Der stete Tropfen höhlt den Stein – Wanderung mit der NPV

Wanderung zum WegegebotAlljährlich laden zwei kompetente Mitglieder der Nationalparkverwaltung zur geführten Wanderung zur Wegekonzeption im Nationalpark ein. Die Rede ist von Frank-Rainer Richter, zuständig für die Schutzgebietskennzeichnung und Andreas Knaak, zuständig für die Besucherlenkung im Nationalpark. Zwei harte Hunde möchte man sagen, die sich in die Höhle des Löwen begeben und den drängenden Fragen der Stiegenfreunde Rede und Antwort stehen.

Brandstufen

durch den tiefen Grund

Nach kurzer Begrüßung am Parkplatz Frinzthalmühle geht es zunächst durch den Tiefen Grund, auf einem Weg, den die Nationalparkverwaltung vor ein paar Jahren neu geschaffen hat, um nicht an der Straße entlang bis zum Beginn der Brandstufen laufen zu müssen.

Am Anfang spürt man noch etwas, um es vorsichtig auszudrücken, die Differenz und Zurückhaltung, die möglicherweise auf beiden Seiten besteht, doch die weicht einer ersten, harten Diskussion um den Eulengrund. Die IG Stiegen- und Wanderfreunde hat den Antrag zur Öffnung gestellt, der Nationalpark konnte das Thema noch nicht zielführend behandeln. Hier gilt es dran zu bleiben. Im Zusammenhang mit dem Eulengrund wurde auch das Thema der Wegesicherungspflicht ausführlich diskutiert und festgestellt, dass niemand mit den strengen Vorschriften richtig zufrieden sein kann. Hier gab es auch ein erneutes Angebot der Stiegenfreunde an den Nationalpark Arbeitseinsätze durchzuführen und alte Waldhütten in Schuss zu halten.

Brandstufen

Kletterzugang am Brand

Über die Brandstufen ging es bis zum Kletterzugang, der uns in die Dastellöcher führt. Doch auf einem langen Halt kam es zunächst zur Diskussion über die gefährdete Krähenbeere und den Stengelumfassenden Knotenfuß. In diesem Zusammenhang wurde erläutert, wie das Begehen der Natur durch den Menschen schon im kleinen Umfang zu eklatanten Schäden an zarten Vorkommen führen kann. Hier wurde der Dissens zwischen Nationalpark und Stiegenfreunden deutlich. Die Stiegenfreunde versuchten zu verdeutlichen, dass das Begängnis in den hintersten Winkeln der Sächsischen Schweiz im Vergleich zu den Touristenautobahnen immer noch extrem gering und der Mensch nicht aus der Natur heraus zu denken sei. Hier solle man den Wanderer entkriminalisieren, anstatt ihn grundlos zu maßregeln.

 

Auch die Domstiege war ein Thema – natürlich. Die Domstiege wird in jedem Falle noch dieses Jahr gebaut, wahrscheinlich Ende Oktober, Anfang November als eine Kettenvorrichtung in minimaler Ausführung.

Dastellöcher

umstrittene Steighilfen (Klammern, Stifte)

Mittlerweile sind wir über einen schmalen Kletterzugang in der Speisekammer angelangt und diskutieren, welche Verbindung es zwischen Eventtourismus, Stiegenbauten und Massenüberflutung im Nationalpark gibt. Währenddessen uns die Mitarbeiter der NPV darlegen wollen, dass jegliche Einbauten auch dazu führen, dass ein höheres Begängnis vor sich geht, können die Stiegenfreunde anhand einiger Beispiele darlegen, dass dies nicht unbedingt der Fall sein muss und am konkreten Beispiel in der Speisekammer auch nicht der Fall ist.

Zentrales Thema, von Herrn Knaak selbst angesprochen, sind die schweren Forstarbeiten am Lindengründel. Hier gibt die Nationalparkverwaltung zu, dass Fehler in der Umsetzung gemacht wurden, die so nicht in Ordnung sind (Stichworte Sandsteinblock, Kanister) und so auch in Zukunft zu vermeiden sein sollten. Am grundsätzlichen Waldumbau wird dies aber nichts ändern und auch in den nächsten 10 Jahren habe man zum Teil mit vermehrten Einsätzen zu rechnen, um das Ziel 75% Naturzone A zu erreichen. Auch an der Borkenkäferdebatte kamen wir nicht vorbei. Viele, auch im Nationalpark, haben Angst vor bayerischen Verhältnissen, die schnell zu Reaktionen auch auf politischer Seite führen würden. Man sehe dies schon an den Äußerungen, die der Borkenkäferbefall am Kleinen Winterberg hervorgerufen habe. Dass es am natürlichsten sei, den Borkenkäfer machen zu lassen und Geduld zu haben, bis sich nach mehreren Waldgenerationen wieder Naturwald entwickelt hätte – darüber gab es keinen Streit. Ob Waldbaumaßnahmen überhaupt notwendig seien, darüber hätte man noch lange reden können, aber man kam ja schon so nicht weit voran … was den Weg betrifft.

DiskussionLanges Thema war auch die Arbeit der Ranger und deren Umgang mit Wanderern, die sich abseits der vom Nationalpark zugelassenen Wege in der Kernzone bewegen. Ob es da immer notwendig sei, ein Bußgeld aufzubrummen und in wie fern da eher der Ton die Musik mache, bleibt ein heiß umstrittenes Thema. Der Nationalpark sieht sich hier im Recht und auch in der Pflicht, die selbst erstellte Nationalparkverordnung umzusetzen. Der Ranger sei da nur ausführende Kraft, die sich an die Vorgaben zu halten habe. Von den Stiegenfreunden wurde der Wunsch geäußert, dass sich der Ranger auch vermehrt anderen Aufgabenfeldern widmen solle, die auch zu seinem Bereich zählen, als immer nur dem Wanderer aufzulauern.

Auch alte Debatten – Stichwort Grenzweg und Grenzübergang Großer Zschand – sind seit dem letzten Jahr nicht weiter voran getrieben worden. Hier wurde die klare Aussage gemacht, dass sich am jetzigen Zustand nichts ändern werde. Was die persönliche Meinung der beiden NPV-Mitarbeiter betrifft, so möchte ich dazu nicht zu viel veröffentlichen, aber darauf hinweisen, dass es auch in der NPV nicht eine einheitliche Meinung gibt, sondern viele zum Teil widerstreitende Interessen und Auffassungen. Dies gilt für die Wegeproblematik einerseits, wie für die Naturschutz-/Waldentwicklungsauffassung andererseits. Deutlich wurde dies auch, als die Diskussion sich darauf richtete, dass der Nationalpark im Sachsenforst eigentlich vollkommen verkehrt aufgehoben sei. Hier entstehen Zweckverbindungen, die den Nationalpark weit von seinen eigentlichen Zielen wegziehen und den Naturschutzaspekt oft in den Hintergrund geraten lassen. Die Stiegenfreunde versuchten in dem Zusammenhang nicht gegen Waldumbaumaßnahmen zu argumentieren, sondern eher um naturverträgliche Maßnahmen zu werben, die sanfter in den Wald eingreifen, dafür aber möglicherweise auch länger dauern. Dies sei einem Nationalpark angemessener als der Einsatz von massiver Forsttechnik.

Brandaussicht

Brandaussicht

Die Wanderung mit den beiden Nationalparkmitarbeitern war aufschlussreich und hat die Mitglieder der IG Stiegen- und Wanderfreunde in ihrem Handeln bestätigt. Wir sind hier nicht auf dem falschen Weg, auch was die Veröffentlichung von manch strittigem Thema im Internet betrifft. Dies führt auch im Nationalpark zum Nachdenken. Der stete Tropfen höhlt den Stein – wo trifft das mehr zu, als bei uns im Elbsandstein?

Herzlichen Dank an Herrn Knaak und Herrn Richter für die Zeit, die sie sich genommen haben. Wir konnten alle Fragen stellen, die uns auf der Seele brannten – eine Antwort kam immer, auch wenn sie nicht immer zur kompletten Zufriedenheit führte. Gern nehmen wir auch das Angebot an, im Frühjahr im kleineren Kreis eine gemeinsame Wanderung durchzuführen.

Christian Helfricht
IG Stiegen- und Wanderfreunde

6 Gedanken zu “Der stete Tropfen höhlt den Stein – Wanderung mit der NPV

  1. Pingback: Zur Speisekammer und durch die Laufe in knapp fünf Minuten | Ruebezahlstiege.de – der Stiegenblog

  2. Eulengrund? Ist da etwas an mir vorbei gegangen? Sonst guter Beitrag! Am Zschand wird sich mit Sicherheit nichts ändern, da die tcheschischen “Wanderfreunde” immer dagegen sein werden!

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