Baumartenstreit im Nationalpark

Wie bekannt wurde, soll im Nationalpark auf Geheiß der Nationalparkverwaltung eine größere Fläche mit Roteichen (Quercus rubra) komplett gerodet werden. Die Begründung der NPV ist, dass diese als eingeführte Baumart im Nationalpark nichts zu suchen hat, da hier nur einheimische “natürliche” Vegetation zu wachsen hat. Die IG hat dazu Gegenposition bezogen, wie ihr hier in der ARD-Mediathek selbst sehen könnt: Link

Die Roteiche wurde wohl zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus Nordamerika in Europa eingeführt, insbesondere als Parkbaum wegen der schönen Blattfärbung im Herbst. Das Holz wird auch forstwirtschaftlich genutzt, wobei der Baum seit Anfang des 20. Jahrhunderts auch als Ersatz für stark fraßgeschädigte einheimische Eichenarten angepflanzt wurde. Laut Wikipedia “sind verwilderte Roteichen auffallend beispielsweise im Elbsandsteingebirge, wo die Roteiche auf Felsen weitab eines forstlichen Anbaus wächst und sicher eingebürgert ist.”

Für uns steht die Frage im Raum, ob es bezüglich des Klimawandels wirklich sinnvoll ist, fremde Baumarten komplett aus den Wäldern des Nationalparks zu verbannen. Wie wir bereits jetzt gesehen haben, können nach zwei Sommern ohne ausreichende Niederschläge weder die momentan noch dominierende Fichte (ebenfalls standortfremd in großen Teilen des Elbsandsteingebirges) noch die als “Allheilmittel” angesehene Rotbuche (die tatsächlich einer der Hauptbäume unserer Klimazone ist) den neuen Bedinungen ausreichend trotzen. Die Klimamodelle sagen voraus, dass solche Dürresommer bis zu sechs Mal in Folge auftreten könnten – das überleben vermutlich weder Fichte noch Rotbuche oder Stieleiche und ggf. weitere einheimischen Baumarten. Letztlich könnte das Elbsandsteingebirge – mit Ausnahme der schluchtartigen Täler – zu einer Art Savanne versteppen. Sicher auch ein interessanter Anblick, aber ob das so gewollt ist? Mal abgesehen von den Folgeschäden durch verstärkte Erosion, Sturzfluten und Hochwasser im Elbtal und den Seitentälern, wenn es keinen wasserspeichernden Wald mehr gibt.

Ich werde mich in nächster Zeit dazu weiter informieren und die Ergebnisse hier präsentieren. Festhalten möchte ich an dieser Stelle noch, dass die Schaffung eines Nationalparks mit einer Vegetation aus dem Lehrbuch des 20. Jahrhunderts der Schaffung eines “Jurassic Parcs” gleicht und nichts mit “Natur Natur sein lassen” zu tun hat. Und was man nicht vergessen sollte – der Nationalpark verdient ja auch gerne Geld mit “seinem” Wald: für Borkenkäferholz der Fichte, welches momentan ja in Unmassen anfällt, werden aktuell 20-35 €/fm gezahlt, für Eichenholz zwischen 105 und 270 €/fm! [Quelle: https://fbg-amberg.de/holzvermarktung/holzpreise]

8 Gedanken zu „Baumartenstreit im Nationalpark

  1. Wenn wir jetzt noch den “Förster der Nation” Peter Wohlleben sinngemäß einführen, ist die gesamte Forstwirtschaft bei der Walderneuerung nicht notwendig. Der Wald schafft seine Erneuerung alleine am besten.
    Dann fremdeln auch die restlichen 90% der Insekten nicht mit dem Bewuchs.
    Derart entlastet könnten ja die Mitarbeiter der NPV echte Wanderführer werden.
    Richtiges Verhalten im Wald will gelernt sein

    • Na das bitte nicht, denn was die dann für richtig halten … nee danke, die stehen dann an jeder Kreuzung und passen auf, dass richtig abgebogen wird.
      Die sollen mal ruhig weiter Holz fällen, da sind sie beschäftigt und machen keinen Blödsinn – denn, meine untenstehenden Ausführungen dürfen nicht so verstanden werden, dass ich keine Bäume gefällt sehen will. Ganz im Gegenteil, ich fände es sinnvoll und nützlich, wenn man mal wieder in Teilbereichen klassische Kahlschläge schaffen würde und dann jährlich mal die Artenvielfalt mit der unberührten Kernzone vergleicht. Ich glaube daran, dass es positive Ergebnis geben würde. Ich ärgere mich nur über das nur aus der Ideologie begründete Abholzen … aber ich will mich nicht wiederholen 🙂

  2. Ja, leider sind fast alle Fragen aus dem extrem komplexen Ökologiebereich nur sehr schwer einfach zu beantworten. Es gibt immer viele Für und Wider.
    Was aber über allem stehen sollte, ist doch die Wahrnehmung der Realität und ein undogmatisches Reagieren auf aktuelle Anforderungen. Und das kann ich hier nicht sehen. Ich sehe statt dessen Ignoranz des Klimastresses, der reihenweise die verschiedensten Baumarten verdorren lässt. Die vielgeschmähte Fichte wollen wir zwar sowieso weghaben, aber auch die vielgepriesene Rotbuche und die biodeutsche Eiche haben zunehmend Probleme über die extrem trockenen Sommer zu kommen. Die Ulme, ein klassischer Mischwaldbaum und früher sehr verbreitet, ist in Deutschland fast schon ganz ausgestorben, die für Unkraut angesehene Birke verträgt die Trockenheit auch nicht, Pappeln sterben seit Jahren alleenweise, die Eberesche, unser erzgebirgischer Heimatbaum, leidet vielfach unter Pilz- und Virusbefall, die richtige Esche stirbt auch an vielen stellen, die Kastanien stemmen sich seit Jahren gegen die Miniermotten – das fällt mir alles so spontan ein und ist bestimmt noch nicht die ganze Liste – aber die Naturschutzideologen können sich den Luxus leisten, auf einer größeren Fläche gesunde Bäume wegzusägen, die sich doch offenbar im Gebiet und im Klima ganz gut behauptet haben.

    Klar, es ist schade, wenn sich um die Roteiche weniger Insektenarten gruppieren, als um andere Baumarten, aber hallo!!! Vom Wegsägen werden doch wohl auch nicht mehr Insekten entstehen? Und die Bäume mit den Mehr-Insekten müssen ja auch erst mal gepflanzt werden und aufwachsen.
    Da hätten die Kräfte lieber ins generelle Aufforsten gesteckt werden können und die Flächen dazu dürften doch auch nicht lange zu suchen sein – Meine Güte, Stürme und Käfer haben doch ausreichend Platz geschaffen und bis man da was Gutes erreicht hätte, hätten die Roteichen in Frieden weiterwachsen können.

    Aber nein, wie so oft in neuerer Zeit – wir bringen ein Projekt nicht zu Ende, fangen aber ein Neues an … und wundern uns natürlich über die schlechte Meinung im Volk.

  3. Ich war beim lesen des Artikels auch erst völlig baff, ob der Tatsache, das gesunde Bäume gefällt werden. Die Argumente Gesund, Widerstandsfähig, teures Holz etc. haben mich auch auf die Seite der Meinung von Arndt Noack schwenken lassen. Dann habe ich mir den Beitrag im MDR angesehen. Wenn die Roteiche unserer Fauna allerdings derart unnützlich ist fast wie ein Kirchlorbeer, dann sollte man vielleicht doch auch den Argumenten der Verwaltung zu hören. Wohl germerkt, ich bin kein Freund derer Entscheidungen, speziell zum Rückbau der Wanderwege. Wenn aber das allseits bewiesene Insektensterben, mit nachfolgendem Fehlen von Vögel, auch auf das Fehlen von entsprechenden Lebensräumen zurück zu führen ist, sollten vielleicht auch diese 300 Bäume überdacht werden. M.E. muss im Moment alles getan werden, um diesen Missstand in der Fauna übern Berg zu helfen. Fehlender Insektenbestand am Baum wäre für mich als Naturfreund tatsächlich ein Argument gegen diese Art. Genügend andere Schäden ein Argument gegen die Fällung. Es ist gar nicht so einfach, wie es am Anfang des Artikels schien.

    • Hallo Dohnaer, natürlich sind das auch Argumente. Aber wenn die NPV gleichzeitig an anderen Stellen hektarweise Fichtenholz aus dem Wald fährt, ist das, was hier von Herrn Mayr gesagt wurde, schlichtweg Augenwischerei. Denn Totholz im Wald bringt ebenfalls eine große Artenvielfalt hervor, sicher mehr als Kahlschläge und verdichtete Böden.
      Und da sich die Roteichenfläche meiner Info nach ganz am Rande des Nationalparks befindet, nämlich zwischen Schmilka und Elbleitenweg, sehe ich da (noch) nicht wirklich große Gefahr für die Waldflächen des Nationalparks an sich. Zumal Einzelexemplare der Roteiche sicher auch jetzt schon überall herumstehen.

  4. Ich möchte noch hinzufügen,das die gefällte Roteiche neue Triebe( sogenannte Stockausschläge)bildet.Diese müssten dann in gewissen Abständen entfernt werden.Wer soll das machen ? Zu DDR Zeiten haben wir die Baumstümpfe mit der
    „chemische Keule“ eingestrichen aber das ist ja heute Gott sei Dank verboten.
    Diese Roteichen sind sehr widerstandsfähig gegenüber Sturm.In Zeiten des Klimawandels sollte man diesen Ausländern (ich meine die Roteichen ,Lärchen und Douglasien) eine Chance geben sich zu integrieren.

  5. Das, was Karsten schreibt und was Arndt im Fernsehbeitrag sagte, leuchtete mir deutlich mehr ein als das, was Herr Mayr von der NPV zu den Motiven zur geplanten Fällung sagte. Sicher hat auch Herr Mayr im Kern Recht. Aber zum jetzigen Zeitpunkt gibt es sicher genügend andere „Baustellen“ im Nationalparkgebiet (Stichworte Borkenkäfer und Sturmschaden), wo Personal und Technik benötigt wird. Da ist nach meiner Meinung dieser begrenzte Standort der Roteiche nicht vordergründig zu betrachten.
    Die massiven Schäden im Wald sind real. Der Nationalparkgedanke ist zwar leider auch real, aber für die Sächsische Schweiz doch auch recht unrealistisch.
    Bei den von Karsten recherchierten Zahlen zu den Holzpreisen drängte sich mir eher der folgende Gedanke auf: Will man sich unter dem Deckmantel der Zurückdrängung gebietsfremder Arten das Taschengeld aufbessern, weil sich mit Fichte zur Zeit kein Geld verdienen lässt … ?
    Auf das Ergebnis des im Fernsehbeitrag erwähnten Bürgergesprächs darf man gespannt sein.

  6. Wenn man wie ich im vogtländischen Wald wohnt, wundert man sich nur über soviel Verbohrtheit der NPV… Ich dachte, das Motto lautet “Natur Natur sein lassen…” und jetzt sollen gesunde Bäume sterben, weil “nicht von hier…” Könnte man ja fast denken, der Mann wählt blau…

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