Nein, nicht alles ist verboten!

Wir steigen soeben aus dem vorderen Tümpelgrund auf, von oben kommt uns eine lärmende Gruppe entgegen, vom Gruppenführer lautstark belehrt, dass der hintere Tümpelgrund bis Mitte September gesperrt wäre. Depp! Denk ich. Ruhe stören und falsche Parolen verbreiten, das passt…, da sehe ich gleich rechts am Weg einen schönen jungen Birkenporling … ooh, den nehme ich mit, der kommt in meine Magentropfen.

Da blökt mich der Depp von oben an, ob das ein Pilz wäre und, dass ich hier aus der Kernzone nichts mitnehmen usw. dürfte. Ich war von der groben Ansprache gleich so eingeschüchtert, dass ich nur was von „ach ja, hab‘ ich vergessen“ stammeln konnte. Als Dank für die Belehrung hab‘ ich ihm nur die Erkenntnis angeboten, dass der Tümpelgrund seit 16. August wieder frei ist. Bedankt hat er sich nicht … sie wollten da sowieso nicht hin. Ich hätte ihm besser erklären sollen, was mir nicht gleich eingefallen ist, dass Pilze keine Pflanzen sind, weshalb Punkt 9 in § 6 der Nationalparkverordnung, welcher besagt, dass es verboten sei „ … Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören sowie die Lebensstätten wildwachsender Pflanzen zu beeinträchtigen…“ nicht greift.

Das ärgert mich nun insbesondere auch deshalb, weil ich doch selbst ein erklärter Besserwisser bin und deshalb werde ich in meine Wanderausrüstung künftig eine Nationalparkverordnung einfügen und die betreffenden praxistauglichen Abschnitte vorsorglich markieren.

Da würde ich so einem Großmaul nächstes Mal gleich noch nachweisen können, dass die Mitnahme von Pilzen nicht nur nicht verboten, sondern sogar erlaubt, bzw. zulässig ist, wie es in Punkt 13 in § 8 genannt wird. Demnach ist: „ … eine nach Art und Menge schonende Entnahme von Pilzen und Beeren für den persönlichen Bedarf;…“ zulässig und nur „… die Verbote nach § 6 Abs. 2 Nr. 16 und 17 bleiben unberührt …“. Der Nachsatz bezieht sich auf das Verlassen der Wege – man darf also nur vom Weg aus erreichbare Pilze sammeln. Mein Pirkenporling stand zugegebener Maßen zwar 1m neben dem Weg, aber soweit musste ich ohnehin beiseitetreten, um den Gruppenführer vorübergehen zu lassen – zum Glück war diese Begegnung vorübergehend.

4 Gedanken zu „Nein, nicht alles ist verboten!

  1. Schade um den Ärger mit dem Depp …
    Aber um mal beim Touri-Thema zu bleiben: Ich war mit meiner besseren Hälfte am linkselbischen Hangweg vom Aschersteig bis Schandau unterwegs. Hatte ihr eigentlich versprochen, dass es da ruhig ist – das traf auf den Abschnitt Aschersteig-Hirschgrund (sehr nass, tw. zugewachsen) und Krippen-Täppichtsteig auch zu. Aber zwischen Hirschgrund und Krippen war doch überraschend viel Begängnis – wir haben uns gewundert und nachgefragt, da kamen dann Antworten wie “na hier ist doch der CDF-Weg” und “wurde bei komoot empfohlen”. Also – Internet wirkt auf jeden Fall!

  2. Da kannste mal sehen, wie sinnlos manche Gesetze dem Wortlaut nach sind. Z.B. das Verbot, in der Kernzone markierte Wege nicht verlassen zu dürfen. Und wenn man dort plötzlich mal pinkeln oder kacken muß? Den Weg darf man ja nicht verlassen, also muß das Ganze auf dem Weg oder am Rand stattfinden? Da würden sich wieder andere Wanderer belästigt fühlen. Und dann findet man direkt auf oder am Weg einen sogenannten Scheiß-Pilz. Den Depp im Tümpelgrund hätte man mal fragen müssen, ob er mit seiner Gruppe klettern war. Denn der Pfad dort ist ein sogenannter Kletterzustieg, und den dürfen aus Sicht der NPV nur Kletterer zur Ausübung des Klettersports begehen, siehe https://www.nationalpark-saechsische-schweiz.de/wp-content/uploads/2019/09/Hinweise-zu-den-Karten.pdf
    Mit den eigenen Waffen schlagen, diese Idioten (ein Synonym für Idiot ist übrigens z.B. Depp, siehe Wikipedia). Auf der NP-Seite steht auch, daß seit 16.08.2020 alle aus Artenschutzgründen erfolgten Sperrungen aufgehoben sind.

  3. „lärmende Gruppe“, wer sind wir denn, uns von solchen Gelegenheitstouris (mehr fällt mir bei Deiner Beschreibung nicht ein) belehren zu lassen. Leider macht es in solcher Situation oft keinen Sinn, adäquat zu reagieren.
    Wir hörten gestern die lautstarke Belehrung an das Frauchen, wie denn der Hund nun die Winterbergkehren hoch komme. Unser Unterhaltung mussten wir unterbrechen.
    Es ist sicher ärgerlich, unnütze Belehrungen einzustecken, aber das wirkt dann, wie eine Rechtfertigung und die hast „DU“ doch nicht nötig.
    Stecke es weg, wünsche betont einen schönen Tag und morgen lachst Du drüber und ich weiß, das geht mir und anderen auch gelegentlich so.

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