Verbote über Verbote – ein Vergleich

Zwei Nationalparks umfasst der Elbsandstein: den in der Sächsischen Schweiz, und den in der Böhmischen Schweiz. Und jeder von denen hat so ein wenig andere Regelungen, wenn es um das Aussperren oder auch Einlassen von Wanderern geht. Meine Oma in ihrer Weisheit sprach dann immer: “Der eine ist ‘nen Dreier wert, der andere drei Pfennig.” Ob sie auch diesmal recht behält? Ich will hier mal, ganz informativ, die verschiedenen Regeln vorstellen. Also, zwecks obrigkeitsgefälliger Bewegung im Busch, empfiehlt es sich, hier weiter zu lesen.

1. Außerhalb der Kernzone, aber immer noch im Nationalpark

Sachsen

Böhmen

Wegegebot Ja, man darf die Wege nicht verlassen. Aber auf allen erkennbaren solchen wandern. Nein, alle Wege dürfen benutzt werden, man kann aber auch quer durch den Wald laufen.
Boofen

Erlaubt, aber nur in den gekennzeichneten legalen Boofen.

Prinzipiell verboten.

 

2. In der Kernzone (in Böhmen: “Zona 1”)

Sachsen

Böhmen

Kennzeichnung der Kernzone Viele Schilder im Wald. Wo die stehen, beginnt ganz sicher ein interessanter Pfad. Der genaue Verlauf der Kernzone ist aber nicht nachvollziehbar. Ebenso ein Sack voll Schilder, auch wieder an spannenden Stellen. Außerdem Zeichen an den Bäumen – siehe weiter unten. Der genaue Verlauf der Zona 1 ist damit sehr gut nachvollziehbar.
Wegegebot Streng: nur extra gekennzeichnete Wege dürfen benutzt werden, alle anderen gelten automatisch als gesperrt. Wie in Sachsen: alles, was keinen Wegweiser hat, gilt als gesperrt.
Boofen Verboten Verboten
Kletterzugänge Dürfen von jedermann benutzt werden. Dürfen nur mit einem Mitgliedsausweis eines Kletterverbandes benutzt werden.
Verfolgungsdruck Gering. Seit die NPV personell immer mehr ausgedünnt wird und obendrein mit dem “Waldumbau” – zu Deutsch: mit der Nutzholzgewinnung – beschäftigt ist, finden kaum noch Kontrollen statt. Deutlich höher. Tschechische Ranger gelten obendrein – im Gegensatz zum Rest unseres Nachbarvolkes – als ausnehmend rüde und unerbittlich.

 

3. Was tun beim Kontakt mit dem Ranger?

Ruhig  bleiben, denn eigentlich kann nichts passieren. Hier ein paar bewährte Strategien:

  1. Einen Löffel Dummpulver fressen. So tun, als hätte man sich verlaufen. In der Regel klappt das. Man wird aber dennoch zurück geschickt und darf seine Tour nicht fortsetzen.
  2. Einen auf Ausländer machen. Weder die deutschen noch die tschechischen Ranger haben rudimentäre Fremdsprachenkenntnisse. Also auf Englisch parlieren oder seine Russischkenntnisse anbringen: man wird in Ruhe gelassen.
  3. Im schlimmsten Falle: den Ranger einfach stehen lassen. Denn der hat zwar das Recht, Personalien aufzunehmen, er hat aber nicht das Recht, dafür Zwang auszuüben. Dieses Recht hat nur die Polizei. Und ehe ein Polizist auf dem Auerhahnsteig ist… Im Extremfall eine Anzeige wegen Nötigung androhen, wenn er einen auch nur anfasst. Aber soweit sollte es eigentlich nicht kommen.
  4. Auch eine Möglichkeit: brav alle Angaben machen und das Bußgeld bezahlen. Und das Ganze danach im Internet breit treten. Eine besser Werbung bekommt man nicht.

4. Bedienungsanleitung: tschechische Kernzone

Die “Zona 1” ist durchgängig mit zwei roten Ringen an den Bäumen markiert. Der eine Ring geht ganz um den Stamm rum, der andere nur zur Hälfte. Sieht man also jetzt zwei Ringe, dann steht man außerhalb der Kernzone:

DSCN2249 Guter Wanderer

Sieht man dagegen nur einen Ring, dann steht man innerhalb der Kernzone und sollte da eigentlich gar nicht stehen:

DSCN2250 Böser Wanderer

5. Fazit:

Oma hatte recht. Zwar sind die Regeln etwas verschieden, mal da, mal dort, lockerer oder strenger, im Allgemeinen laufen sie aber darauf hinaus, den Menschen aus der Natur raus zu halten. Und da wollen wir doch ein wenig gegenhalten. Gelle?

7 Gedanken zu „Verbote über Verbote – ein Vergleich

  1. Aha, habe den Artikel mal als Anlass genommen, mich bei Wikipedia über den Unterschied von Gebot (Anweisung etwas bestimmtes zu tun – hier auf dem Weg laufen) und Verbot (Anweisung etwas bestimmtes zu unterlassen – hier ohne Weg durch den Wald laufen).

    Mal abgesehen davon, dass man ja selten einen Grund hat tatsächlich quer, also ohne Wege, durch den Wald zu laufen, fasse ich zusammen:
    – im gesamten Nationalpark gilt eigentlich ein generelles Wald-Betretungs-Verbot. Wege-Gebot klingt zwar weniger drastisch, bedeutet aber faktisch genau das
    – in der Kernzone weitet sich das Verbot dann noch auf alle Wege aus, die nicht direkt vor Ort als begehbar gekennzeichnet sind
    – und im Artikel ganz vergessen ist die ganz interessante Steigerung des Verbietens, die man dadurch erreicht, dass man zum bisher als GEbot getarnten VERbot noch ein echtes direktes BetretungsVERbot hinzugesellt – das unbeliebte x im Kreis.
    – zur Steigerung dieser Steigerung passt es dann ganz logisch, dass dieses Verbot dann auch in allen Zonen angewendet werden kann.

    Kleines Schmunzeln bei der Wikipedia-Recherche: “… Da der Beruf dort (USA, Canada) eine hohe Wertschätzung genießt und der Begriff Ranger auch in Europa mit positiven Assoziationen verknüpft ist, wurde er ins Deutsche übernommen.”

    • Hapapischu!

      Da wollen wir doch mal hoffen, dass das Meer, was es hier mal gab, nicht so schnell wiederkommt. Denn wenn, dann käme auch der mächtigste Pirat aller Zeiten und Piraten mögen solche Zeichen sehr! == (Benutze Schaufel auf X!) == 😎

      “Ein X markiert die Stelle.” Guybrush Threepwood

        • “Nach meinem letzten Kampf war meine Hand blutverschmiert!” ……

          Ich glaube, wir schweifen ab, denn das Thema war ja ein anderes. Aber ich würd gern schon mal wissen, wieviele Kästchen man hier noch reinschachteln kann.

          Vielen Dank übrigens für die Bedienungsanleitung der tschechischen Kernzone, das wusste ich bis dato noch nicht!

          • Scheinbar geht kein Kästchen mehr hineinzubauen, deshalb steht mein Tipp für dich, wenn du dann nach zehn Minuten frierend aus dem Wasser wieder rauskommst, hier:
            “Ich verkaufe diese feinen Lederjacken!”

  2. Vielen Dank für den wunderbaren Beitrag!

    Im Grunde ist es doch so: Man darf alles, aber sich nicht dabei erwischen lassen.
    Kommt uns doch richtig entgegen: Wir wandern in Ruhe, wir machen keinen Lärm, wir pennen getarnt und ohne Feuer am Platz, wir hinterlassen keinerlei Spuren, wir verbuddeln unsere körperlichen Hinterlassenschaften, wir nehmen sogar den Müll von uneinsichtigen Idioten mit.
    Wir genießen die Natur und leben mit und in ihr, wir “nutzen” die Natur nicht.

    Danke!
    Sel

Schreibe einen Kommentar