Erinnerungen
Zitat von Zwinki am 11. Januar 2025, 17:38 UhrWenn wir schon bei Erinnerungen sind ... 11mm Kernmantel war mein erstes eigenes Seil. Ja, das war geringfügig steif, man musste es nach dem Rucksacköffnen gleich fangen, weil es von allein herausschnipste. Aber als Sitzgurt nahmen wir Judogürtel, die gingen prima (natürlich nur zum Sitzen, nicht als Sicherung). Mein Rissspatel war eine Tomatenstange, die existiert heute noch (glasfaserverstärktes Epoxid). Kletterschuh war ein Problem. Die guten tschechischen Hausschuh waren ganz schwer zu bekommen, in denen stand man auf Adrspacher Rollreibung. Einmal hatte ich tschechische Fell-Hausschuh mit klebriger Plastiksohle, die standen wie Wunder. Bekam ich aber nie wieder. Auf die Fußballschuhe klebten wir uns Traktorschläuche, die standen auch gut. An der Oehmeverschneidung an der Eule war ich schon 3m über dem Ring, als ich merkte, dass sich dieser Kleber unter Druck verflüssigt: Die Sohle stand links 1cm über. Ende des Wegs.
Waren verrückte Zeiten, aber ich trauere ihnen nicht hinterher. Ich wundere mich nur manchmal über Leichtwegkletterer, die sonstwas für Ausrüstung brauchen, nur um abzuseilen ...
Die meiste Zeit bin ich übrigens mit zwei Halbseilen geklettert, das hat bei Quergängen erhebliche Sicherungsvorteile. Macht aber keiner mehr hier im Fels. Nur im Hochgebirge Pflicht ... bei mir hat es auch mal eines der beiden Seile durch Steinschlag zertrennt (das zerschmilzt dann richtig an der Schnittstelle).
Wenn wir schon bei Erinnerungen sind ... 11mm Kernmantel war mein erstes eigenes Seil. Ja, das war geringfügig steif, man musste es nach dem Rucksacköffnen gleich fangen, weil es von allein herausschnipste. Aber als Sitzgurt nahmen wir Judogürtel, die gingen prima (natürlich nur zum Sitzen, nicht als Sicherung). Mein Rissspatel war eine Tomatenstange, die existiert heute noch (glasfaserverstärktes Epoxid). Kletterschuh war ein Problem. Die guten tschechischen Hausschuh waren ganz schwer zu bekommen, in denen stand man auf Adrspacher Rollreibung. Einmal hatte ich tschechische Fell-Hausschuh mit klebriger Plastiksohle, die standen wie Wunder. Bekam ich aber nie wieder. Auf die Fußballschuhe klebten wir uns Traktorschläuche, die standen auch gut. An der Oehmeverschneidung an der Eule war ich schon 3m über dem Ring, als ich merkte, dass sich dieser Kleber unter Druck verflüssigt: Die Sohle stand links 1cm über. Ende des Wegs.
Waren verrückte Zeiten, aber ich trauere ihnen nicht hinterher. Ich wundere mich nur manchmal über Leichtwegkletterer, die sonstwas für Ausrüstung brauchen, nur um abzuseilen ...
Die meiste Zeit bin ich übrigens mit zwei Halbseilen geklettert, das hat bei Quergängen erhebliche Sicherungsvorteile. Macht aber keiner mehr hier im Fels. Nur im Hochgebirge Pflicht ... bei mir hat es auch mal eines der beiden Seile durch Steinschlag zertrennt (das zerschmilzt dann richtig an der Schnittstelle).
Zitat von Andreas P. am 13. Januar 2025, 14:37 UhrSoso, lauter privilegierte Leute 🙂 der eine hat als erstes eigenes Seil gleich ein Kernmantel und der andere hat eloxierte Karabiner ... aber im Ernst, schönen Dank für die Erinnerungen ... Das waren noch Zeiten. Auch wenn meine Karabiner nicht mehr aus Zella-Mehlis sondern aus GDR kamen und von Anfang an nur silbern waren, nur der Schraubkarabiner war rot-eloxiert, und mein erstes Seil ein (12 mm?) Spiralgeflochtenes war. Gefühlt war es allerdings eher 16 mm 🙂 was aber manchmal auch ganz angenehm war, denn anfangs seilten wir doch noch im Dülfer ab und da schätzt man etwas mehr Auflagefläche 🙂 Auch das Direkteinbinden fühlt sich mit dem dickeren Teil etwas weniger unangenehm an ... allerdings haben wir auch recht bald selber genähte Brustgurte benutzt, aus 6er oder 8er Schlingenmaterial 8-10 mal parallel gelegt und mit irgendwelchen Bandzeugs aus dem Kurzwarenladen verflochten und vernäht ... nur am Ring gesessen und abgeseilt haben wir immer noch mit der alten Sitzschlinge ... allerdings hatten wir, weil ja ein Achter kaum zu beschaffen war, zum Sichern und Abseilen selbstgefeilte Abseil-Brems-Platten aus 10 mm Aluminium. Das konnte man auf dem gutsortierten Schrottplatz finden, wenn dort alte Starkstromleitschienen entsorgt wurden ... ach das waren noch Zeiten. Und wie lustig das Spiralseil gefedert hat 🙂 man musste schon bis in die Hocke abseilen, damit die Spannung weg war, andernfalls hats einen nochmal leicht angehoben.
Achja, da ich weder Informanten noch Beziehungen in DD hatte, musste ich also auf Verdacht in den großen Bergsportladen fahren und hatte doch tatsächlich das unverschämte Glück gleich beim ersten Besuch wenigstens Spiralseile vorzufinden und hab dann sogar zwei mitnehmen dürfen. Kann das sein, dass damals eins 80 Mark gekostet hat? In Karl-Marx-Stadt hätte ich im Sporthaus sicher lange vergeblich fragen müssen. Allerdings hatte ich ein Privileg unverdient, die Klettergruppe an der TH hatte einen Schuhmacher aufgetan, der uns maßangefertigte Kletterschuhe machte ... und zwar nicht aus Spalt-Rauhleder, sondern aus richtigem Glattleder. Das hatte nach außen die erkennbare Hautseite, war etwas dicker als die handelsüblichen "Tramper" und wesentlich härter und stabiler. Das niffelte nicht so schnell durch und gab auch mehr seitlichen Halt. Dir Kreppsohle war auch ein wenig dicker ... ich habe es schon oft bereut, dass ich die eigentlich gut erhaltenen Latschen vor vielen Jahren, als ich dachte sowieso nie wieder Klettern zu gehen, entsorgt habe. Ich hätte mir den Kauf der furchtbar unbequemen neumodischen Kletterschuhe bestimmt ersparen können.
Soso, lauter privilegierte Leute 🙂 der eine hat als erstes eigenes Seil gleich ein Kernmantel und der andere hat eloxierte Karabiner ... aber im Ernst, schönen Dank für die Erinnerungen ... Das waren noch Zeiten. Auch wenn meine Karabiner nicht mehr aus Zella-Mehlis sondern aus GDR kamen und von Anfang an nur silbern waren, nur der Schraubkarabiner war rot-eloxiert, und mein erstes Seil ein (12 mm?) Spiralgeflochtenes war. Gefühlt war es allerdings eher 16 mm 🙂 was aber manchmal auch ganz angenehm war, denn anfangs seilten wir doch noch im Dülfer ab und da schätzt man etwas mehr Auflagefläche 🙂 Auch das Direkteinbinden fühlt sich mit dem dickeren Teil etwas weniger unangenehm an ... allerdings haben wir auch recht bald selber genähte Brustgurte benutzt, aus 6er oder 8er Schlingenmaterial 8-10 mal parallel gelegt und mit irgendwelchen Bandzeugs aus dem Kurzwarenladen verflochten und vernäht ... nur am Ring gesessen und abgeseilt haben wir immer noch mit der alten Sitzschlinge ... allerdings hatten wir, weil ja ein Achter kaum zu beschaffen war, zum Sichern und Abseilen selbstgefeilte Abseil-Brems-Platten aus 10 mm Aluminium. Das konnte man auf dem gutsortierten Schrottplatz finden, wenn dort alte Starkstromleitschienen entsorgt wurden ... ach das waren noch Zeiten. Und wie lustig das Spiralseil gefedert hat 🙂 man musste schon bis in die Hocke abseilen, damit die Spannung weg war, andernfalls hats einen nochmal leicht angehoben.
Achja, da ich weder Informanten noch Beziehungen in DD hatte, musste ich also auf Verdacht in den großen Bergsportladen fahren und hatte doch tatsächlich das unverschämte Glück gleich beim ersten Besuch wenigstens Spiralseile vorzufinden und hab dann sogar zwei mitnehmen dürfen. Kann das sein, dass damals eins 80 Mark gekostet hat? In Karl-Marx-Stadt hätte ich im Sporthaus sicher lange vergeblich fragen müssen. Allerdings hatte ich ein Privileg unverdient, die Klettergruppe an der TH hatte einen Schuhmacher aufgetan, der uns maßangefertigte Kletterschuhe machte ... und zwar nicht aus Spalt-Rauhleder, sondern aus richtigem Glattleder. Das hatte nach außen die erkennbare Hautseite, war etwas dicker als die handelsüblichen "Tramper" und wesentlich härter und stabiler. Das niffelte nicht so schnell durch und gab auch mehr seitlichen Halt. Dir Kreppsohle war auch ein wenig dicker ... ich habe es schon oft bereut, dass ich die eigentlich gut erhaltenen Latschen vor vielen Jahren, als ich dachte sowieso nie wieder Klettern zu gehen, entsorgt habe. Ich hätte mir den Kauf der furchtbar unbequemen neumodischen Kletterschuhe bestimmt ersparen können.
Zitat von Andreas P. am 13. Januar 2025, 14:44 UhrAch da fällt mir noch ein ... auf dem Weg zum Bergladen (wie hieß denn nur die Straße? heute bestimmt anders, damals irgend ein berühmter Kommunist, Futschikplatz...?) stand an einer Ecke vorher eine Verkaufsbude und da gab es Bananen ... ohne Schlange dran ... ich dachte oho, versteckte Kamera? Nee, das war eben die Residenz, da gabs sowas.
Ach da fällt mir noch ein ... auf dem Weg zum Bergladen (wie hieß denn nur die Straße? heute bestimmt anders, damals irgend ein berühmter Kommunist, Futschikplatz...?) stand an einer Ecke vorher eine Verkaufsbude und da gab es Bananen ... ohne Schlange dran ... ich dachte oho, versteckte Kamera? Nee, das war eben die Residenz, da gabs sowas.
Zitat von Fossil am 13. Januar 2025, 14:52 UhrAndreas, die Straße heißt immer noch Grunaer Straße und daneben war der drecksche Löffl, eine Imbissgaststätte. Musste nicht unbedingt sein. Aber der Sportladen hatte wirklich immer mal wieder Bückdichware „auf“ dem Tisch.
Andreas, die Straße heißt immer noch Grunaer Straße und daneben war der drecksche Löffl, eine Imbissgaststätte. Musste nicht unbedingt sein. Aber der Sportladen hatte wirklich immer mal wieder Bückdichware „auf“ dem Tisch.
Zitat von Roland am 13. Januar 2025, 16:18 Uhr1979 hatte ich im Sportgeschäft "Tourist" in Zittau nach einem Seil gefragt, man sagte mir, da müsse ich nach Dresden fahren. Kurz danach konnte ich im Sportverein "BSG Robur Zittau", dem ich beigetreten war, ein Seil kaufen, der Verein bekam ab und zu welche auf Zuteilung, auch Karabiner usw. Das war das Gute an diesen DDR-Sportvereinen, es gab ab und zu etwas, man war automatisch beim Klettern versichert, und es gab kostenlose Ausfahrten übers Wochenende mit Übernachtungen in Bergsteigerhütten in der Sächsischen Schweiz. In einer Hütte in Kleinhennersdorf war allerdings auch mal ein kommunistischer "Bergfreund", Mitglied im Kurt-Schlosser-Chor, der hat sich beim Frühstück Honecker-Reden im Kofferradio angehört. Wir haben uns amüsiert. Mit dem Moped konnte man damals noch kurz nach der Ottomühle auf der Wiese parken. Auch unten am Füllhölzelweg in Rathen. Die tschechischen Fußballschuhe gabs zum Glück immer in einem "Obuv"-Geschäft in Rumburg, Problem war das Sammeln von tschechischen Kronen, und dann das Rüberschmuggeln der Schuhe über die Grenze. Hat aber (mit vielen verschiedenen Ideen) immer geklappt. Man war praktisch gezwungen, diese "kriminelle" Energie zu entwickeln. Ob das irgendwie heute noch im Blut liegt, z.B. beim Begehen von "verbotenen" Wegen?
1979 hatte ich im Sportgeschäft "Tourist" in Zittau nach einem Seil gefragt, man sagte mir, da müsse ich nach Dresden fahren. Kurz danach konnte ich im Sportverein "BSG Robur Zittau", dem ich beigetreten war, ein Seil kaufen, der Verein bekam ab und zu welche auf Zuteilung, auch Karabiner usw. Das war das Gute an diesen DDR-Sportvereinen, es gab ab und zu etwas, man war automatisch beim Klettern versichert, und es gab kostenlose Ausfahrten übers Wochenende mit Übernachtungen in Bergsteigerhütten in der Sächsischen Schweiz. In einer Hütte in Kleinhennersdorf war allerdings auch mal ein kommunistischer "Bergfreund", Mitglied im Kurt-Schlosser-Chor, der hat sich beim Frühstück Honecker-Reden im Kofferradio angehört. Wir haben uns amüsiert. Mit dem Moped konnte man damals noch kurz nach der Ottomühle auf der Wiese parken. Auch unten am Füllhölzelweg in Rathen. Die tschechischen Fußballschuhe gabs zum Glück immer in einem "Obuv"-Geschäft in Rumburg, Problem war das Sammeln von tschechischen Kronen, und dann das Rüberschmuggeln der Schuhe über die Grenze. Hat aber (mit vielen verschiedenen Ideen) immer geklappt. Man war praktisch gezwungen, diese "kriminelle" Energie zu entwickeln. Ob das irgendwie heute noch im Blut liegt, z.B. beim Begehen von "verbotenen" Wegen?
Zitat von Roland am 26. Juli 2025, 14:24 UhrHeute vor 3 Jahren, 26.07.2022, Waldbrand gefilmt:
Heute vor 3 Jahren, 26.07.2022, Waldbrand gefilmt:
Hochgeladene Dateien:Zitat von Roland am 15. Oktober 2025, 16:59 UhrHeute vor 7 Jahren, am 15.10.2018: Komplette Kahnfahrt Edmundsklamm und Wilde Klamm, alle Wege frei und begehbar, die Bäume noch lebend und grün oder herbstlich gelb, Kosten der 2 Kahnfahrten für die 4-köpfige Familie (mit Familienkarten) komplett ca. 26 Euro. Bei 13:50 einige Worte des Kahnführers für die Möglichkeiten des Weiterweges ...
Heute vor 7 Jahren, am 15.10.2018: Komplette Kahnfahrt Edmundsklamm und Wilde Klamm, alle Wege frei und begehbar, die Bäume noch lebend und grün oder herbstlich gelb, Kosten der 2 Kahnfahrten für die 4-köpfige Familie (mit Familienkarten) komplett ca. 26 Euro. Bei 13:50 einige Worte des Kahnführers für die Möglichkeiten des Weiterweges ...
Zitat von Roland am 4. November 2025, 13:29 UhrZum aktuellen Thema Boofen: In der Erschließerzeit der Klettergipfel (ca. 1880 bis 1920) hat man vermutlich kaum gebooft. Laut Bergsteigerchronik von J. Schindler sind damals die Kletterer meistens Sonntags früh um 5 mit dem Zug von Dresden nach Rathen, Bad Schandau oder Schmilka gefahren. Von Übernachtungen im Freien wird nichts berichtet. Und für Wanderer gabs damals mindestens aller halben Tagesreisen eine Übernachtungsmöglichkeit (Kuhstall, Gr. Winterberg, Prebischtor, Dittersbach). Auch in der Zeit bis 1945 wird Freiübernachten kaum oder gar nicht erwähnt. Das Boofen scheint erst zu DDR-Zeiten richtig aufgekommen zu sein, für Kletterer praktisch (Samstag bis Mittags arbeiten, dann noch ins Gebirge mit boofen, ab 1967 zusätzlich arbeitsfreier Samstag, dadurch schon freitagabends Anreise möglich), für andere als Flucht und Protest vor dem Alltag. Ab der Zeit wird dann boofen auch viel erwähnt, aber nur als Mund-zu-Mund-Propaganda. Wir waren selber zwischen 1980 und 1990 viel boofen, natürlich immer mit Feuer. Schon in den 1950er Jahren gabs die ersten ausgebauten Boofen (J. Schindler, H. Paul), meistens sogar mit Genehmigung vom Forst (Fernblickboofe). Der Förster kam manchmal auf seinem Rundgang abends an der Boofe mit vorbei, hat sich überzeugt, daß die Feuerstelle ordentlich war, hat noch einen Schnaps mit getrunken und noch eine gute Nacht gewünscht. Heute wird boofen offensichtlich von Kletterern aufgrund der vielen Verbote (u.a. Feuerverbot) nur noch von wenigen genutzt, dagegen hauptsächlich von Leuten, die keine Ahnung haben und nur durch soziale Netzwerke aufgestachelt ihr "Abenteuer" suchen.
2005 beging Robert Leistner den damals schwierigsten Kletterweg in der Sächsischen Schweiz in den Affensteinen am Nonnengärtner, "Vertreibung der letzten Idealisten", Schwierigkeit 10c (RP 12a). Hinterher wurde er von einem Reporter gefragt "Wie kamen Sie auf den ungewöhnlichen Namen für die Tour?" Seine Antwort:
"Für mich ist Feuer in der Boofe ein Ideal, wie man lebt - in der Natur, in Höhlen, kletternd. Früher sind wir nach der Arbeit am Freitag raus ins Elbsandstein in unser Wohnzimmer, unsere Zweitwohnung, eigentlich in die Hauptwohnung, in die Boofe. Feuer gehörte dazu. Das wurde Anfang der 2000er-Jahre im Nationalpark verboten, was wir uns nicht verbieten lassen wollten. 2005 kam mal nachts ein Ranger zum Boofe-Feuer, es war eine nette Begegnung, und doch meldete er unsere Namen, wir mussten eine hohe Strafe zahlen. Aber es fühlte sich nicht an wie eine Regelmissachtung, sondern eher als ob jemand in unser Haus gekommen wäre und erklärte, was wir in unserem Wohnzimmer zu machen hätten. Unsere Idealvorstellung vom Leben war wie zerstört. Wir fühlten uns wie Vertriebene."
Dem ist nichts hinzuzufügen.1. Foto Walter Hahn, 1917, Kleiner Zschand, Überhang in den Bärfangwände (Marienhöhle), Wanderer beim Kochen (kein boofen, vermutlich nur mittags gekocht)
2. Foto Rudolf Häntzschel (Erbauer der Häntzschelstiege), ca. 1960, Enzian-Boofe, Goldsteighorn
3. Foto Rudolf Häntzschel, ca. 1960, Bärenhörner, Siebenschläferboofe
Zum aktuellen Thema Boofen: In der Erschließerzeit der Klettergipfel (ca. 1880 bis 1920) hat man vermutlich kaum gebooft. Laut Bergsteigerchronik von J. Schindler sind damals die Kletterer meistens Sonntags früh um 5 mit dem Zug von Dresden nach Rathen, Bad Schandau oder Schmilka gefahren. Von Übernachtungen im Freien wird nichts berichtet. Und für Wanderer gabs damals mindestens aller halben Tagesreisen eine Übernachtungsmöglichkeit (Kuhstall, Gr. Winterberg, Prebischtor, Dittersbach). Auch in der Zeit bis 1945 wird Freiübernachten kaum oder gar nicht erwähnt. Das Boofen scheint erst zu DDR-Zeiten richtig aufgekommen zu sein, für Kletterer praktisch (Samstag bis Mittags arbeiten, dann noch ins Gebirge mit boofen, ab 1967 zusätzlich arbeitsfreier Samstag, dadurch schon freitagabends Anreise möglich), für andere als Flucht und Protest vor dem Alltag. Ab der Zeit wird dann boofen auch viel erwähnt, aber nur als Mund-zu-Mund-Propaganda. Wir waren selber zwischen 1980 und 1990 viel boofen, natürlich immer mit Feuer. Schon in den 1950er Jahren gabs die ersten ausgebauten Boofen (J. Schindler, H. Paul), meistens sogar mit Genehmigung vom Forst (Fernblickboofe). Der Förster kam manchmal auf seinem Rundgang abends an der Boofe mit vorbei, hat sich überzeugt, daß die Feuerstelle ordentlich war, hat noch einen Schnaps mit getrunken und noch eine gute Nacht gewünscht. Heute wird boofen offensichtlich von Kletterern aufgrund der vielen Verbote (u.a. Feuerverbot) nur noch von wenigen genutzt, dagegen hauptsächlich von Leuten, die keine Ahnung haben und nur durch soziale Netzwerke aufgestachelt ihr "Abenteuer" suchen.
2005 beging Robert Leistner den damals schwierigsten Kletterweg in der Sächsischen Schweiz in den Affensteinen am Nonnengärtner, "Vertreibung der letzten Idealisten", Schwierigkeit 10c (RP 12a). Hinterher wurde er von einem Reporter gefragt "Wie kamen Sie auf den ungewöhnlichen Namen für die Tour?" Seine Antwort:
"Für mich ist Feuer in der Boofe ein Ideal, wie man lebt - in der Natur, in Höhlen, kletternd. Früher sind wir nach der Arbeit am Freitag raus ins Elbsandstein in unser Wohnzimmer, unsere Zweitwohnung, eigentlich in die Hauptwohnung, in die Boofe. Feuer gehörte dazu. Das wurde Anfang der 2000er-Jahre im Nationalpark verboten, was wir uns nicht verbieten lassen wollten. 2005 kam mal nachts ein Ranger zum Boofe-Feuer, es war eine nette Begegnung, und doch meldete er unsere Namen, wir mussten eine hohe Strafe zahlen. Aber es fühlte sich nicht an wie eine Regelmissachtung, sondern eher als ob jemand in unser Haus gekommen wäre und erklärte, was wir in unserem Wohnzimmer zu machen hätten. Unsere Idealvorstellung vom Leben war wie zerstört. Wir fühlten uns wie Vertriebene."
Dem ist nichts hinzuzufügen.
1. Foto Walter Hahn, 1917, Kleiner Zschand, Überhang in den Bärfangwände (Marienhöhle), Wanderer beim Kochen (kein boofen, vermutlich nur mittags gekocht)
2. Foto Rudolf Häntzschel (Erbauer der Häntzschelstiege), ca. 1960, Enzian-Boofe, Goldsteighorn
3. Foto Rudolf Häntzschel, ca. 1960, Bärenhörner, Siebenschläferboofe
Zitat von Zwinki am 4. November 2025, 18:37 UhrIn der Siebenschläferboofe haben wir Ende der 80er noch das dicke Boofenbuch durchgelesen (ja, und obwohl wir sowas wie Ranger waren - die Boofenausbauten waren kein Problem).
Die erste geschliffene Boofe könnte die Fernblickboofe gewesen sein, dort war ich zum ersten Mal bei Biwak dabei (noch unter Mempel). Während es offiziell hieß, man hätte nichts zersägt, filmte das Team die zersägten Stangen unterhalb der Boofe. Intern wollte Stein bis zum Ende des Jahres (1994) boofen verboten haben. Daraus war nichts geworden 🙂 So lange geht der Kampf schon. Es war viel Medienrummel nötig, damit es erhalten blieb ...
In der Siebenschläferboofe haben wir Ende der 80er noch das dicke Boofenbuch durchgelesen (ja, und obwohl wir sowas wie Ranger waren - die Boofenausbauten waren kein Problem).
Die erste geschliffene Boofe könnte die Fernblickboofe gewesen sein, dort war ich zum ersten Mal bei Biwak dabei (noch unter Mempel). Während es offiziell hieß, man hätte nichts zersägt, filmte das Team die zersägten Stangen unterhalb der Boofe. Intern wollte Stein bis zum Ende des Jahres (1994) boofen verboten haben. Daraus war nichts geworden 🙂 So lange geht der Kampf schon. Es war viel Medienrummel nötig, damit es erhalten blieb ...



