Internetzensur und Boofenverbot durch die Hintertür?

Copyright giphy.comEigentlich wollte ich ja an dieser Stelle noch etwas zur Roteiche schreiben, aber die Ereignisse überrollen mich und machen zunächst zwei andere Themen brandaktuell: Wie ich gestern zuerst bei Markus gelesen hatte, hat die NPV eine Stellenausschreibung für einen Referenten veröffentlicht. Dessen Hauptaufgabe soll es sein, das Internet nach NPV-unliebsamen Webseiten zu durchforsten und gegen die Betreiber rechtlich vorzugehen – egal ob Privatpersonen oder Online-Kartendienste. Die Stellenbeschreibung nebst eines ausführlichen und gepfefferten Kommentars könnt ihr derzeit bereits hier nachlesen.

Für mich stellt sich dies als (geplanter) staatlicher Eingriff in die Freiheit des Internets dar, also dass, was unsere vielgeliebte Regierung in China, Iran und anderswo immer anprangert. Copyright giphy.comBezahlt zudem von unseren Steuergeldern – vermutlich ein sechsstelliger Betrag -, die dann wieder in der Wegeinstandhaltung in der Sächsischen Schweiz fehlen werden und durch Holzverkäufe kompensiert werden müssen. Sinnvoller wäre es m.E., dieses Geld in die Umweltbildung der Bevölkerung zu stecken, um z.B. Waldbrände und das Müllproblem zu reduzieren.

Das andere angesprochene Thema ist der Plan, für Übernachtungen in den Boofen der Sächsischen Schweiz vorab Tickets verkaufen zu wollen, natürlich mit Angabe von Name, Adresse und Haftpflichtversicherungsnachweis (oh geliebtes Deutschland!!!). Da werden wegen dreier schwarzer Schafe wieder Tausende “ordentlicher” Boofer von vornherein zu Kriminellen gestempelt. Und durch die Hintertür das Boofen so restriktiv eingeschränkt, dass am Ende wohl kaum noch jemand dort übernachten will (“Mission accomplished”).

Meine persönliche Schlussfolgerung: Bisher habe ich immer eine Lanze FÜR den Nationalpark gebrochen, der trotz seiner Schwächen eine willkommene Schutzfunktion der Region vor Bebauung oder anderweitiger intensiver Nutzung gewährt. Aber heute ist der Rubikon für mich überschritten – ab sofort plädiere ich für eine Abschaffung des Nationalparks in seiner derzeitigen Form, vor allem seiner Verwaltung, und die Schaffung einer neuen Art von Schutzgebiet (und keines Disneylands nach den Vorstellungen einiger NP-Oberer), welches auch weiterhin jegliche Bebauung, jedoch auch seine kommerzielle Nutzung als Reservoir für Nutzholz verbietet – also das, was die NPV seit Jahren dort betreibt. Dazu das Betretungsrecht aller in der Natur vorhandener Wege sowie freies Boofen an den bisher dafür vorgesehenen Stellen.

3 Gedanken zu „Internetzensur und Boofenverbot durch die Hintertür?

  1. Was über Roteichen wäre vielleicht auch interessant gewesen, aber der geplante Aufbau der Digitalen Besucherlenkung ist natürlich viel spannender.
    Und fragwürdiger in jeder Hinsicht.
    Denn warum Roteichen abgesägt werden ist uns zumindest so halb verständlich und nachdem ich kürzlich mit einem Förster sprach, scheint der Profitgedanke keine Rolle zu spielen, denn der Förster meinte: Roteiche? Ist doch nichts wert?
    Also bleibt wohl nur der alternative 🙂 Gedanke, wonach diese “Ausländer raus” müssen … und natürlich wie immer … nachdem man sie vor langer Zeit selbst ins Land geholt hatte, weil man sich von ihnen Vorteile erhoffte … schäbig.

    Aber egal, was ich mich frage ist:
    1. Wird sich wirklich jemand finden, der sich dieser Aufgabe stellt, obwohl die Stelle auf 2 Jahre befristet ist?
    2. Wer sind denn eigentlich diese “Dritten”, deren Onlineangebote nationalparkkonformiert werden sollen? Denn ich gehe doch davon aus, dass sich die Schreiber, also der Sachsenforst, als die Nummer Eins sieht.
    3. Ist dann die NPV die Nummer Zwei?
    4. Oder sind wir und alle anderen Wanderer die Nummer Zwei?
    5. Sind wir mit unserer Internetseite eines der sozialen Medien?
    6. Oder sind damit nur die Zwitscherdienste gemeint?
    7. Und was sind schließlich “…kostenpflichtigen Gestattungen nach dem Leistungs- und Entgeltverzeichnis des Staatsbetriebes Sachsenforst …”?

    • zu 2. Die NPV nimmt sich das Recht heraus Veranstalter abzukassieren welche aus Profitgier Touries(“Zweite”) in das Elbsandsteingebirge locken und diese, z.B., in der Hi(e)ckelhöhle zum Übernachten animieren.
      Da könnte eine Boofengebühr fällig werden.
      Inspiriert von Rolands Bericht vom Riesengebirge(….und auch Prebischtor) kann ich mir auch vorstellen, daß an schönen Aussichten und Wegen Mauthäuschen aufgestellt werden.
      Der Reiseveranstalter kann dann ( als “Dritter”) die Zehnergruppenkarte der NPV mit Mengenrabatt herausgeben.
      Der Vorteil: Sachsenforst muß nicht mehr sein Geld mit der Holzwirtschaft verdienen.
      Wenn das System funktioniert schlage ich Stufe Zwei vor. Dann werden die Anliegerkommunen auch zu “Dritten” erklärt und erhalten das Betretungsrecht für das Elbsandsteingebirge zu Gunsten Ihrer Ferien-und Urlaubsgäste.
      Dafür muß nur eine NPV-Abgabe auf die Kurtaxe umgelegt werden. Ja, ….so würde mir das gefallen wenn ich der Landvogt vom NP wäre. 😉 😉

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