Waldbrand nachgeschaut

Wir waren nun am 11.08.2018 im Hirschgrund und um es gleich vorweg zu nehmen, da war nicht der eigentliche Waldbrand. Wir sind dem Kletterzustieg zur Kraxelbrüderscheibe folgend, somit auch die aktuell verschärften Verhaltensregeln nicht verletzend, bis an den Wandfuß der Riffspitze aufgestiegen. Dort finden sich ca. 150-200 m² völlig verbrannten Bodens – alles Trockenzeug komplett weg – von Heidekraut und Blaubeeren sind nur noch einige dickere „Stämmchen“ übrig – die Rinde der größeren Bäumchen ist bis 2 m Höhe verkohlt – Laub und Nadeln teils verschwunden – teils bis 4-5 m Höhe abgestorben und hitzegetrocknet. Das sind die sofort als Brandfläche erkennbaren Bereiche. Eindrucksvoll ist es schon, wenn man sich an diesen Stellen die Feuerwehrleute vorstellt, wo der Hang sich 6-7 m mit 45° zur Abbruchkante hinunterneigt. Interessanter sind aber die zahlreichen Hinweise auf die größeren Brandteile und die Löscharbeiten.

Denn oben auf dem Riff erkennt man wesentlich größere Schäden und von der Eisenbahn aus konnte man sehen, dass sich die von den Flammen gedörrten braunen Blätter und Nadeln ganz erheblich weit in den Pferdegrund hinunter ziehen. Auch in Richtung zum Steinernen Tisch hinauf ziehen sich die erkennbaren Schäden noch mindestens 100 m. Wie schon vorn an der Kraxelbrüderscheibe hat das Löschwasser, aus einer Spalte vom Riff herabfließend, ziemlich große Mengen Sand herab geschwemmt. Vom Ruß schwarz und    durchsetzt mit vielen Holzkohlestückchen zieht sich die Lawine 10-15 m und ist stellenweise 30-40 cm dick. Das veranschaulicht die eingesetzten Wassermengen. Vom riesigen Aufwand im Pferdegrund, der oben immer noch als Feuerwehr-Sperrzone gekennzeichnet ist, zeugt auch der durch die vielen Feuerwehrstiefel gut erkennbar ausgetretene Pfad, eigentlich schon in Wegbreite. Von oben bis zum Brandherd unten sind das auch nochmal gute 300 m – hinabsteigen in voller Montur – Schläuche und Ausrüstung runterschleppen – krass. Und eigentlich auch eindrucksvoll genug. Ich glaube, ich möchte den bestimmt zur Hälfte ausgebrannten Pferdegrund gar nicht mehr sehen. Von oben hat mir Flatterband und doppeltes Betretungsverbot eine Begehung verwehrt und mit den dramatischen Ereignissen im Hintergrund wollte ich dagegen auch nicht verstoßen. Unten an der Kraxelbrüderscheibe hätte ich noch gewagt, vom Kletterzustieg aus einmal in den Grund hinein zu schauen, aber die Bedingungen waren mir dort zu abweisend.  Bereits auf den ersten Metern hatten wir dreckige Hände, so verrußt waren die Wände der Spalte (wohlgemerkt, vom eigentlichen Brandherd in jeder Richtung noch mind. 10-15 m entfernt). Dann war aber auch der Aufstieg durch die Wand beschwerlicher, als ich im Gedächtnis hatte.

Ohnehin schon leicht demoralisiert durch die recht enge Spalte, den Dreck, den aufdringlichen Rauchgeruch und heftig schnaufend nach der zweiten Kletterstufe, gab mir der Blick auf die dritte Kletterstufe den Rest. Nein danke, die 4 m hätte ich ja auch wieder runter steigen müssen. Da verzichte ich eben auf den Blick in den verbrannten Grund. Vielleicht auch besser so, denn auch wenn die eigentliche Natur als Ökosystem bestimmt weniger von so einem Feuer geschädigt wird – mir wäre der Anblick sicher ein sehr trauriger.

Fakt ist jedenfalls, dass der eigentliche Waldbrand im Pferdegrund gewütet hat. Obwohl unter dem kleinen Überhang an der Riffspitze zum Hirschgrund auch noch eine einzelne Socke lag, vermute ich als Fundstätte der zurückgelassenen Ausrüstung die Boofe Pferdegrund. Man wird wohl einfach in den Medien den Hirschgrund genannt haben, weil er bekannter, mit Wanderweg versehen ist und vielleicht auch, weil der Pferdegrund ja doch lieber vergessen werden soll.
Verblüffend ist auf jeden Fall, wie weit sich das Feuer ohne brennbares Material im Gelände bewegen kann. Denn egal, ob nun vom Riff brennende Zweige auf das Band runter gefallen sind, oder vom Band Funken nach oben gewirbelt wurden, es ist beängstigend und dass unter den herrschenden Temperaturen und der Trockenheit das Feuer nicht zum Wipfelbrand geworden ist … ein sehr großes Glück im Unglück. Und eigentlich gegen jede Erwartung meinerseits. Klar, ich bin kein Fachmann für Waldbrände, aber ich hätte wirklich gedacht, wenn ein Feuer erstmal so eine Größe entwickelt hat, dann rennt es bei der vorhandenen Hanglage auch gleich den Berg hinauf.
Aber gut so. 

Nur die Ranger müssen jetzt noch ran und den deutlichen markierten Eingang in den Pferdegrund wieder verwischen. Ein quergelegter Baum dürfte bei der breiten Wegspur nicht mehr reichen.

Übrigens, weil wir ja zur Auflockerung noch die dortige Wegelage erkunden wollten: Um den Hirschgrundturm kann man mindestens über 3-4 verschiedene Kraxelwege hinauf, zwischendurch und wieder runter steigen. Schmale, schöne Pfade, fast mit Labyrinthcharakter, eine Hühnerleiter, steile Kraxelstellen, einzelne Steinstufen und sogar „Hangelgeländer“, alles ungefähr Rotkehlchenniveau. Besuchenswert.

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