg – Kahlschlag Nord, Richtung Thorwaldbrücke, Blick zu den Pohlshörnern

die üblichen Forstmaschinenspuren …

Riesiger Holzlagerplatz am Rapinzenberg

ausgebaute Zschandstraße

 

Der Nationalpark, der Harvester und der Borkenkäfer – eine persönliche Beobachtung

Während einer Tour in der Hinteren Sächsischen Schweiz drängten sich mir wieder viele Gedanken zum Nationalpark auf – angesichts vieler Hektar abgeernteten Waldes und sturmgeschädigter Flächen und Wege. Ein verbaler Rundumschlag:

Teil 1: Die Informationspolitik der NP-Verwaltung (Stichwort Wegenetz)

Der Nationalpark hat eine schöne Webseite – leider krankt diese regelmäßig an Aktualität. Wenn man schon eine Seite „Aktuelles“ hat, auf der u.a. Informationen zu Wegesperrungen gegeben werden, der sollte auch dafür sorgen, dass diese Seite auch so aktuell wie möglich gehalten wird. Aber: das klappte schon bei den Stürmen in den letzten 2 Jahren nur bedingt – wenn man unterwegs war, war deutlich mehr und großflächiger gesperrt als auf der Seite nachzulesen war. Und auch dieses Frühjahr: die Seite wurde letztmalig am 12.04.19 aktualisiert (Stand 07.05.19 !; vorhergehende Aktualisierung 12.03.19), und ich wurde unterwegs durch viele Sperrungen von Sachsenforstseite und durch blockierte Wege überrascht. Und die Sperrungen kommen auch gerne ohne Vorwarnung und ohne Umleitungsempfehlung an ungünstiger Stelle – so dass man umkehren und den eben gegangenen Weg wieder zurücklaufen muss. So macht man sich keine Freunde unter den Wanderern … aber immer schön mit dem Paragraphen drohen!
Kleiner Hinweis an Sachsenforst: Staatseigener Wald gehört dem Staat (Sachsen), und der Staat sind die Bürger, die da wohnen, und nicht ihr als quasi halbprivates Unternehmen! Es ist also (auch) mein Wald!

Sperrung an der Zollstraße, am Finsterwäldchen

 

 

Eine ganz andere Geschichte, die aber auch irgendwie hierhin passt: Sehr überrascht war ich, als ich am Parkplatz Ottomühle (Bielatal) Tafeln mit Felssperrungen wegen Vogelbrut sah – unterzeichnet vom Nationalpark (der sich 20 km entfernt befindet …) Amtsanmaßung???

Wird fortgesetzt …

Pflege- und Entwicklungsplanung im Nationalpark Sächsische Schweiz – Eine kommentierte Durchsicht

Teil Waldpflegemaßnahmen. Entwurf. Bad Schandau, September 2018.

Quelle:
https://www.nationalpark-saechsische-schweiz.de/aktuelles/news/entwurf-des-pflege-und-entwicklungsplanes-waldpflegemassnahmen-im-nationalpark-saechsische-schweiz-verbaende-koennen-stellung-nehmen/

Sehr interessante Karten sind u. a.:
www.nationalpark-saechsische-schweiz.de/wp-content/uploads/2018/09/Anlage-4a-WTA_VT.pdf
www.nationalpark-saechsische-schweiz.de/wp-content/uploads/2018/09/Anlage-4b-WTA_HT.pdf

Exzerpt R. Böhm, Februar 2019.

Stark generalisierende Betrachtung. Bei der Menge der Zahlen und Fakten in der Quelle sind einzelne Fehlzitate und Fehlinterpretationen nicht auszuschließen.

Grundtenor: Zunächst die gute Nachricht für den Wanderer: Es geht ausschließlich um forstliche Belange, irgendwelche Wegsperrabsichten sind auch mittelbar nicht erkennbar. Aber die Berichterstattung zum Wald hat es auch in sich, und dies wirkt langfristig auf das wünschenswerte Wandererverhalten zurück.

Bis S. 9: Allgemeines, Methodik.

S. 10 Prozessschutz, wird wie folgt verwirklicht: In Naturzone A [Typ „Thorwald“] erfolgen bereits jetzt keine Maßnahmen mehr, in Naturzone B [Typ „Wildensteiner Wald“] sollen diese bis etwa 2030 ausklingen, Pflegezone [Typ „Randbereiche“] wird weiterhin dauerhaft Forstbewirtschaftung betrieben, natürlich unter NLP-Gesichtspunkten. Ab etwa 2030 auf 2/3 bis 3/4 der Fläche keinerlei Maßnahmen mehr [was möglicherweise nicht ganz realistisch ist].

S. 11 PnV = potentiell natürliche Vegetation, ein Schutzzielansatz, allerdings wird sich nicht die alte vormenschliche Vegetation wiederherstellen lassen, Formulierung, diese ist „nicht mehr regenerierbar“. [Leider.] Stattdessen wird ein Wald angestrebt, der sich „langfristig einstellt“ [wobei wir hier realistischerweise auch den Zeitraum, gewiss mehrere hundert Jahre, nennen.]

Es sind nur 18 % des Waldes naturnah [wohl obere Kamm- und Gipfelbereiche]. Im Übrigen ist Lenkung durch geeignete forstliche Maßnahmen erforderlich.

Als „potentiell natürlich“ gilt ein Flächenanteil von 2 % Erlen-Eschenwäldern [wohl gewässernah], 85 % Buchenwäldern (Istbestandsanteil lediglich 15 %) , 5 % Kiefernwäldern (Istbestandsanteil 15 %).

Demzufolge wäre also der Buchenwaldanteil wesentlich (von 15 % auf 85 %) zu erhöhen. [Reine Buchenwälder können, auch weil die Buche (anders als die Eiche) das Blätterdach schließt und deshalb darunter keine Vegetation ermöglicht, recht monoton sein. Sie werden vom Wanderer nicht unbedingt als schön empfunden. Weil mit diesen aber erst im mehreren hundert Jahren zu rechnen ist, ist dies absehbar nicht weiter bedeutsam.]

S. 14 ff. umfassende Erörterung Holzvolumina, oberirdisches Derbholzvolumen, Angaben in (m³/ha). Als gebietsfremd gelten europäische Lärche, weiterhin Roteichen und Weymouthskiefer, die aber nicht so die Masse darstellen. Vielmehr handelt es sich um Einzelbäume.

Interessant sind sog. Überhälter, also Altbuchen aus vorangegangenen Waldgenerationen, [diese wurden zu DDR-Zeiten, als schwer abtransportierbare „Masse“ wenig geschätzt und blieben „quasi als Unkraut“ ׅstehen]. Diese sind als Sukzessionspotential sehr wertvoll. Also mal beim Wandern auf die ansonsten wenig beachteten singulären Altbäume, typisch Buchen achten.

1996 bis 2013 ist erheblich Holzvolumen zugewachsen, etwa 3 % Holzvorratzuwachs, was im NLP wegen des grundsätzlich fehlenden Abbaus nicht verwundert. Die Fichte ist von 52 % auf 50,7 % nur minimal reduziert. [Was ebenfalls nicht verwundert. Von alleine geht die nicht weg].

Waldverjüngung (Unterstand) hat sich von 1996 bis 2013 mehr als verdoppelt. Fichte von 61 auf 321 ha. Sie sät sich also fleißig aus und denkt überhaupt nicht dran, von alleine [zum Käfer werden wir noch kommen] zu verschwinden.

[Das ist nun so eine Frage. Möglichkeit I, Fichte rausnehmen und an Kronospan verkaufen, was zwar nicht dem NLP-Gedanken (und dem Bambi-Syndrom des Besuchers) entspricht. Es bringt Harvesterspuren und Geld, was dann durch die NLP-V für den Wegebau eingesetzt werden könnte. Oder, Möglichkeit II, dem Werk des Borkenkäfers vertrauen, schade um das schöne Holz, schade um das Waldbild (auch das entspricht dann nicht dem Bambi-Syndrom des Besuchers), aber Möglichkeit II wäre „nationalparktypisch“. Beides, Harvester und Borkenkäfer stellen Entwicklungen dar, an die der Wanderer vor 30 Jahren so nicht gedacht hat. Und gewiss auch kein Naturschützer oder Nationalpark-Konzipierer/Gesetzgeber/NLP-VO-Verfasser. Die Natur ist eben stärker als wir und wie wir sie planen und uns wünschen können.]

Bei der Birke ist viel Dynamik drin. [Birke kann leicht angeweht kommen und damit toten Fichtenwald ohne Unterstand wohl relativ schnell besiedeln, sog. Pioniervegetation.]

Umfassende Analyse Borkenkäferdisposition. 2500 ha (=25 km²) Fichtenwald sind der Dispositionsklasse „mittel“/„sehr hoch“ zuzuordnen. Was mag „Dispositionsklasse mittel/sehr hoch“ sein? Man beachte hier auch die Gesamtnationalparkgröße 9300 ha =93 km², es ist also etwa 1/4 des NLP recht stark borkenkäfergefährdet. Im Pflegebereich wird [Neuwortbildung:] „Pufferung“ vorgeschlagen, d. h. befallene Fichten sind zu entnehmen/entrinden. Bei Unterstand ist „nicht damit zu rechnen, dass es zu Störungen der Waldfunktion“ kommen kann. [Es wächst also wieder hoch. Was aber wenn kein Unterstand ist? Dann sät sich natürlich auch irgendwas aus. Bei uns wird immer alles nach ein paar Jahren Wald. Vielleicht mit Birken beginnend. Da mal aufmerksam sein. Vgl. hier das Waldbild Obere Affensteinpromenade, wo seit 40 Jahren Birken hochwachsen.]

S. 24, Befallsflächenentwicklung Borkenkäfer. Die vom Buchdrucker befallenen Flächen haben sich von 2015 zu 2017 [„explosionsartig“] etwa versechsfacht. 2016 10 ha = 0,10 km² [wohl nördlich Kl. Winterberg, Reitsteig Bereich Hochhübel], 2017 etwa 42 ha = 0,42 km². Die 2018er Prognose „verhältnismäßig großer Buchdruckerbefall … der die Waldentwicklung im [hinteren] Teil … bestimmen wird“ ist eine eindrucksvolle Formulierung.
[Hierzu Wanderempfehlung östlicher Thorwald. Oft Kernzone, diese ist aber auf Klettergipfelzugängen (Dreiwinkelgrundwächter, Thorwaldwand, Thorwaldstein, Backofen etc.) ausreichend betretbar. Wer freilich ausschließlich auf Klettergipfelzugängen durch diesen eigentümlichen Wald geht, wird freilich schnell bemerken, dass er dies dann ausschließlich tut, um dem Wortlaut der NLP-V Genüge zu tun. Irgendwie lebendigen Wald, der ja die vorgestellte Grundlage der „touristischen Belastungsvermeidung“ ist, gibt es hier nicht mehr. Der Wald ist mittlerweile fast quadratkilometerweise völlig abgestorben. Das mag den Begriff „Waldentwicklung“ zwar nicht völlig falsch erscheinen lassen – Entwicklung ist schließlich ja irgendwie alles – man sollte da aber nicht allzu romantische Vorstellungen haben und ein bisschen Gewöhnung wagen.]

S. 25, Weißtannen. Im NLP gibt es zwar mit 1100 Stück sachsenweit das größte Weißtannenvorkommen, insgesamt sind 1100 Bäume aber nicht viel. Anzustreben ist eine erhebliche Neueinbringung der Weißtanne. [Vgl. Böhmische Schweiz, wo dies bereits sehr engagiert erfolgt.] Von 1994 bis 2017 wurden 294 ha (2,94 km²) mit Weißtannen bepflanzt, es erfolgten [Nationalpark] keine Schutzmaßnahmen. Die Analyse zeigt, dass 64 % der Pflanzungen „einen Zustand erreicht haben, der langfristig eine Beteiligung an der zukünftigen Waldnutzung erwarten lässt“. Es ist also sehr mühsam und auch normal, dass dass die restlichen 32 % der Anpflanzung leider verloren gegangen sind.

S. 37 Pflege Fichtenreinbestände. Fichten rausnehmen, naturverjüngte Buchen sollen hochkommen können. Reduzierung der (gebietsfremden) Roteichen- und Weymoutskiefern.

S. 40. Horstschutz Uhu, Wanderfalke, Schwarzstoch. Horstschutzzonen, dann richtigerweise Verzicht auf die [lärmintensive] Waldpflege.

S. 41 Pfleglichkeit. Waldpflege (d. h. Bäume fällen) erfolgt nach genehmigter Verfahrensweise [d. h. mit Harvester/Rücketraktor]. Rückegassenabstand jedoch nicht unter 40 m. [Auch hier eine Anmerkung: Vorstellungen des Wanderers, etwa den östlichen Thorwald vielleicht beräumen zu wollen und dies dann auch noch mit Rückepferden zu tun, erscheinen weltfremd. Waldarbeit erfolgt heutzutage mit Technik.]

S. 42 Verkehrssicherungskorridore. 30 m breit an Straßen, Forststraßen, Rettungswegen [nicht aber an gewöhnlichen Wegen/Wanderwegen]

Literatur. Interessant. Umfassende Literatur zu Wald (Riebe), potentieller natürlicher Vegetation (Schmidt), Weißtanne, Borkenkäferproblematik im NLP.

Rolf Böhms Fazit: Beim Kartieren im Böhmischen habe ich mich über die vielen dort sichtbaren Forstarbeiten (massenhafter Schonungsaufbau , Zuwerfen ganzer Schlüchte mit Riesenbäumen „Baummikado“ z. B. im Großer Kastengrund, hektarweises Entrinden und Liegenlassen) gewundert. Das kannte ich aus dem Sächsischen so nicht und das war für mich als Forstunkundigem kaum interpretierbar. Nach der Lektüre schwant mir ein klein bisschen, worum es geht. Da kommt noch ganz schön was auf uns zu. Gut ist, dass meine Befürchtungen, da könnten wieder irgendwelche Wegsperrungen angedeutet werden, unbegründet sind.

Andersherum: Da ist viel Dynamik drin. Borkenkäfer, Fichte, Weißtanne, PnV, Holzeinschlag: Da kommt noch gewaltig etwas auf uns zu (zum Drangewöhnen) und auf die Nationalparkverwaltung (an Arbeit). Das ist noch lange nicht Ruhe und ein „tausendjähriger Urwald“ wird es erst in 1000 Jahren sein. Eins aber: Wenn da zwischen Altnutzungs-Fichtenmonokultur, Weißtannenpflanzung, Holzernte, Borkenkäfer und 85-%-Buchenwald in einigen hundert Jahren ein paar Wanderlein dazwischen herumspazieren: Das schadet gar nichts.

Rausgehen, begreifen, was Natur alles ist. Und ein wenig aufpassen, dass da nicht nebenbei zu viele Wege zuwachsen. Denn das wäre eine starke Sekundärgefahr. Der Wanderer wird da künftig ein wenig häufiger als bisher eine Säge mitnehmen müssen, denn die Arbeit der Nationalparkverwaltung hat, Stichwort Waldumbau, eine völlig andere Dimension. Sie kann es einfach überhaupt nicht leisten, ständig alle Wege für den naturnahen Sächsischen-Schweiz-Kenner und -Liebhaber profilfreizuschneiden. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung titelte schon vor Jahren: „Eine Handsäge gehört ins Wandergepäck“. Sonst kommt man da irgendwann nicht mehr durch. Freilich hat so eine Handsäge auch nur eine recht kleine Wirkung.

Übrigens: Es ist im Elbsandstein kein Unglück, dass es bei uns viele Wanderer gibt, die die Wege durch ihr Wandern begangen und damit am Leben erhalten. Vielmehr ist dies ein Glück. Viel unglücklicher sind touristisch eher „unterbelichtete“ Wälder à la Dahlener Heide, Dübener Heide, Nochtener Forsten etc. dran. Dort wird sich manch konservativ agierender Forstwirt den Wanderer sehnlichst herbeiwünschen, der das alte, im Zeitalter des Harvesters dem Untergang geweihte Wirtschaftswegenetz durch eine sekundäre Wander-Begangenheit offen halten könnte –wenn es ihn denn nur in wirksamer Anzahl gäbe. Aber wer wandert schon noch durch „langweiligen Flachlandwald“. Wir machen doch alle viel lieber unsere Trekkingtouren in Alaska, Patagonien, Neuseeland oder Indien.

Vergleichsweise ist das Konfliktpotential „Störung“ durch den naturnahen Einzelwanderer ./. naturschutzfachlich „wünschenswerte Flächenberuhigung“ [auch/selbst/gerade] in „hinteren Kernzonenwäldern“ im Elbsandstein als äußerst gering einzuschätzen.

„Leben und Leben lassen“, so Alfred Brehm, „ist die Grundlage eines jeden gesunden Parasitismus“. Wir denken dabei ein wenig an den Borkenkäfer – und an uns selbst. Harmonie und Eintracht sei unser Ziel. Das Spannungsfeld Naturschutz ./. Tourismus ist viel viel schwächer als das Spannungsfeld Borkenkäfer ./. Nadelbaum.

Rückblick Treffen der IG Stiegen- und Wanderfreunde 2018

Am 13. Oktober 2018 trafen sich die Stiegenfreunde zum siebenten Jahrestag des Bestehens der IG zur Diskussion der Ereignisse des vergangenen Jahres und zur Fortführung unserer Aktivitäten im kommenden Jahr in der Gaststätte „Zur Dürren Kamnitz“ („beim Ondra“) in Hrensko.
In diesmal eher kleiner Runde wurden folgende Themenbereiche und damit zusammenhängende Fragestellungen besprochen:

– Auswertung des Kirnitzschtalfestes 2018
– künftige bessere Organisation von Aktionen (Vorbereitung und Kommunikation)
– Öffentlichkeitsarbeit (z. Bsp. Teilnahme am Kirnitzschtalfest und evtl. Bergsichten-Festival, Müllsammelaktion, Werbeflyer, Kalender)
– Diskussion über Vor- und Nachteile einer Vereinsgründung
– Informationsaustausch über Polenztalweg und das befreundete Projekt „Burg Wehlen“
– Webauftritt und damit zusammenhängende Fragen (Stichwort DSGVO)

Etwas ausführlichere Infos gibt’s wieder hier im Protokoll zum Herunterladen


Ergänzung by Zwillingsstiege:

Ich hatte mich dazu verpflichtet, einige Inhalte zum Thema Vereinsgründung beizusteuern.

Hier sind sie:
Verein gründen in sieben Schritten – eine Kurzübersicht (kann man in weniger als fünf Minuten lesen).
Wer es ausfühlicher mag: Wie gründe ich einen Verein? oder Verein gründen: Von der Idee zum eingetragenen Verein

Vor- und Nachteile der Vereinsgründung:
Vorteile

    • Vereinsmitglieder haften NICHT für den Verein
    • Im Gegensatz zu einer GbR kann ein Verein gemeinnützig sein
    • anders als bei einer gemeinnützigen GmbH braucht ein eingetragener Verein (e.V.) KEIN Mindestkapital
    • Die Gründung eines Vereines macht aus dem Zusammenschluss von Einzelpersonen (natürliche Personen) eine so genannte juristische Person
    • Einen Verein zu gründen ist gelebte Demokratie und auch im Verein selbst geht es basisdemokratisch

Nachteile

    • Um einen Verein zu gründen, braucht es in jedem Fall mindestens sieben Gründungsmitglieder
    • Einen Verein zu gründen erfordert Zeit, Kosten und Aufwand in Form von Anmeldungen, Sitzungen, Satzungen, Protokollen und Vorstandswahlen
    • Ein Verein ist nicht für jeden Zweck geeignet. Zum Beispiel darf ein (eingetragener) Verein normalerweise keine wirtschaftlichen Zwecke verfolgen. Falls eine gewerbliche Tätigkeit mit der Absicht Gewinne zu erzielen, dem gemeinsamen Ziel besser entspricht, kann alternativ über die Gründung einer BGB-Personengesellschaft (GbR) oder einer Kapitalgesellschaft (GmbH oder UG haftungsbeschränkt) nachgedacht werden.