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Bergwachteinsätze

Bericht SZ 28.07.26: Die Bergwacht muß immer öfter Wanderer retten. Die meisten Unfälle passieren beim Wandern (Verletzungen durch Stolpern, stürzen usw., manchmal Herz-Kreislauf-Probleme). 2025 gesamt 147 Einsätze, davon 99 Wanderunfälle. Immer häufiger muß der Rettungshubschrauber angefordert werden (2019 30x, 2025 44x). Ursachen: Viele unterschätzen das Gebirge und das Gelände, oder überschätzen sich selbst, falsches Schuhwerk, Orientierung mit falschen Hilfsmitteln. Touren werden zu sorglos angegangen (unpassende Kleidung, nicht genug zu trinken mit, Wetterlage wird nicht beachtet, Karten werden in 2D betrachtet, 3D Vorstellungskraft fürs Gebirge fehlt, Höhenlinien usw.) Mit Sorge beobachten die Einsatzkräfte den zunehmenden Einsatz von Wander-Apps. Die können zwar eine sinnvolle Unterstützung sein, unkundige Wanderer aber auch in schwieriges Gelände führen. Die Bergwacht rät zu sorgfältiger Routenplanung und sich nicht allein auf Apps zu verlassen. Auch im Harz gibt es immer mehr Bergwachteinsätze. Auch um verunfallte Radfahrer oder Skifahrer im Winter kümmert sich die Bergwacht. Zur Bergwacht in Sachsen gehören z.Zt. 386 Einsatzkräfte, alle sind ehrenamtlich tätig.

Beispiele Bergwachteinsätze Wochenende 26.07.26 (SZ 29.07.): Absturz eines 15-jährigen bei der Suche nach einem Geocache am Rauenstein in eine Felsspalte. Aufwändiger Abtransport seilgesichert über mehrere hundert Meter (vermutlich Kammweg) bis zum Rettungswagen. Einsatzdauer 2,5 Stunden.
Affensteine: 3 junge Leute (2x w 18, 1x m 19) wollten ab Beuthenfall 18:30 hoch auf die Affensteine zum Sonnenuntergang. 20:30 Eingang Notruf von der oberen Hälfte der Häntzschelstiege, die 3 trauten sich weder vor noch zurück, Höhenangst, nach dem Ende der Steilleiter saßen sie fest. Rettung durch Bergwacht 21:30 bis fast Mitternacht nach unten zur oberen Affensteinpromenade und weiter über die Wilde Hölle bis ganz nach unten, und mit den Einsatzfahrzeugen zum Beuthenfall. Nach Angaben der Bergwacht waren die 3 ohne Sicherung, Helm und Licht unterwegs und teilweise nur leicht bekleidet! (Hoffentlich müssen die den Einsatz bezahlen, war ja kein medizinischer Notfall). Da entstehen Fragen: Wie war die Planung, wenn sie es bis ganz hoch geschafft hätten, wo war der Abstieg dann im Finstern geplant? Und sollte man nicht wissen, daß es im Gebirge abends kühl wird und man eine Jacke mitnehmen muß?

Sportliche Herausforderung gepaart mit Naturerlebnis leider Fehlanzeige, eher das schnelle Event und die Selbstdarstellung auf Tixtox& Co. Und von den ehrenamtlichen Helfern abgesehen, scheinen die Rettungs-dienste zumindest ihre Ausrüstungskosten über solche Einsätze zu refinanzieren, Ich höre in den Bergwachtdokus keinerlei Kritik an leichtfertigen Verursachern. Dafür warten andere Verunglückte vllt. auf  dringende Hilfe. An Hotspots werden solche Selbstdarsteller auch noch sichtbar von den NP’s geduldet.

Nachtrag, auf MDR/ Online gerade ein Bsp. aus Österreich, dort hatte sich eine Familie schlicht übernommen, Tour zu lang, dann wurde es kalt, also Notruf. Da drohen jetzt für die Bergung 612€/h zzgl. Heli 100€/Min.

Es gab schon Kritik seitens der Bergwacht.  Z.B. bei dem Mann, der die Bergwacht gerufen hatte, weil er Wasser aus dem Bach getrunken hatte und kotzen mußte (vermeidbar), und dann nur zum Bahnhof Königstein gefahren werden wollte. Zitat: "Die Bergwacht hilft dem Mann, äußert sich aber kritisch zu solchen Einsätzen. Die Bergwacht betont, dass ihre Ressourcen für akute Notfälle vorgesehen sind". Auch der ständige Hinweis, Touren sorgfältig zu planen (nicht nur mit Apps) ist Kritik.

Rechtsgrundlage: Die Bergwacht ist Bestandteil des Rettungsdienstes. Wenn kein medizinischer Notfall (bezahlt Krankenkasse) vorliegt, ist es keine Rettung, sondern eine Bergung. Zitat: "Wenn Sie unverletzt sind, sich lediglich verirrt haben oder grob fahrlässig in unwegsames Gelände geraten sind, bei dem keine medizinische Notfallrettung vorliegt, kann der Träger (der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) die Kosten für den reinen Aufwand oder Sondereinsatz privat in Rechnung stellen. Dafür gibt es eine Gebührensatzung vom Landkreis." "Für die Durchführung der Notfallrettung, des Krankentransportes und der Bergrettung werden Gebühren nach Maßgabe dieser Satzung erhoben." Z.B.
1. Einsatz Krankentransportwagen (KTW)
a) Pauschalgebühr 435,00 €
b) zzgl. pro gefahrenen Besetztkilometer ab 151. km 5,00 €
2. Einsatz Rettungstransportwagen (RTW) Pauschalgebühr 1495,80 €
3. Einsatz Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) Pauschalgebühr 579,80 €
u.a.

Mit der Pauschalgebühr wird u.a. die Ausrüstung der Bergwacht finanziert, Fahrzeuge, Benzin, Seile usw.
Die Bergretter selber arbeiten ehrenamtlich, aber es gibt die Ehrenamtspauschale von 960 Euro pro Person und Jahr.

Beispiel vermeidbare Einsätze: Die Bergwacht mußte schon mindestens 3x ausrücken, um unangeleinte Hunde, die von der Basteibrücke gefallen waren, zu retten. Das wird wohl nicht umsonst sein.

@roland : vielen Dank für Deinen Guten Beitrag . ( P.S.: Tote Menschen und kaputte Technik werden geborgen . Verletzte Menschen werden immer gerettet ! 😉   )

Habe mal bei der Bergwacht nachgefragt. Also:

Medizinisches Problem: Krankenkasse bezahlt Bergungs/Transport/Rettungskosten, sofern die eingesetzten Mittel angemessen sind.
In Extremfällen wird dann diskutiert und die Kasse zählt nicht alles.
Das ist aber eher der Punkt Höhlenrettung/Riesending. In der Sächsischen Schweiz habe ich noch nie davon gehört, dass eine Kasse mal Kosten verweigert hat.

Aber: Für "Kamera, Hund, Handy" etc. stellt der DRK Sebnitz seit Mai 25 eine Rechnung. Sind so 1-2 k€. Muss schon ein Rassehund sein (OK, Leben gegen Geld?). Das sollte man verbreiten, könnte Vernunft erzeugen. Das Geld muss aber nicht bei der Bergwacht ankommen, der DRK hat auch Hunger.

960€: Das ist die Steuerpauschale, die wird nicht etwa gezahlt! Aufwandsentschädigung pro Tag und Nase etwa 22€. So klingt das für mich viel glaubhafter, war ja bis Anfang der 90er auch dabei.

Aufwandsentschädigung pro Tag und Nase etwa 22€. So klingt das für mich viel glaubhafter, war ja bis Anfang der 90er auch dabei.

Also mir hat ein Rathener Bergwachtlter letztes Jahr gesagt, dass beim DRK 24€ pro Wochenende für 2 Personen eingerechnet sind. Die beiden erhalten also eine Aufwandentschädigung von 12€ pro Tag. Die restlichen 6 Leute werden dann nur über Spenden finanziert, deswegen "hofft man auf ein nicht ganz ereignisloses Wochenende, sondern eher auf einen kleinen Einsatz, damit das Wochenende nicht gänzlich umsonst ist". So die Aussage des Herrn von der Bergwacht, der auch in der MDR-Dokuserie "Bergwacht - Einsatz in der Sächsischen Schweiz" zu Wort ( nicht jedoch mit jenen Worten, die er mir erzählte ) kam.

Die Bergwacht hatte dieses Jahr bis jetzt über 100 Einsätze (2025 wurde diese Marke erst Ende September erreicht). Einsatz Do. 06.08. in Rathen: Eine vierköpfige Familie aus Schleswig-Holstein wollte von Rathen zur Bastei wandern (Basteiweg war noch gesperrt), Anwohner schickten sie durch den Hirschgrund (!), dort verlaufen und auf dem Kletterzustieg zum Wartturm gelandet und Bergwacht gerufen. Die geleitete die Familie zur Bastei (SZ). Über den Rückweg ist nichts bekannt.

Steigerungen sind immer möglich, zum Glück auch finanziell: Hier könnt Ihr eine schöne Geschichte lesen, wie drei befreundete Familien - 36 Personen mit Kinderwagen und Kleinkindern - angeblich mit der Wildspitzbahn (stimmt nicht, siehe unten) sich auf 2300m kutschieren ließen und dann "wandern" wollten. Gerieten, was dort nicht selten ist, in "unwegsamens und risikoreiches Gelände", kamen vom Weg ab und wählten letztendlich den Notruf. Garantiertes Erlebnis: Mit zwei Helikoptern wurden 14 Leute geborgen, 4 davon mit Seil (wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen), 22 zu Fuß ins Tal. Ausrüstung gleich null, Ahnung unter Garantie auch null. Krönung im letzten Satz: Die offenbar nicht bergerfahrenen Wanderer würden eine Rechnung zur Bezahlung des Einsatzes erhalten, sagte der Polizeisprecher.

Drei Familien mit 36 Leuten - nicht, was Ihr jetzt denkt: Belgien, Großbritannien, USA und Österreich. Aber es war auf keinen Fall die Wildspitzbahn, die endet auf 3400m. Muss die Giggijochbahn bei Sölden gewesen sein.

Nun frage ich mich aber: Hat die keiner zurückgehalten, als die mit Kinderwagen in die Seilbahn sind? Oder war er zusammengeklappt? Ich habe allerdings haarsträubende Geschichten im Ösiland erlebt ... Hauptsache, erst mal bezahlen ...