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Nasse Tilke

Nasse Tilke:

Früher ein Wanderweg, jetzt unmarkiert und dem Verfall preisgegeben,
kürzeste Verbindung aus dem Zahnsgrund (über Schießgrund) zum Großen Schrammtor

Begangen am 04.12.2023 vom Obrigensteig abwärts bis zum Schießgrund,
zur Zeit nur für Hartgesottene zu empfehlen

Der oberste Teil des Pfades, der ursprünglich bis direkt an die Wegekreuzung Elbleitenweg/Obrigensteig/Vordere Promenade führte, ist durch gefällte oder umgefallene Bäume völlig verhauen. Aber auf historischen Karten (z.B. Schrammsteingebiet Meinhold 1928 oder Schrammsteingebiet 1:10000 Landesaufnahme Sachsen 1922) ist ein seitlicher Zugang eingezeichnet aus Richtung Obrigensteig, der zwischen den Bäumen auch noch sichtbar ist und den ich beschritt (Beginn wenige Schritte westlich der beiden Holzgeländer am Obrigensteig). So erreichte ich nach etwa 100Meter mehr oder weniger Querfeldeingehen die ursprüngliche Weglinie, die im Gelände deutlich sichtbar ist. Ab und zu liegen einige Bäume oder Äste quer, aber man kommt gut durch. Weiter unten, wo sich das Tal langsam tiefer einsenkt, kommt ein absolut kritischer Bereich. Eine gewaltige Fichte war hier umgestürzt und versperrte mit ihren Ästen den Weg scheinbar nachhaltig. Ich dachte erst, hier geht nichts mehr. Denn das Umgehen war durch dichten Fichtenbewuchs scheinbar unmöglich. Aber die dicke Schneeauflage verfälschte den Eindruck. Nachdem ich mich gesammelt hatte, arbeitete ich mich langsam vor. Kapuze auf, Schnee von Zweigen abschütteln und sehen, was geht. Und es ging. Nach dem Absägen weniger Äste und dem Formschnitt an einigen Jungfichten konnte ich diese Stelle tatsächlich passieren. Mühselig zwar, aber es ging. Weitere Blicke nach oben vermied ich allerdings. Denn ich hatte schon gesehen, dass in diesem Abschnitt weitere abgestorbene Fichten-Methusalems auf das Signal zum Umfallen warten. Zum Glück lag das Tal etwas windgeschützt, denn der Böhmische Wind war heute mit Macht unterwegs. Die Baumkronen verhielten sich relativ ruhig, ansonsten wäre ich umgekehrt. Das Restrisiko versuchte ich auszublenden. Ganz verdrängen kann man es natürlich nicht. Ich hatte schon ein ganz seltsames Gefühl bei meiner „Arbeit“. Man muss schon etwas besessen sein, so etwas zu machen ...

Weiter unten stehen nicht mehr so viele große Fichten. Hier sind dafür die Nachkommen hinderlich. Die kann man aber ganz gut bearbeiten.

Ab der Engstelle abwärts ging es deutlich besser voran. Unmittelbar nach der kleinen Steilstufe (Felsabsatz von etwa 1,20m Höhe) liegen in der Talsohle mehrere Bäume längs. Dort hat sich ein Umgehungspfad am Hang gebildet (Situation wie 2020).

Noch weiter unten wird der Talboden flacher und sumpfiger. Hier sieht und spürt man, warum das Tal Nasse Tilke heißt. Kurz vor dem Ausstieg am Schießgrund sind immer noch ein paar Hölzer erhalten, die früher wahrscheinlich mal einen Knüppeldamm bildeten.

Eine neue Bedrohung am unteren Ende stellen die Brombeerranken dar, weil der Schießgrund freigeschnitten wurde und deshalb viel Licht dort einfällt. Deshalb bei geplanter Begehung neben Sägen auch Gartenschere und derbe Handschuhe mitnehmen.

Der Einstieg vom Schießgrund aus ist deutlich erkennbar und befindet sich in Blickrichtung Nasse Tilke links an der Felswand.

Viele weitere Fotos sind hier zu finden.

Es ist ausdrücklich keine Wanderempfehlung, denn die Gefahr durch umfallende Bäume oberhalb der Engstelle ist zur Zeit gegeben. Ich möchte deshalb auch nicht direkt zur Nachahmung aufrufen. Es wäre trotzdem gut, wenn die wilde Passage durch dieses Tal von Gebietskennern und „Geübten“ weiter begangen und bearbeitet wird. Das Tal ist noch nicht verloren. Aber bitte die Windverhältnisse beachten, wenn man sich im oberen Teil „unter den Toten“ fortbewegt.

Hochgeladene Dateien:
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  • 2-Starker-Verbruch-aber-passierbar.jpg
  • 3-Unterer-Teil-sumpfig-aber-weitgehend-ohne-Hindernisse.jpg

Eine schöne Beschreibung und wenn Du auch keine Wanderempfehlung gibst, könnte man sich das mal gemeinsam ansehen🤭.

Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung. Zu DDR-Zeiten sind wir dort mehrfach ganz normal mit dem Kletterrucksack hoch, war der kürzeste Weg in die Schrammsteine. Traurig, was draus geworden ist. Zumal dort nicht mal Kernzone ist.

Die Nasse Tilke stand ganz am Anfang der Bergsportverhandlungen, die über 10 Jahre gingen. Gerade über die diskutierten wir viel und wollten sie unbedingt haben, aber da war die NPV hartleibig. Wir sind sie dann mal bei einer Exkursion im Sommer gegangen, und da war sie schon mehr als nass. Im Prinzip ging es darum, dass in diesem Gelände jegliche Holzstufen verfaulen (und Stahl oder Plaste .... igittigitt). Und man wollte natürlich ""Ruhigstellung", was insbesondere beim leider verlorenen Gipfel Hundsnase durchgedrückt wurde. Danach wurde endlich anerkannt, dass Ruhigstellung allein kein Argument für Sperrungen ist. Es braucht schon einen konkreten Grund. Daran hatte unser Ehrenvorsitzender Ulrich Voigt gewichtigen Anteil. Das Wegekonzept, wie wir es heute kennen, gab es damals noch nicht.

Ja, als Zuweg wäre die Tilke schön, bin sie auch sehr oft gelaufen in der Anfangszeit, aber momentan hat die Natur was gegen uns 🙂

den Bildern nach bietet sich eine Begehung bei ruhigem Wetter mit Bodenfrost an ...

so wie auch beim Himbeergründel.

@Mstreicher hast Du im Schnee Wildspuren im Weg gesehen ?

@Falco p. :  zwei Tage mit -5 Grad Celsius wären nicht schlecht. Dann mußt Du unten nicht über die Äste und Knüppel im Sumpf waten/balancieren .  😉

Zitat von Falco peregrinus am 11. Dezember 2023, 10:19 Uhr

den Bildern nach bietet sich eine Begehung bei ruhigem Wetter mit Bodenfrost an ...

Das stimmt.  Ich war am 23. März 2020 dort (off-topic: allererster Tag der Corona-Ausgangssperren, deshalb heißt die Tour in meinen Aufzeichnungen "Verbotene Tour" 🙂 ), da waren früh -7° und der Boden an der Oberfläche leicht angefroren, aber es lag kein Schnee. Da Schnee gut isoliert, wäre eine Begehung nach ein Paar Tagen Kahlfrost am sinnvollsten. Das deckt sich auch mit der Aussage von spreewolf.

@Mstreicher hast Du im Schnee Wildspuren im Weg gesehen ?

Im Gegensatz zum Reitsteig habe ich bei meiner Begehung am 4. Dezember in der Nassen Tilke keine oder kaum Wildspuren gesehen. Daraus könnte man schließen:  Da Wildtiere ihre Pfade wahrscheinlich relativ regelmäßig begehen und der Schnee schon einige Tage alt war, stammt die teilweise deutlich sichtbare pfadähnliche Struktur wahrscheinlich hauptsächlich von Menschen. Zweibeinerspuren fand ich im Schnee zwar auch nicht (außer meine eigenen 😀 ), aber in dem Schlammloch, welches in einem der Bilder zu sehen ist, sieht man relativ in der Mitte einen Schuhabduck. Der stammte aber nicht von mir, denn ich bin weiter links 'runter gestiegen.
Für menschliche Begehungen spricht auch die Schnittstelle an der liegenden Birke im obersten Bereich des Tales (auch in den Bildern in der Wolke enthalten).

... keine oder kaum Wildspuren ... das hatte ich mir fast gedacht.

Der Weg geht von einem relativ "viel" begangenen Touri Weg los und endet in der Tourihölle Schrammsteintor.

Das da fast nix läuft ist daher glaubhaft und macht die "Beruhigung" des Tales sinnlos.

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