Die Murmelschlucht

eine Schlucht voller Murmeln

eine Schlucht voller Murmeln

Den Namen Murmelschlucht wird man auf Landkarten des Elbsandsteingebirges vergeblich suchen. Er fiel mir spontan ein beim Begehen einer steilen Felsspalte im Schießgrund, und ich finde ihn auch ziemlich treffend.

Diese Spalte hat es in sich im doppelten Sinne des Wortes: Einmal liegen auf dem Grund der engen Schlucht mehrere große Felsmurmeln, die irgendwann mal abstürzten. Sie hat also Felsmurmeln in sich. 🙂 Das ist natürlich nur eine nette Wortspielerei. Die Schlucht hat es aber auch in anderer Hinsicht in sich, und das ist diesmal sehr ernst gemeint: Es gibt zwei Stellen, die sehr schwierig zu ersteigen sind. Das ist hier also kein Wandertipp, sondern eher etwas für Wagemutige und positiv verrückte Erkunder, zu denen ich mich zähle. 🙂

Abzweig am Schießgrund

Abzweig am Schießgrund

Hier nun die Beschreibung:
Aus dem Zahnsgrund steigt man den Schießgrund ein Stück hoch. Etwa 150m vor dem Klettergipfel Rübezahl zweigt nach rechts ein deutlich sichtbarer Pfad ab, der direkt zum Eingang der Schlucht führt. Vom Wanderweg im Schießgrund aus kann man den Beginn der Schlucht sehen.

Eingang wie ausgemeisseltSchon die Umgebung des Einganges zur Schlucht ist einen Abstecher wert: Es gibt hier schöne Felsüberhänge mit sehr interessanten „Maserungen“ im hellen Sandstein. Freunde alter Inschriften werden hier fündig. Am meisten hat mich an dieser Stelle der schroffe Durchbruch der Schlucht durch die hohen Felswände beeindruckt. Der „Eingang“ zur Felsspalte wirkte auf mich wie ein ausgemeißeltes Portal. Das 3. Bild vermittelt einen Eindruck davon.

Nach wenigen Schritten kommt man zur ersten Murmel. Hier muss man schon mal die Hände aus den Taschen nehmen, die Kriechstelle ist aber kein Problem. An der zweiten Murmel kommt man links leicht vorbei. Die Passage der dritten Murmel ist schon schwieriger. Von unten sieht man nicht, wo man Griffe findet. Rückblick sieht leichter aus, als es istIch kann es kurz machen: Es gibt auch gar keine Griffe. Es ist alles rund, wie es eine Murmel eben so an sich hat. Ich habe versucht, mich in dem Zwickel zwischen Murmel und linker Felswand etwas mit einem Fuß zu verkeilen mit dem Ergebnis, dass ich den Fuß kaum wieder heraus brachte. Am Ende klappte es dann irgendwie mit einer Mischung aus Einklemmen, Wälzen, Reibung, Kraft und ein paar herzhaften Flüchen. Wie es genau ging, kann ich nicht mehr beschreiben. Bild 4 zeigt die Stelle von oben, bringt aber die Schwierigkeit nicht zum Ausdruck.

extrem steil

extrem steil

Nach kurzem Verschnaufen folgte ein sehr steiler Hang, der nach oben zu immer steiler wurde. Hier liegt irgendwo die vierte Murmel, die aber nicht hinderlich ist.  Gleich danach kam es ganz dicke, als erstes Wort fiel mir „Umkehren“ ein. Aber man soll nicht gleich aufgeben. Und siehe da, es gibt einen Weg. Allerdings war der für ich als Einzelkämpfer grenzwertig. der einzige WegEs geht über eine schräge Felsplatte mit einer flachen Einkerbung, die mit „flexiblen Stufen“ aus losem Boden und Kiefernnadeln gefüllt ist. das steilste Stück von obenDiese Platte ist noch stärker geneigt als die Schräge an der Alten Domstiege. Aber eine Kette wie an der Domstiege gibt es in der Murmelschlucht nicht! Die einzige Hilfe ist die Spitze einer Wurzel der großen Kiefer oberhalb der Felsplatte. Diese Spitze (im grünen Kreis im Bild rechts) muss man zu fassen bekommen, dann kann man sich weiter hoch ziehen. Die anschließende Querung nach links auf einem wenige Zentimeter breiten Felsband ist im Vergleich dazu schon als „Genusswandern“ zu bezeichnen. von oben sieht es einfach ausNach der Querung knickt der Pfad wieder nach rechts ab, dann hat man den Ausstieg aus der Schlucht geschafft. Das letzte Bild zeigt den Blick zurück. War da etwa was?

Nun steht man oben auf dem Plateau zwischen Schießgrund und Lattengrund. Und wie nun weiter? In dem dort oben vorhandenen Spaltengewirr kann man sich bestimmt vorzüglich verlaufen. Zum Glück gibt es gleich neben dem Ausstieg einen deutlichen Pfad. Diesem folgte ich nach rechts in Richtung Zahnsgrund. Wenig später teilte sich der Pfad. Halbrechts kommt man vermutlich wieder im Schießgrund heraus. Ich ging an der Teilung aber halblinks hinunter und kam nach einiger Zeit auf dem Pfad heraus, der vom Schießgrund aus immer an den Felsen entlang bis zum Lattengund führt.

Nachahmung ist ausdrücklich empfohlen, vielleicht helfen folgende Ratschläge:

  1. Bei feuchtem Untergrund nach Regen würde ich das Begehen der Schlucht nicht empfehlen. Es war schon bei Trockenheit heikel genug. Die extreme Steilheit kommt auf den Bildern nicht zum Ausdruck.
  2. Es geht zwar auch allein, aber ich würde eine Begehung mindestens zu zweit empfehlen. Man könnte dann mit einer Art Räuberleiter einen „Vorsteiger“ voran schicken, der von oben mit einem Seilstück den Anderen Hilfestellung geben kann.

Viel Spaß und viel Glück!
🙂 🙂

5 Gedanken zu „Die Murmelschlucht

  1. So isses! Ein einladendes Portal und eine verlockende Herausforderung. Beim Besuch vor einigen Wochen sind wir noch unbemerkt dran vorbei gelaufen, weil uns die Spalten hinterm Rübezahl noch mehr angezogen haben. Die kann unser Mstreicher ja auch mal austesten. Wir haben sie für uns unter dem Schwierigkeitsgrad “Gecko” abgehakt. Dafür haben wir am Sonntag den zweiten Anlauf für die Murmelschluch genommen, wie erwähnt geguckt und die Bezwingung auf den dritten Anlauf verschoben. Zu unserer Entlastung muss aber erwähnt werden, dass der morgendliche Regen noch von den Bäumen tropfte, der Stein komplett durchnässt und die aufliegenden Algen und Flechten einen fast geschlossenen Gleitfilm bildeten. Davon abgesehen hätten wir uns gleich zum Anfang unserer Wanderung unschön eingesaut … und es war doch Sonntag 🙂

    • Da hab ihr ja alles richtig gemacht. Auf grünen Gleitflächen wäre es sicher gefährlich geworden. Die Murmeln rollen ja nicht davon.

      Schwierigkeitsgrad “Gecko” beherrsche ich nicht, dazu muss man wahrscheinlich noch verrückter sein und zu den Kletterern gehören.
      🙂

  2. Letzten Sonntag standen drei Wandersleut` im Portal vor der Murmelschlucht und guckten hoch. Und guckten hoch! Und guckten wieder hoch und sagten unisono :….ach nöööh ! Heute nicht !
    Und es war noch ein schöner Wandertag in die Schrammsteine zum Frühstücksplatz. 🙂 😉

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