Über Mstreicher

Basislager in Westsachsen, "Draußenmensch" :-)

Die Murmelschlucht

eine Schlucht voller Murmeln

eine Schlucht voller Murmeln

Den Namen Murmelschlucht wird man auf Landkarten des Elbsandsteingebirges vergeblich suchen. Er fiel mir spontan ein beim Begehen einer steilen Felsspalte im Schießgrund, und ich finde ihn auch ziemlich treffend.

Diese Spalte hat es in sich im doppelten Sinne des Wortes: Einmal liegen auf dem Grund der engen Schlucht mehrere große Felsmurmeln, die irgendwann mal abstürzten. Sie hat also Felsmurmeln in sich. 🙂 Das ist natürlich nur eine nette Wortspielerei. Die Schlucht hat es aber auch in anderer Hinsicht in sich, und das ist diesmal sehr ernst gemeint: Es gibt zwei Stellen, die sehr schwierig zu ersteigen sind. Das ist hier also kein Wandertipp, sondern eher etwas für Wagemutige und positiv verrückte Erkunder, zu denen ich mich zähle. 🙂 Weiterlesen

Bei den Leuchterweibchen

Leuchterweibchen? Stehen da etwa Damen mit Kerzenleuchtern oder mit Laternen in der Sandsteinlandschaft, um in der Dunkelheit den Weg zu weisen? Natürlich nicht. Zumindest die Kletterer werden mit dem Namen etwas anfangen können. Das Hintere und das Vordere Leuchterweibchen und der Leuchterweibchen-Vorkopf sind Klettergipfel an der Oberen Affensteinpromenade zwischen der Häntzschelstiege und der Wilden Hölle in den Affensteinen. Sie liegen am Ende eines Seitenriffs, welches vom Hauptmassiv des Langen Horns abzweigt.

Aber eigentlich geht es hier gar nicht um die Felsen selbst, sondern um einen Pfad:

Vom Wanderweg auf dem Langen Horn zweigt ein Pfad ab, der auf dem Seitenriff bis ganz „nach vorn“ führt, bis zur Spitze dieses Riffs. Dieser Pfad schlängelt sich fast auf gleicher Höhe verlaufend zwischen Heidelbeersträuchern und Farn durch lichten Riffwald, hauptsächlich aus Birken und Kiefern. Ganz am Ende öffnet sich ein Felsplateau mit einem schönen Rast- und Aussichtsplatz. Aussicht am Ende des PfadesDieser schöne Ort liegt in unmittelbarer Nähe der genannten Klettergipfel, man ist also ganz nah bei den Leuchterweibchen.

Der Pfad und auch der Aussichtspunkt sind auf der Böhm-Karte „Schrammsteine, Affensteine“ eingezeichnet. Auch im Gelände ist der Pfad deutlich zu erkennen. Bei meinem Besuch im Juli 2018 war auch der Abzweig am Weg auf dem Langen Horn noch deutlich sichtbar. Weiterlesen

Zerbrechliche Schönheiten

Wenn wir zur Zeit schon nicht „unser“ Felsengebirge besuchen dürfen, so sei es zumindest erlaubt, ein bisschen darüber zu philosophieren …

Es gibt Orte im Elbsandsteingebirge, die eine magische Wirkung ausüben. Alle, die das Elbi lieben, werden solche Stellen kennen, zu denen sie immer wieder gern gehen, weil diese irgendwie faszinierend sind. Bei mir ist das natürlich auch so. Einen dieser Orte möchte ich heute hier beschreiben. Er ist weder besonders spektakulär noch besonders einsam gelegen, sondern liegt eher mal so an einem markierten und gut begangenen Wanderweg. Es handelt sich um ein Felsgebilde an der Oberen Affensteinpromenade. Auf einigen Karten wird es als Kleines Prebischtor bezeichnet. Die Fotos entstanden im Herbst 2012 bzw. 2015, im Sommer 2017 und im März 2020.

Felsentore gibt es viele im Elbsandstein, warum also gerade dieses? Das Besondere für mich ist hier die enge Verflechtung von zwei völlig verschiedenen Schöpfungen der Natur. Da ist einmal das Felsentor als eine nette Laune der Natur. Schon dieses allein ist beeindruckend.

Kleines Prebischtor

Kleines Prebischtor

Aus allen Richtungen sieht es anders aus: einmal zerbrechlich wie eine uralte Steinbrücke, dann wieder wie ein gewaltiges da hockendes Tier von hinten. Darüber thront die mächtige Buche, deren Wurzeln zum Teil durch das Tor verlaufen. Die Buche scheint das Felsentor zu bewachen. Beide, sowohl der Baum als auch das Felsentor, sind schon für sich allein bemerkenswert. Die Kombination von Fels und Baum ist ein Gesamtkunstwerk, das mich immer wieder beeindruckt. Eine interessante Abrundung des Ganzen ist noch, dass es einen Standort gibt, von wo aus man links das Kleine Prebischtor und rechts oben im angrenzenden Felsmassiv noch ein kleines Felsenfenster sehen kann. Weiterlesen

Willkommen in Mordor

Das Thema „Gruselwald“ wurde im vorherigen Blog-Beitrag „Baumartenstreit (2)“ schon angerissen und beschäftigt mich immer noch. Deshalb soll es hier noch mal aufgegriffen werden. Man kann versuchen, das Elend mit Worten zu beschreiben. Es wird beim Versuch bleiben. Hier sollen ein paar Bilder das geschriebene Wort bekräftigen, aber auch die Bilder können das ganze Ausmaß nicht richtig vermitteln. Nur vor Ort kann man sich ein eigenes Bild machen. Aber Vorsicht: Es könnte ein niederschmetterndes Erlebnis werden …

Willkommen in Mordor? Was für eine schreckliche Überschrift! Natürlich verbietet sich der Vergleich des Märchenlandes Sächsische Schweiz mit Tolkiens Mordor, dem „Schwarzen Land“ in Herr der Ringe. Schon deshalb, weil es bei Tolkien in Mordor keine oder kaum Wälder gibt. Trotzdem, als wir am Freitag am Zeughaus vorbei weiter dem Großen Zschand aufwärts folgten, stellte sich bei mir genau diese düstere Stimmung ein, die ich empfand, als im Film Frodo und Sam in Mordor unterwegs waren. Das trübe Wetter mit Getröpfel passte „perfekt“ dazu. Der Anblick des Waldes war einfach nur trostlos und grauenhaft. Auch die Kletterzugänge bleiben zum Teil nicht verschont (Bild 3). Und das ist vermutlich nur der Anfang.


Großer Zschand Großer Zschand Kletterzugang Sommersloch

Nun könnte man wieder die Diskussion entfachen „Was wäre gewesen, wenn … ? Hätte man das nicht durch früheres Eingreifen mildern können?“ und so weiter. Ich ziehe hier einen klaren Strich drunter und sage: Diese Diskussion wäre nun müßig, diese Dinge liegen in der Vergangenheit und sind nicht mehr zu ändern. Es ist jetzt so, wie es ist.

Wichtig ist jetzt, wie es weiter geht und was aus dem Haufen Elend gemacht wird.

Man tut sicher, was man kann. Hut ab vor der Arbeit der Forstleute! Aber man tut auch Dinge, die man nicht tun sollte bzw. man tut Dinge nicht, die man tun sollte:

Einmündung RichterschlüchteAbzweig Kletterzugang SommerslochWarum schafft man die gefällten trockenen Fichtengerippe nicht aus dem Wald, sondern lässt sie an vielen Stellen in den Kahlschlägen neben dem Wanderweg liegen?  Früher hieß es immer: „Das Holz muss schnell aus dem Wald“. Heute nicht mehr? Will man Wanderer abschrecken? Es leben in dieser Gegend auch Menschen, die vom Tourismus leben! Weiterlesen

Steinigte Börnel

Was hat es mit dem seltsamen Namen „Steinigte Börnel“ im Titel auf sich? Vorab: Zum Essen ist es nichts. Und selbst wenn es so wäre, klänge der Name nicht besonders „zahnfreundlich“. 🙂 Viele werden bisher diesen Namen weder gehört noch gelesen haben. Genau so ging es mir, bis ich im Frühjahr 2018 nach einer Winterstein-Tour mit meiner Familie den Rückweg durch den Kleinen Zschand nahm. Zu Hause bei der „Nachbereitung“ der Tour las ich auf der Karte den Namen „Steinigte Börnel“. Das ist ein kleines Seitental auf der Westseite des Kleinen Zschands, das zwischen Ferkelschlüchte und Zeughausstraße einmündet. Auf der Böhm-Karte „Kleiner Zschand“ ist es mit Namen und als Pfad eingezeichnet. Das musste natürlich untersucht werden! Die Gelegenheit ergab sich im Juni 2019 bei einer Erkundungstour von der Neumannmühle „quer durch“ zum Alten Wildenstein und zurück. Da lag die Steinigte Börnel am Weg und schien zu rufen: „Erkunde mich!“ Also los:

Auf dem Rückweg vom Alten Wildenstein folgte ich dem rot markierten Wanderweg südlich vom Neuen Wildenstein, querte den Fremdenweg und bog dann nach rechts in den unmarkierten Forstweg ein, der durch das Reinhardshau führt. hier geradeausWo die Forststraße nach rechts abknickt, ging ich einfach geradeaus weiter und erreichte die Steinigte Börnel. Auf dem Messtischblatt von 1921 ist ein Pfad eingezeichnet, also wurde das Tälchen auch in früheren Zeiten schon begangen. Heute ist es im oberen Teil ein sanftes Waldtal, auf dem Grund teilweise mit Gras bewachsen. oberer Teil Die Forst-Nummer 47 laut Rolf Böhms Karte fand ich nicht, vielleicht bin ich zu direkt zur Talsohle hinuntergegangen. Weiter unten erscheinen an den Seiten Felsblöcke und niedrige Felswände. Hier gibt es noch eine weitere Forst-Nummer, die aber in der Böhm-Karte nicht enthalten ist. Die Farbmarkierung war schon vorhanden, die stammt nicht von mir! AbzweigAn dieser Stelle schwenkt das Tal ganz leicht nach links und vereinigt sich mit einer weiteren leichten Einsenkung, die von rechts einmündet. Wenn man von unten kommt, muss man sich also an dieser Stelle leicht rechts halten. Ein paar Meter weiter unten wurde es deutlich wilder: Viele umgestürzte Bäume lagen auf dem Weg und auf den Felsen, die hier ganz nah zusammentreten. Dieser mittlere Teil ist am schönsten, saftig grün und dicht bewachsen.


mittlerer Teil mittlerer Teil mittlerer Teil mittlerer Teil, Rückblick

Der unterste Teil des Grundes führt wieder durch halbwüchsigen Fichtenwald, wo bei meiner Begehung viele Äste und dünne Stämme Beginn am Kleinen Zschandherumlagen. Einen Teil davon konnte ich zur Seite räumen, aber nicht alles. Der Wanderweg im Kleinen Zschand ist nun schon zu sehen. Wenn man vom Wanderweg in das kleine Tal zurückblickt, ist schwer zu erkennen, dass man dort entlang gehen kann. Ich habe es auf dem Hinweg auch nicht erkannt und deshalb erst auf dem Rückweg von oben her erkundet.

Leider scheint dieses kleine Seitental heute kaum noch begangen zu werden, Pfadspuren sind nur an einigen Stellen zu erkennen. Schade, denn es ist eine interessante Alternative, gelegen zwischen den markierten Wanderwegen Haussteig/Ferkelschlüchte bzw. Fremdenweg. Aber vielleicht konnte ich ja einige Wanderfreunde neugierig machen. Durch häufigeres Begehen könnte sich wieder ein stabiler Pfad bilden.