Forum

Bitte , um Beiträge und Themen zu erstellen.

Uhu, Schwarzstorch und Wanderfalke vor dem Aussterben im Sandstein?

12

Als griffiges Argument für das übergriffige Verhalten der NPV, um die Menschen aus dem NP zu verdrängen, muss immer wieder die Vogelwelt herhalten. Alarmistisch wird immer wieder angedroht, Uhu, Schwarzstorch und Wanderfalke sind kurz vor dem Aussterben, weil die Besucher unvernünftig sind. Die Frage ist, stimmt das? Auf der Seite der NPV gibt es dazu Diagramme vom Uhu, Schwarzstorch und Wanderfalke. Leider enden alle Diagramme 2015 bzw. 2016. Mit diesen Daten 2022 zu argumentieren, heißt mit veralteten Daten zu argumentieren. Wie sieht es also um die Vogelwelt seit 2015/2016 aus?

Der SBB hat aktuellere Daten zur Verfügung gestellt, die auf keinen Fall ein bevorstehendes Aussterben befürchten lassen. Es gibt Schwankungen, die aber monokausal nicht auf die Besucher des NP zurückzuführen sind; Konkurrenz der Tiere untereinander, Nahrungskette, Klimawandel, Borkenkäferbefall - das sind alles Aspekte, die bei der Argumentation und Ursachensuche zu beachten sind. Die Daten des SBB findet ihr hinter diesen Links, UhuSchwarzstorch und Wanderfalke.

Weder beim Uhu, noch beim Schwarzstorch ist ein Rückgamg zu beobachten. Beim Schwarzstorch scheint das Optimum bei zwei Brutpaaren zu liegen, was erklärbar ist, da das Brutgegebiet eines Paares mehrere Qudratkilometer umfasst und außer der Kirnitzsch es kein weiteres Gebiet für den Schwarzstorch gibt. Dem Uhu lässt alles kalt. Lediglich beim Wanderfalken ist das Maximum überschritten. Woran mag das liegen? Ist der Eingriff des Menschen Ende der 198er zur Wiederansiedelung nachvollhziehbar, ergibt sich die Frage, wann soll sich der Mensch aus der Herausbildung einer stabilen und nachhaltigen Population zurückziehen, um die Tierwelt nicht überzuschützen? Die Tierwelt regelt sich ohne Zutun des Menschen am besten auf ein Optimum ein.

Zum Wanderfalken erhielt ich den Link auf eine englischsprachige Originalquelle aus der (echten) Schweiz:

Spatio-temporal variation in post-recovery dynamics in a large Peregrine Falcon population in the Jura mountains

(45 Seiten, nur für Liebhaber) - interessant darin: Nach der Wiederansiedlung gibt es ein "Überschwingen", und dann sinkt die Zahl bis auf ein Gleichgewicht. Solche Schwankungen gibt es in der Natur ja viel. Und ganz klar verändern sich die Randbedingungen krass. Passt mal auf, ob Ihr im Gebiet Thorwald oder in freigesägten Richterschlüchten noch Vögel hört. Meiner Meinung nach nicht. Ohne Vögel kein Wanderfalke. Ach ja, und der Uhu ist schon lange am Maximum und Erzfeind des Wanderfalken. Ökologie ist eben schwierig, man darf sich nie nur auf eine Sache konzentrieren.

Anderes Beispiel: "Die Windräder töten die Rotmilane" 🙂 Diesen Unfug bemerkte ich schnell auf dem Rennrad in der Dresdner Umgebung: Es werden immer mehr Rotmilane, die haben sogar die Mäusebussarde zurückgedrängt (beobachte ich seit 24 Jahren). Je mehr Windräder, desto mehr Rotmilane, hähä. Und gestern wurden oberhalb von Johannstadt die Elbwiesen gemäht: 6 Romilane kreisten dort im Tiefflug, in der Stadt, wo ich bisher noch keine sah! Die falschen Ansichten kommen wohl von Leuten, die tote Rotmilane unter Windrädern "einsammeln" (Tunnelblick), und natürlich von Lobbyisten (die sogar Anti-Windrad-Gruppen sponsern).

Ich denke, diese "Vogelargumente" sind schon ziemlich widerlegt. Was selbstredend nicht verhindert, das Kletterverbot in der Nähe von Gelegen einzuhalten und zu kontrollieren. Klappt ja immer noch recht gut.

In der Schweiz (die in den Alpen) ist in den letzten Jahren die Zahl der Wanderfalken stark rückläufig, vermutet wird u.a. gezielte Vergiftung:

https://www.swissinfo.ch/ger/bestand-der-wanderfalken-in-der-schweiz-erneut-im-sinkflug/47419350

Ach du Sch... da lese ich, dass der Falke auch Fledermäuse frißt. Bestimmt doch die Mopsfledermäuse, weshalb diese so sehr vermisst werden und weil es nun so wenige sind, bekommt der Falke nicht genug Futter. Denn tauben habe ich nun auch nicht so viele bemerkt 🙂 Übrigens habe ich ein Falken-Brutpaar gleich gegenüber meiner Wohnungt auf dem 11geschosser und ein zweites Paar letztlich in einer Eisenbahnbrücke Nähe Frankenberg bemerkt.

Nebenbei bemerkt, auch wenn ich auf meine Rechenkünste nicht viel geben will, hat mich doch der Graf Zahl in mir mal wieder rechnen lassen ... und wenn in den Zahlen vom SBB (in Dietmars Beitrag) nur 0,0025 % der deutschen Schwarzstörche in der Sächsischen Schweiz brüten sollen ... nööö ... es soll ja, je nach Quelle mindestens aber 2 Brutpaare geben .... da müsste ja dann der Bestand in Deutschland an die 100.000 kommen 🙂

Im Spreewald wurden die letzten Schwarzstörche wohl im Spätsommer 2019 gesichtet. Im September  2020 hat der Nabu  dann die Verlustmeldung der Art ( Ich hatte eine Zahl von 3 Brutpaaren in Erinnerung ) in den Medien verbreitet. Meine persönliche Beobachtung bei den 11 Weißstorchennestern entlang meines Arbeitsweges durch den Unteren Spreewald war ein Rückgang der Brutpaare von ca. einem Viertel in den letzten fünf Jahren. Das mag verschiedene Ursachen haben.  Die Naturschützer machen bei uns dafür den Klimawandel und die Landwirtschaft verantwortlich. Es gibt einfach zu wenig Futter. Ob das den Schwarzstorch vertrieben hat kann ich nicht einschätzen. An den Touristen wird es wohl nicht liegen. Die Brutgebiete der Schwarzstörche und Kraniche ( ca . 70 Brutpaare m.E. ) sind in der Sumpf- und Auenlandschaft zwischen April und September gesperrt. Es gibt ohnehin nur wenige befahrbare Waldwege im Gebiet . Die befahrbaren Wasserwege sind ebenfalls abseits der Touriströme. Die Nester werden auch nicht öffentlich gemacht. Den Kranichen geht es bei uns so prächtig , daß sie sogar vermehrt überwintern und die Angst vor dem Menschen hat sich auch gewandelt. Von der Straße , aus dem stehenden(!!) Auto heraus sind mir schon Fotoaufnahmen ( beim Fressen auf dem Feld)  mit dem Handy aus 30m Entfernung gelungen. Die normale Fluchtdistanz bei diesen Tieren liegt bei 400-600m üblicherweise. Die Lebenserfahrung der Kraniche hat wohl zu dieser Anpassung geführt. Mich würde interessieren ob es bei den Kranichen eine Revier- und/oder eine Nahrungskonkurrenz  zu den Schwarzstörchen gibt.

Ich denke , daß  man bei der Ursachenforschung betreffend der Veränderungen möglichst alle Einflüsse berücksichtigen muß. Das ist eine Binsenweisheit. Meine Beobachtungen sind sicher auch nicht wissenschaftlich breit fundiert. Es ist eben nur die werktägliche Sichtweise durch die Windschutzscheibe meines Autos.

Dem Internet zufolge ist der Schwarzstorch ein scheuer Vogel, der geschlossene Waldgebiete für die Brut braucht. Gleiches gilt wohl für die anderes Arten.

Sicher ist es schade für biologische Vielfalt, aber wenn im NP aus bekannten „naturschutzfachlichen“ (?) Gründen nicht gegen den Borkenkäfer vorgegangen wurde, brauchen dann in Restwaldbeständen oder im OSM auch keine Wege mehr versteckt und zugeworfen werden. Aber das ist dann schon ein anderes Thema.

Akzeptieren kann man sicher ausgewiesene Horstschutzzonen und Brutzeiten, aber auch nicht mehr.

Nachtrag, ich habe mal in „Die Tierwelt der sächsischen Schweiz“ von Holm Riebe und Ulrich Augst nachgelesen.

-dem Uhu macht aktuell das schlechte Nahrungsangebot wegen fehlendem Niederwild (Hasen, Rebhühner, Igel etc.) zu schaffen und el. Oberleitungen

-Schwarzstorch, vor 70 J. aus dem Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet zugezogen ernährt sich an kleinsten Tümpeln und Bächen, wenn der“Trubel…an Kirnitzsch und Polenz eine Nahrungssuche unmöglich macht“ Die derzeitige jahrelange Trockenheit dürfte nicht förderlich sein.

- zum Wanderfalken werden keine besonderen Ursachen genannt.

Das Buch ist allerdings von 2003.

Ist euch auch aufgefallen das die Kirnitsch "milchiger" ist als früher ?

Meiner Meinung nach war die früher klarer. Ich mußte auch lange an verschiedenen Stellen schauen bis ich eine Forelle sah ...

Ein Fischreiher stand lange unterhalb der Rabensteine erfolglos im Bach. Das kenne ich eigendlich anders ...

Und dann noch das im Hinterkopf:

https://www.tag24.de/nachrichten/wasser-kirnitzsch-giftig-saechsische-schweiz-kontrolle-gesundheit-174450

 

@IGS: Umweltverschmutzung in der Kirnitzsch gabs schon vor über 130 Jahren, da hat man wahrscheinlich schon gekotzt (siehe hier, kurzer Ausschnitt eines Wanderführers von 1891, weiter unten auf der Seite unter Kirnitzsch):

https://kerbensteig.jimdofree.com/umgebung/sachsen/

Ach naja, von Menschen, die Flusswasser trinken und dann ganz überraschend Befindlichkeiten entwickeln, hört man immer wieder. Da muss man nicht drüber reden. Wer aus einem Gewässer mit bewohnten Ufern ungefiltert Wasser trinkt ... selber schuld.

Aber was eventuelle Trübung und auch Schaumbildung im Wasser betrifft ... bitte nicht gleich eine Umweltverschmutzung befürchten! Ich war zwar aktuell nicht nachsehen, möchte aber erwähnen, dass es auch natürliche "Verschmutzungen" gibt. Grad in den letzten Wochen war und ist noch die sehr reichliche Pollenentwicklung speziell bei Fichten, Kiefern, Raps und anderen Bäumen und Sträuchern für einen hohen Eiweisgehalt im Wasser verantwortlich. Das gibt neben Trübungen meist auch noch deutliche Schaumkronen. Wenn Niedrigwasser ist stellen sich eventuell Einträge deutlicher dar, weil  sie ja weniger stark verdünnt werden. Wenn hingegen Starkwasser ansteht, ja dann wird die Brühe oft durch Erdeinschwemmungen völlig undurchsichtig.

Nebenbei. Wo sollten auch "richtige" Verschmutzungen oder gar Vergiftungen herkommen? Obwohl ... Die allseits so beliebten Wohnmobile sind ja auch vermehrt unterwegs und haben natürlich ihre Chemietoiletten zu leeren...

Ich hab nur die Befürchtung das ein Schwarzstorch aus den Latschen kippt und das Boofen/Klettern/Wandern ganz verboten wird.

12

Archiv: das alte Mingle-Forum zum Nachlesen