Schatten und wenig Licht über dem Sandstein

Am 29. April fand eine weitere Online-Tagung der AG-Wege statt. Eine Zusammenfassung ist auf der Seite des SBB zu finden. Die Schatten über dem Gebiet, beginnend mit den Schrammsteinen und Affensteinen, hinweg über den Großen Winterberg, Zschand (Klein und Groß) und Thorwald, bis hin ins Kirnitzschtal im Hinterhermsdorfer Gebiet, sind mittlerweile länger, als die toten Fichtenstämme bei Sonnenuntergang werfen können.

Um wirklich sicherzustellen, dass wir nicht doch noch Hoffnung haben, in dem genannten Gebiet zu wandern, gibt es vor der FFH-Prüfung noch eine Hürde, die sich “Schwarze Wege” nennt. Nein, es ist nicht die Schwarze Schlüchte gemeint! In der liegen nicht erst seit Borkenkäfer die Fichten kreuz und quer über dem Weg. Schwarze Wege sind Wege, die in Gebieten liegen, in denen laut Protokoll, TOP4

…ab einem bestimmten Gefährdungsgrad motormanuelles Arbeiten nicht mehr gestattet (Technikeinsatz stattdessen zwingend erforderlich) und darüber hinaus ein Betreten dieser Bereiche auch aus anderen dienstlichen Gründen nur sehr eingeschränkt bzw.überhaupt nicht mehr zulässig.

Die Karte, auf der die schwarzen Wege zu sehen sind, ist verschlüsselt, d.h., bei der NPV unter gutem Verschluß. Ich bin kein Forstfachmann, aber für mich klingt diese Begründung wie, die Feuerwehr darf das Feuer nicht löschen, weil es zu gefährlich ist. Tummeln dürfen wir uns, aber nicht vor Herbst dieses Jahres, auf der Heiligen Stiege und am anderen Ende im Schießgrund oder Lattengrund runter. Im Großen Zschand können wir uns Hoffnung auf Hohlfelds Graben (Buschmühle), Flügel E machen. Ich fasse es nicht, wir dürfen, vielleicht, wieder auf den Teichstein. Roßsteig, von Zeughaus bis Goldstein fällt flach, Technikeinsatz nicht möglich. Das verstehe ich nicht, vor 40 Jahren wäre ich mit einem GAZ-66 (russischer Miltär-LKW) den Weg mit Allrad und Geländeübersetzung hochgekommen. Ich empfehle die Wegemarkierungen der wenigen Wege von grün auf blau umzustellen – blau wird in Deutschland für Hinweisschilder auf Autobahnen verwendet. Und – unsere Hoffnung dürfen wir nicht zu hoch hängen – Landesdirektion und alle die, die vom Gesetzgeber Mitspracherechte haben, können uns noch ein paar gewaltige Sandsteinbrocken (FFH-Prüfung) vor die Füße werfen.

Ich sehe viel Arbeit auf die Verleger von Wanderlektüre zukommen. Nein, nicht nur Kinderbücher und sonstige nicht mehr zeitgemäße Literatur muss, dem modernen Zeitgeist folgend, umgeschrieben werden, sondern auch Wanderführer für die Sächsische Schweiz. Alle Wanderungen beginnen mit “Es war einmal…” und enden mit, “… wenn die NPV nicht gestorben ist, wartet sie noch heute auf die letzte, umfallende tote Fichte.”

Wie sollen wir das nun sehen? Dem SMEKUL ein paar tote Fichten mit den Namen aller Wege, die laut Wegekonzept nun für immer verschwinden werden, vor die Tür legen? Die Baumärkte haben Kompost vor das Sozialministerium gekippt. Oder vielleicht an einem Tag, an dem mit vielen Wanderern im Gebiet der zukünftig gesperrten Wege zu rechnen ist, präsent sein und aufklären?
Ich lasse das mal so stehen.

12 Gedanken zu „Schatten und wenig Licht über dem Sandstein

  1. Laut NPV wird der Roßsteig noch regelmäßig auf Wegesbreite freigehalten, da es zwischenzeitlich die einzige übriggebliebene Wanderverbindung vom Zschand zum Winterberg war – Die hohe Gefahrenlage besteht aber nach wie vor durch das viele herumstehende Totholz, dass jederzeit umbrechen kann. (Stand 12.8.)

  2. Was sind denn das für Gesetze? Über einem toten, abgestorbenen Wald darf keine Drohne zur Bestandsaufnahme starten, aber im Elbtal dürfen Tornados fliegen? Ein toter, abgestorbener Baum, der noch steht, darf nicht abgesägt werden, da muß erst die EU gefragt werden? Es gibt Personalmangel bei der NPV zur Borkenkäfer-Schadensbeseitigung, obwohl Zeit und Geld dafür da ist, durch einen Mitarbeiter jeden Tag sinnlose Droh-Kommentare bei Youtube reinzusetzen? In Notlagen muß es immer Ausnahmen geben. In einer Pandemie z.B. werden gewisse Gesetze kurzfristig mal für eine gewisse Zeit außer Kraft gesetzt, um schnell reagieren zu können. Warum kann nicht für die Hintere Sächsische Schweiz die NP-Verordnung mal für 1 Jahr ausgesetzt werden, um die Schäden schnell zu beseitigen? Am besten wäre es, der Nationalpark samt seiner Mitarbeiter würde ganz aufgelöst werden, dann könnten die Probleme schneller gelöst werden.

  3. Danke Dietmar für den Beitrag. Ich muss ehrlich sagen, ich bin entsetzt über das geringe Entgegenkommen des Nationalparks. Nicht, dass ich den Malerweg bräuchte, aber hier zeigt sich ganz besonders in welche Richtung der neue Nationalpark-Chef arbeitet.
    Oder ist es fehlende Ortskenntnis, wenn der Roßsteig als nicht befahrbar bezeichnet wird?! Oder grenzt das Ganze gar an Vorsatz?
    Zwischen Winterberg und Goldsteinaussicht ist der Roßsteig ein Rettungsweg, der freigehalten wird. Vom Zeughaus hoch wäre bekanntermaßen auch kein größeres Problem, wenn man wöllte. Dieser Bereich ist seit 2018 vom Borkenkäfer befallen und tritt nun in die riskobehaftete Phase des Zerfalls ein. 2,5 Jahre war Zeit, sich Gedanken zu machen, das Gelände zu begutachten, Gelder zu generieren, Mitarbeiter einzustellen, Maßnahmen zu planen usw.
    Einzig am Willen fehlt es offenbar (oder ist es eher die fehlende Voraussicht der leitenden Mitarbeiter?!)
    Aktuell kann man nur mit dem Kopf schütteln über die Ignoranz gegenüber allen Betroffenen.
    Ein Gutes hat aber das Ganze: wenn 90% des Nationalparks “Schwarze Zone” sind, werden wir keinen Ranger mehr im Gelände treffen 🙂

    Nutzen wir die Zeitspanne bis zum Ende der Brutzeit, um “Öffentlichkeit herzustellen” und Druck zu machen. Das Thema muss präsent bleiben!

    • Zitat Wood_99: “… Ein Gutes hat aber das Ganze: wenn 90% des Nationalparks “Schwarze Zone” sind, werden wir keinen Ranger mehr im Gelände treffen 🙂 ”

      Ja nee … die stehen dann einfach an den 2-3 noch offenen Wegen in die “Zone” 🙂

  4. Das klingt leider alles sehr bedrückend. „Schwarze Wege“, das erinnert mich an Tolkiens Düsterwald. Und von dort ist es nicht mehr weit bis nach Mordor und zum Schwarzen Herrscher …

    Aber wir dürfen den Mut nicht sinken lassen! Spreewolf hat es sehr treffend formuliert. Das Elbi gehört nicht irgendwelchen weltfremden Phantasten und abgedrehten Ideologen, sondern ist eine in Jahrhunderten gewachsene Kulturlandschaft. Diese Kulturlandschaft wird von allen geliebt, außer von jenen weltfremden Gestalten, die dieses Traumland gerade misshandeln und zerstören.

    Fossil hat auch einen wichtigen Satz geschrieben: „Also werden wir weiter spuren.“ Genau so!

    Ich werde nicht müde, gebetsmühlenartig zu wiederholen: Wenn wir es nicht tun, tut es niemand! Jeder Schnitt zählt! Schon nächste Woche geht es weiter. Damit:

    https://www.magentacloud.de/lnk/TUC1S7zb

    • Nöö, Mstreicher schmücke mich mal nicht mit fremden Borsten.🥴
      Aber ich mach natürlich mit, aufgerüstet mit erweiterten Wanderset oder mit der Schreibfeder und ich freu mich, wenn ich gespurte unmarkierte Wege begehe. Dann sehe ich, das können nicht nur ein paar Dutzend sein, die Unmarkierte spuren.
      Das baut unheimlich auf, da sind viele, die da mit Füßen und Klppsge abgestimmt haben. Und wir können natürlich auch in die Richtung des Beitrags denken. Öffentlichkeit herstellen!!!!

  5. Danke für den Bericht. Es ist wirklich zum Heulen (als wenn man wegen der Corona-Maßnahmen nicht schon genug heulen könnte). Langsam fühle ich mich wie in der DDR 2.0

  6. Das ist wieder ein schöner Beitrag und auch der Kommentar von Spreewolf.
    Die NPV versucht gerade, gegenüber den Gemeinden mit ein paar Bonbons (siehe Brücken oder Lehrpfadtafeln) etwas Gegenwind von der Seite rauszunehmen, aber das wird nicht reichen. Und was die Wege betrifft, ist nicht der Ansatz eines akzeptablen Miteinanders spürbar. Leider agiert die SZ wieder etwas, wie ein Zentralorgan, jedenfalls habe ich nichts in der Zeitung über die AG Wegetagung gelesen, geschweige denn vom uneingeschränkt geltenden Wegekompromiss und dessen zeitnaher Umsetzung. Ich meine,, die jetzige Brutzeit kann man abwarten, aber mehr Geduld muss man nicht haben. Also werden wir weiter spuren und wir werden auch Öffentlichkeit für unsere Wege erreichen.

  7. Das spricht mir aus der Seele. Das Konzept Nationalpark funktioniert so anscheinend nicht. Es geht doch nur um die Wege die geräumt werden sollen. Der Rest drumherum kann meinetwegen so bleiben wie er will. Reine Träumerei, dass sich dort bei einer prognostizierten Klimaerwärmung bis 2100 von 2,4 Grad (aktuelle Zahl von gestern) auch nur ansatzweise irgendwas so ansiedeln wird wie es früher einmal war. Die Wege selber waren noch nie ein wertvolles Biotop oder habt Ihr mitten auf dem Weg schonmal etwas in der Art gesehen?

    Sehr bezeichnend, dass man die Infos über schwarzen Zonen unter Verschluß hält. Wenn ich dort theoretisch in einer solchen Zone lang gehe und werde von einem Ranger erwischt, kann er mir garnix denn er dürfte ja dort rechtlich gesehen garnicht sein.

    Auf dem nächsten Kirnitzschtalfest können die gerne ihre Prospekte, Aufkleber und Werbegeschenke für sich behalten. Schade das sind ja nur die Ausführenden dort, die machen was der “Chef” vorgibt.

    Von einem Miteinander Natur und Mensch ist der Nationalpark kilometerweit entfernt – Elfenbeinturm trifft das sehr gut.

  8. Offensichtlich gibt es immer noch Leute ( Leut*:Innen ??) die in Ihrem Elfenbeinturm sitzend glauben, daß das Elbsandsteingebirge der absolute Spielplatz einer weltfremden, politisch vernetzten Ökoelite sei.
    Ich stelle mal eine Gegenthese auf: Die Tage des Nationalparkes sind gezählt !
    Wenn die Menschen ringsherum DAS DING so nicht mehr haben wollen ,ist er Geschichte.
    Sicher brauchen wir Naturschutz. Die Bewahrung ( ja Konservatismus! ) des ererbten Naturschatzes an Gestein , Pflanzen und Tieren gilt es zu leisten.
    Es leben hier aber auch Menschen und die verdienen mit und vom Elbsandsteingebirge ihr täglich Brot ! Es ist Sport- und Freizeitgebiet, Erholungs- und Kulturraum . Es ist bei den Menschen beliebt und wird geliebt !
    Wir sollten uns alle diese Ausreden , Ausflüchte nicht bieten lassen.
    Also : Wem gehört das Elbsandsteingebirge?

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