IG on Tour: Begangsteig, Glatter-Stein-Weg und Schlaglöcher

Schindergraben

Bei strahlendem Sonnenschein haben sich ein paar Mitglieder der IG Stiegen- und Wanderfreunde zusammen gefunden und auf den Weg gemacht. Start und Ziel der Wanderung war das Hotel Polenztal. Doch besagtes Tal werden wir gleich wieder verlassen, um in den von Lichtstrahlen sanft erhellten Schindergraben zu gelangen, der uns zum Halbenweg hinauf führt. An nett aufgetürmten Steinhäufchen und unter den strengen Augen Lenins vorbei geht es bergan. Der Halbenweg führt dann immer auf gleich bleibender Höhe, Kehre an Kehre reihend in Richtung Gautschgrotte und zieht sich daran vorbei, als hätte sich eine Schlange in der Wüste voran bewegt. Immer wieder bieten sich Möglichkeiten zur Ebene Brand-Hohnstein auszusteigen, doch die lassen wir getrost links liegen.

Einstieg Begangsteig

Begangsteig

Unser erstes Ziel ist der Begangsteig – ein mit dem Kletterzugangspfeil markierter Weg, der den Halbenweg fortsetzt, nur deutlich interessanter als dieser ist. Ein schmaler Pfad führt immer am Felsfuß vorbei, an manchen Stellen könnte man abkürzen, doch wir wollen den gesamten Weg ablaufen. Und dieser Weg ist genau das, was wir uns als Stiegen- und Wanderfreunde unter einem spannenden, natürlichen Pfad vorstellen: einsam, wild, von imposanten Felsformationen umgeben und zum Teil eng an der Abbruchkante vorbei. Hier gibt es viel zu entdecken – seien es alte Forstgrenzmarkierungen, markante Kletterfelsen oder Wegekreuzungen, die zum Abzweigen und Erkunden verleiten. Dieser Weg könnte ewig so weiter gehen, es würde nie langweilig werden – hier spürst du den echten Naturkontakt.

Selbst Wildschweine zweifeln …

Doch aufgewacht. Urplötzlich stehen wir auf dem Neuweg und sehen die ersten Wanderer. Wo waren die nur die ganze Zeit? Am Sauteich vorbei geht es nun auf einem breiten Wanderweg in Richtung Brandstraße. Auf dieser angekommen, halten wir uns aber gleich wieder rechts und zweigen in den nächsten Weg ab – der Mittlere Saugrund mit dem wunderschönen Eisenbahnerloch. Doch da geht es nun nicht hinab, sondern dem Kletterzugangssymbol hinterher. Dieses weist uns zum Glatten-Stein-Weg, ein schöner Pfad, der angenehm abwechslungsreich immer weiter in westliche Richtung führt, bis man an einer imposanten Aussicht steht, die heute einen exzellenten Fernblick bietet. Wir genießen die letzten Sonnenstrahlen für die nächsten zwei Stunden, denn die werden nun mit reichlich Regen gesegnet sein.

Aussicht am Glatten-Stein-Weg

Hohnsteiner Dom

Also schnell zurück zur Brandstraße und gleich die nächste Kletterzugangsmarkierung hinab in die Schlaglöcher.Steil geht es nun talwärts in einen riesigen Felskessel, der sich zunächst noch ein Stück weitet. Bevor der Weg durch die Schlaglöcher führt, sollte man unbedingt noch einmal den Blick zurück wagen. Unfassbar, was sich alles abseits der Touristenwege erleben lässt, unglaublich, was dem Menschen entgeht, wenn er nur die Brandstraße entlangpromeniert. Der Regen geht in einen deftigen Schauer über und so werden die immernassen Schlaglöcher eine feuchter Spaß. Schnell hat man den Schulzengrund erreicht und steigt ins Tal hinab, hat ferner die Polenz überquert und kann in der Kultwandergaststätte Waltersdorfer Mühle rasten. Bis zum Parkplatz am Hotel Polenztal ist es ja nun auch nicht mehr weit.

Ausschank an der Walterdorfer Mühle

Mobile Schranke

Doch das Delirium des Glücks, ein Bierchen trinken und eine Bockwurst also, wird jäh unterbrochen, da sich leider ein Unglück im Regen abgespielt hat: Ein Mann bricht im Polenztal zusammen, die Mitglieder der IG leisten Erstunterstützung, rufen den Notarzt und betreuen die Familie, bis der Rettungswagen eintrifft. Den verunglückten Mann hat es wohl schwer getroffen, leider spricht viel für einen Schlaganfall – wir wünschen ihm von Herzen das Beste und hoffentlich gute Genesung! Glücklicherweise wurde die damalige, starre Wegschranke im Jahr 2008 abgeschafft und durch eine ersetzt, die im Notfall nach beiden Seiten geöffnet werden kann. Doch da kam die Nationalparkverwaltung nicht von selbst drauf und musste erst über einen Presseartikel, den ein heutiges Mitglied der IG initiierte, dazu gedrängt werden. Hätte es die variable Schranke heute nicht gegeben, wäre der Notarzt nicht durch gekommen und es hätte alles noch schlimmer ausgehen können.

Wegesicherung nicht beachtet! Rettung aus einem etwas tieferen Schlagloch

 

2 Gedanken zu “IG on Tour: Begangsteig, Glatter-Stein-Weg und Schlaglöcher

    • Der Schlaglöcherweg verbindet die Brandstraße mit dem Schulzengrund – gut zu sehen auf der Böhm Detailkarte “Brand – Hohnstein” und auf der “Wanderkarte des LSG Sächsische Schweiz, Gebiet Rathen/Hohnstein” 1:10000. Ullrich/Brunner/Peschel. Dresden: Geodäsie und Kartographie 1990.

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