Ein fiktiver Bericht von Andreas P.

SteinbruchwasserfallHallo zusammen, ich bin nicht sicher, ob hier die richtige Stelle ist, aber als Kommentar zum Einfrieren hätte ich da mal was. Denn wenn im Forum die Themen und draußen die Welt einfrieren, weil alle drin bleiben, am gemütlich rauschenden Heizkörper, oder am nervig knisternden Kamin, dann ist es Zeit, dass man Geschichten erzählt. (Vorsicht: Fiktion und Satire können Nebenwirkungen haben)

„Da scheiß an die Wand!“ meinte Andi. …

Mit diesen Worten fing eine Mail an, die ich vor Kurzem bekam und die offensichtlich eigentlich nicht an mich adressiert war.  In den nächsten Tagen kamen dann noch ein paar und das Verrückte ist, sie wurden im April abgeschickt. Im April 2062!

Keine Ahnung wie das möglich ist, aber in der gleichen Woche hatte ich eine Testversion des revolutionären FUTUROOGLE auf dem Rechner – vielleicht hing es ja damit zusammen. Günstig war das Zusammentreffen jedenfalls, denn so konnte ich einige unbekannte Begriffe aus der Zukunft gleich mal nachschlagen. Das FUTUROOGLE wird wohl nicht auf den Markt kommen. Von meinem Rechner verschwand es jedenfalls ohne mein Zutun. Damit kamen dann auch keine geheimnisvollen Nachrichten mehr.

Ich dachte, das könnte für euch auch interessant sein. Denn wann hat man schon mal die Möglichkeit, einen Blick in die Zukunft zu tun?
Also lesen wir mal, was da reinkam. Über Böhmianer und Mothisten, oder Tagebucheinträge aus der Zukunft:

23. April 2062:
„Da scheiß an die Wand!“ meinte Andi. Alle starren ihn an und folgen seinem Blick in den Grund. Da stehen wir direkt unter der Brücke* im Rauschentor und vor uns ist der ganze Grund mit diesen 4zackigen Wellenbrechern aus Beton zugeschüttet, wie man sie von der Meeresküste kennt. Wie kommen die Dinger in einer doppelten Schicht, bodendeckend in den Rauschengrund? Der Vollmond steht hinter uns und beleuchte die erschreckende Szenerie überdeutlich. Wir wollten eigentlich die Starke Stiege hoch, weil sie immer noch so schön naturbelassen ist, wie vor 50 Jahren, also nicht aus- und nicht zurückgebaut, wahrscheinlich vergessen, und weil im Breiten Grund ja die Pfeiler* den Weg versperren.

Schramm-Rapid(*FUTUROOGLE: Brücke und Pfeiler – gemeint sind die Bauten der touristischen Hauptattraktion des Sächsischen Sandsteingebirges, des „Schramm-Rapid“. Die Magnetschwebebahn wurde 2022 von chinesischen Spezialisten errichtet und fährt als Panoramazug auf bis zu 280 m hohen Pfeilern im Elbtal eine Rundstrecke zwischen Bastei, Lilien- und Königstein, über die Schrammsteinkette mit Wendepunkt am Rauschenstein. Die Errichtung der Bahn war gegen große Widerstände in der Bevölkerung durchgesetzt worden. Die baulichen Eingriffe führten dazu, dass zahlreiche traditionelle Wanderwege im Gebirge nicht mehr begangen werden konnten. Schramm-RapidDieses naturschonende, touristische Top-Angebot (Originalton NNPV=Neue Nationalpark Verwaltung) diente als Hauptargument für Schließung und Rückbau des Haupt-Wanderwegenetzes, was eine deutliche Reduzierung der Fußgängerzahlen bewirkte und wiederum als Argument zur kompletten Sperrung des Nationalparks für Fußgänger im Jahr 2032 diente.)

Wir mussten also nun über den komplett verhauenen Wurzelweg aufsteigen, um in unser Basislager zu kommen, aber erst, wenn der Mond weg ist, denn im waldlosen Kessel wären wir doch zu gut zu sehen.

Ich habe daher Zeit, diese Notizen zu schreiben. Wir diskutierten noch eine Weile über die Entdeckung und waren etwas niedergeschlagen. HubschrauberNicht nur, dass seit Jahren schon die kleinste Schlüchte vom Hubschrauber aus, festmeterweise mit Rundhölzern gefüllt werden. Mit den auf 3m eingekürzten Rundhölzern, weil man anhand unterspülter Wanderwege gemerkt hatte, dass die kürzeren Hölzer recht unwegsame „Wege“ hinterlassen und weil die Verhau-Forschung ergeben hatte, dass wahllos in die Schlüchten gestürzte ganze Bäume für die Aktivisten eher eine Herausforderung und einen Hinweis auf verborgene Wege und Ziele darstellen, genau, wie die Betreten-verboten-Schilder. Denn wer einen fast unsichtbaren Weg nicht finden konnte, der brauchte doch nur das entsprechende Schild suchen. Nein – jetzt wird der irrwitzigen Plan umgesetzt, von dem wir gehofft hatten, dass er, aufgrund der Preisentwicklung für Beton nach der großen Flut, nicht realisiert werden könnte.

Aber wie in der Gerüchteküche schon zu hören war, wurde die Aktion dadurch möglich, dass die Betonteile an den bisherigen Küstenbefestigungen an Ost- und Nordsee nicht mehr benötigt werden, da aufgrund des beständig steigenden Meeresspiegels keine definierte Küstenlinie mehr vorhanden ist. Eingeflogen werden die Teile mit dem Cargolifter, der nicht mehr mit teurem Helium befüllt wird, sondern mit ebenfalls unbrennbarer, sonst eigentlich gänzlich unbrauchbarer, aber sehr heißer Luft aus deutschen Amtsstuben. Dort abgesaugt, darf sie nach den neuesten Umweltvorschriften nicht mehr ungenutzt in die Atmosphäre abgegeben werden.  Naja, es ist inzwischen gegen 22:00, der Mond soweit verschwunden, dass es im Schmilkaer Kessel nicht mehr so hell ist – wir müssen los, ich schreib morgen weiter.

Fortsetzung folgt…

(Bilder nachträglich eingefügt by Zwillingsstiege – freie Fotos und Gif von fotorack.com und  freephotos.com)

5 Gedanken zu „Ein fiktiver Bericht von Andreas P.

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