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Evaluierungsbericht 2026 Nationalpark

Zum neuen Evaluierungsbericht: Veröffentlichung 13.02.2026. Was auf den ersten Blick auffällt:
- Komiteemitglieder vor Ort von Ministerien aus Nordrhein-Westfalen, Hessen, Universitäten Berlin, Marburg usw., etliche Ministerien Umwelt und Naturschutz, BUND, Nabu, Ulf Zimmermann u.a.
- Das Foto auf Seite 7 ist von einer verbotenen Stelle aus aufgenommen (Kernzone neben der Ziegenrückenstraße).
- Tourismus: Räumliches Ausmaß der Belastung: überall (> 50 %) [aber im Gr. Zschand sind kaum noch Leute anzutreffen]
- 3,4 Millionen Euro/Jahr Beamtenbezüge [kann man mal umrechnen auf die 95 Mitarbeiter]
- Eine Novellierung der NP-Verordnung hat sehr hohe Priorität.
- Beobachtung der weiteren Entwicklung uneinsichtigen oder gar aggressiven Verhaltens von NLP-Besuchern gegenüber Rangern.
- Bei einer Anpassung der NLP-Verordnung Festschreibung der Naturzone A auf 75 % entsprechend dem aktuellen Ruhebereich.
- Ergreifen von Maßnahmen zur Akzeptanzsteigerung des NLP. Die Akzeptanz des NLP wird bei den Anwohnenden aktuell als mittel eingeschätzt. Sie ist seit der Evaluierung 2012 bis zum Stichtag 15.06.2023 gesunken. Wesentliche Gründe für diese Entwicklung sind die Borkenkäferentwicklung, die zeitweise Sperrung von (unpassierbaren) Wanderwegen sowie der große Waldbrand im Jahr 2022. Im NLP und in der NLP-Region treffen Massentourismus (Bastei) und die zu verfolgenden Schutzziele des NLP hart aufeinander. So steht derzeit auf kommunaler Seite z. B. der Wunsch nach sieben zusätzlich wiederzubelebenden, auszubauenden und zu bewerbenden Wanderwegen (grenzüberschreitend) im NLP (Kernzone) im Raum.
- Es ist allgemein eine zunehmende Ignorierung der Belange des NLP zu verzeichnen(!)

Ich sehe den aktuellen Bericht im Vergleich zu 2012 vorsichtiger formuliert, aber ganz klar, im Gegensatz zum SMEKUL aus der Residenzstadt oder dem erfolgreichen Herrn Zimmermann „von“ der Müritz muss der NP eher mit betroffenen Anwohnern auskommen, schließlich ist er nicht irgendwo weit oben auf dem Kamm, wie der Bayerische.
„Maßnahmen“ zur Akzeptanz sind durchaus angesagter, als sich mit Gemeinden und den Bergsportverbänden vor Gerichten zu balgen. Die „Novellierung“ der NLPVO ist leider auch schon mal durch. (-gefallen) Und Wegedichten nicht zu erhöhen, klingt schon gut, komplett querliegende Baumleichen auf Unmarkierten lehren anderes.
Die Gutachter haben sich also nicht grundlos mehr Zeit als Waldbrandgutachter gelassen.

Es gibt da noch ein anderes Thema, das ich beim Lesen der Evaluierung ständig im Hinterkopf habe. Wald+Klimawandel sind ja schon längere Zeit ein wichtiges "Hobby" von mir, und in der taz von vorgestern war ein vom "Üblichen" etwas abweichender Artikel (hier), der sich auch damit beschäftigte, aber wieder mal im Klartext schrieb:

Eigentlich würde die Natur das von allein schaffen. Aber dafür reicht die Zeit nicht: Dass sich wärmekompatiblere Baumarten auf natürlichem Wege ausbreiten, würde angesichts des schnell fortschreitenden Klimawandels zu lange dauern.

Dazu habe ich ich den News schon vor zwei Jahren geschrieben (hier, unter pnV, Klimawandel und Waldumbau) - alte Sache, zu selten erwähnt. Die Klimazonen wandern mindestens eine Größenordnung schneller nach Norden, als das Bäume auf natürlichem Wege können (dauerte nach der Eiszeit oft ein paar Tausend Jahre). Das Besondere an dem Artikel ist, dass er aus Kiel kommt. Meistens stammen derartige Forschungen aus Bayern, Baden-Württemberg und südlicher. Korkeichen im Gewächshaus 🙂

Man weiß also, was da kommt, und forscht viel dazu. Erst diesen Freitag erschien in waldwissen.net wieder ein Artikel dazu, lesbar und interessant. Es ist ein ganz schwieriges Problem, und man handelt (zumindest, indem man eifrig experimentiert).

Außer im Nationalpark. Jedem Laien sollte klar sein, dass das "Natur Natur sein lassen" ins Anti-Nirvana führt. Das kann nicht gut gehen, wenn nicht einmal Samen von Hand eingetragen werden dürfen. Aber das "die Natur macht alles besser als wir" ist  ein heiliges Gebot, bis in höchste Ebenen (nein, das kommt keineswegs von nur der NPV, die ist eher ausführendes Organ, obwohl natürlich viele dort eisern daran glauben). Wenn wir es noch erleben würden, könnten wir Wetten abschließen, was aus dem Wald wird. Ich plädiere für teilweise Jungfichtendschungel (sog. Bürstenwuchs mit möglicherweise Megafeuer), Birkenwald (der in einer "+3°-Welt" keine Perspektive hat - vielleicht schon 2100), Adlerfarn, Niederwald ... alles ist möglich. Ich sage immer FFH = Fichte-Farn-Heidelbeere.

Jedenfalls kein "stabiler Mischwald", über den sowieso viele Forstleute rätsteln wie verrückt: Wie erhalten wir den Hochwald bis Ende des Jahrhunderts?

Und nun sucht mal nach solchen Sachen in der Evaluierung ...

Mir ist eher der Wildnisgedanke aufgefallen . Ich vermute mal, es geht hier nur um nackte Erfüllungszahlen . Damit kann dann politisch geprahlt werden . "Seht her , wir haben internationale Verpflichtungen nach Prozenten erfüllt . " Außerdem gibt so ein "Nationalpark" sichere Posten und Pöstchen außerhalb der realen Wirtschaftswelt . Dazu kommt noch das tolle Gefühl von , bald mehr , hoheitlicher Machtausübung . Vielleicht gibt es bald auch Ranger mit Handschellen und P....... ? Der "Nationalpark" ein Staat im Staate ?

Zitat von spreewolf am 16. Februar 2026, 10:59 Uhr

Mir ist eher der Wildnisgedanke aufgefallen . Ich vermute mal, es geht hier nur um nackte Erfüllungszahlen.

Da liegst Du nicht falsch. Wobei "Wildnis" und "Prozessschutz" hier dasselbe sind (zumindest für Nichtfachleute :-)). Die 75% Prozessschutzzone sind ein politisches Ziel, eine Art vorauseilender Gehorsam. 51% würden auch reichen, zeigen andere Beispiele. Da sind Leute u.a. vom SBB dran. Aber es ist ein dickes Brett.

Mein "nihilistischer Optimismus" rührt daher, dass die Naturgesetze unabhängig davon wirken, was Wunschgedanken anstreben ...

Ich denke man kann auch in der Kernzone gezielt Bäume sähen. Der Nationalpark macht das ja bereits - siehe: https://nationalpark-saechsische-schweiz.de/aktuelles/plan-f%C3%BCr-den-waldumbau-geht-auf-eichelh%C3%A4her-besuchen-h%C3%A4hertische-und-bedienen-sich-an-eicheln
Wir müssen nur noch genügend Eichelhäher abrichten. Eichen, Buchen, Haselnüsse und ähnliches würde ja schon so gehen. Man kann es Einfallsreichtum nennen oder böse gedacht "scheinheilig", was die NLP da macht (bin für ersteres).

Natur Natur machen lassen

Da hast Du eine Kleinigkeit übersehen im Text:

mehrere Hähertische an verschiedenen Standorten im Pflegebereich des Nationalparks

Ich gebe zu, ich hatte damals sofort danach gesucht, weil ich wusste, dass sie in der Kernzone nur "echte Naturverjüngung" wollen. Und ich fragte deswegen auch einen Förster, wie weit denn Eichelhäher so fliegen mit Samen im Schnabelsack. Genau weiß das vielleicht keiner, aber es bleibt unter 1km ... Wenn man bedenkt, dass es hier nicht um die Kernzone geht, sondern um die viel größere Prozessschutzzone (75%), und dass eine Buche oder Eiche erst nach Jahrzehnten fruktifiziert und bis dahin das Klima schon wieder deutlich wärmer ist ...

Zitat von Zwinki am 16. Februar 2026, 12:35 Uhr

Mein "nihilistischer Optimismus" rührt daher, dass die Naturgesetze unabhängig davon wirken, was Wunschgedanken anstreben ...

Genau das ist der Fall. Schon vor 65 Jahren wollte man, daß wieder ein "Naturwald" und ein "Urwald" entsteht, z.B. entlang der Kirnitzsch, siehe Foto (DDR-Tourist-Wanderheft). Wie sieht es jetzt dort aus? Alles voller toter und umgestürzter Bäume. Kein Naturwald, auch kein Urwald (Foto 2, oberhalb vom Jansloch). Die Natur reagiert auf den menschengemachten Klimawandel. Das dauert also vermutlich mehrere hundert Jahre bis zum gewünschten "Wunschwald". Aber bis dahin wird es keine Menschen mehr geben, weil sie sich selbst zugrunde richten werden (Stephen Hawking). Dann erst ist die Natur sich selbst überlassen und kann machen, wie sie will, ohne äußere Einflüsse. Die NPV sollte also jetzt schon mit gutem Beispiel vorangehen, und sich auflösen.

Hochgeladene Dateien:
  • DDR-Tourist-Wanderheft.jpg
  • Oberhalb-Jansloch.jpg