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Autor Thema:Neues aus den Medien
Wissemara
Stiegengeher
Beiträge: 355
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Beitrag Re: Neues aus den Medien
am 15.05.2019, 19:52
Zitat

https://www.bild.de/regional/dresden/dresden-aktuell/saechsische-schweiz-bastei-aussicht-abgebaut-61908764.bild.html?fbclid=IwAR3GIWILM0-J_K1IY64gXbuoVyXCwWSlaWlv__fhH6xQJoAASUliLjrgwC0###wt_ref=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2F&wt_t=1557941907572

Swen
Wanderfreund
Beiträge: 86
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Beitrag Re: Neues aus den Medien
am 16.05.2019, 09:19
Zitat

Wenn da jetzt die "Abdeckung" fehlt, greift doch Wind und Wetter den Sandstein noch viel viel mehr an...?

Sel
Stiegengeher
Beiträge: 341
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Beitrag Re: Neues aus den Medien
am 16.05.2019, 09:28
Zitat

Das passiert aber sehr langsam, dauert Jahrzehnte bis Jahrhunderte. Natürlich wird jetzt schneller mal was abbröseln und ins Tal krachen.
Die neue Plattform existiert bisher auch nur auf dem Papier, bis Baubeginn kann sich da sehr viel ändern bis hin zur massiven Bauverzögerung (was ja üblich ist) oder gar Absage des Neubaus. Und da sieht der nackte Fels selbstverständlich besser aus als einer mit Gehwegplatten drauf. Die Platten müssen so und so weg, da kann man das auch gleich machen.

Mstreicher
Stiegengeher
Beiträge: 118
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Beitrag Re: Neues aus den Medien
am 16.05.2019, 09:41
Zitat

Ich war beim ersten Ablick des nackten Felsens etwas erschrocken. Aber dann sagte ich mir: Eine ähnliche Sichtweise auf den Felssporn hatte schon Götzinger vor über 200Jahren. Der Anblick ist also eine Art Fenster in die Vergangenheit. Da es sich wahrscheinlich in absehbarer Zeit wieder schließen wird, sollte man die Zeit nutzen und den "historischen" Anblick selbst mal genießen.

Andreas P.
Stiegengeher
Beiträge: 772
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Beitrag Re: Neues aus den Medien
am 16.05.2019, 18:23
Zitat

Zitat von Swen am 16.05.2019, 09:19
Wenn da jetzt die "Abdeckung" fehlt, greift doch Wind und Wetter den Sandstein noch viel viel mehr an...?

Das denke ich allerdings auch. Jedenfalls wurde das Regenwasser bis jetzt von der Versiegelung weitestgehend über die Seiten abgeleitet. Jetzt wird es stärker in den Fels sickern, zumindest, wenn die Fläche so waagerecht bleibt und nicht versiegelt wird. Aber ich gehe davon aus, dass die Fachleute auch so schlau sind und irgendeine Regenabdichtung vorsehen. Sonst warten wir auf den nächsten Frost 🙂

Ich finde es übrigens ganz schön vertrauensvoll, dass sich die Arbeiter an einer Laufleine sichern, die am einsturzgefährdeten Riffkopf befestigt ist - sollte dieser während der Arbeiten, wo deutliche Vibrationen durch die Bohrhämmer entstehen, zusammenbrechen, dann huiiii …. !

Sel
Stiegengeher
Beiträge: 341
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Beitrag Re: Neues aus den Medien
am 19.05.2019, 09:57
Zitat

Das Wasser, welches in den Fels dringt, kann durchaus den Fels auch stabilisieren. Das passiert durch Kristallisation der Salze im Fels. Natürlich kann auch Frost (bis zu einer bestimmten Tiefe) eindringen und den Felsen sprengen. Hat alles zwei Seiten.

Die Arbeiter waren kaum in Gefahr (ok, die Höhe). Denn außen ist der Fels noch stabil. Nur eben innen ist der "lose" Sand, so sind nunmal fast alle Felsen im Elbi aufgebaut (bis vielleicht auf den sehr festen Labiatussandstein, welcher im Bielatal zu finden ist). Ist die Hülle fest, so bricht auch nicht gleich was, wenn einer mit dem Bohrhammer sachte aufm Felsen rumkloppt. Der ganze Riffkopf bricht definitiv nicht ab. Das kann irgendwann vielleicht passieren, jetzt jedoch definitiv nicht.

Roland
Stiegengeher
Beiträge: 104
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Beitrag Re: Neues aus den Medien
am 19.05.2019, 16:58
Zitat

Also als Kletterer hatten wir schon immer die Information, daß Nässe den Sandstein brüchiger macht, weil die Bindemittel im Sandstein aufgelöst werden. Nur an der Oberfläche des Felsens weiter unten kann durch Verdunstung der Sickerwässer eine gewisse Verfestigung eintreten, aber insgesamt verliert Sandstein durch Feuchtigkeit seine Festigkeit. Schon vor 40 Jahren zu DDR-Zeiten hatten wir dringend zu beachten, daß nach Regenfällen mindestens 2 Tage zu warten ist, ehe man wieder klettern durfte, damit das Gestein bis in ausreichende Tiefen abtrocknen konnte, und das wurde besonders für das Gebiet Rathen mit seinem brüchigen Gestein betont. Ich selber hatte 1990 am Honigstein in Rathen beim Klettern einen 15-Meter-Sturz durch Griffausbruch (ohne Folgen), obwohl wir nach Regen 2 Tage gewartet hatten, das war wahrscheinlich noch nicht lange genug.
Wenn die ehemalige Basteiaussicht jetzt oben bloß liegt, kann der Regen ungehindert eindringen und schwächt den Felsen noch mehr, der innerlich schon stark aufgelöst ist, wie die Bohrungen gezeigt haben. Die Oberfläche muß dort also unbedingt behandelt werden, z.B. mit Sandsteinverfestiger, oder durch einen Überbau einer neuen Plattform, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Das Prebischtor z.B. wurde oben drauf auch komplett mit Sandsteinverfestiger behandelt, und wer mal oben drüber geht (auch wenns verboten ist), sieht dort die verfestigende Wirkung
https://www.youtube.com/watch?v=LSMrZepk6xQ

Karsten
Forums-Junkie
Beiträge: 2221
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Beitrag Re: Neues aus den Medien
am 19.05.2019, 18:05
Zitat

Ja, ich kann Sel da nicht zustimmen - Wasser und gelöste Salze (Alaun, Gips) zerstören den Zusammenhalt im Sandstein. Das nennt man dann chemische Verwitterung. Ich empfehle eine Exkursion mit Rainer Reichstein ...

Hier gehe ich, ich kann nicht anders! (frei nach M.L.)

Andreas P.
Stiegengeher
Beiträge: 772
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Beitrag Re: Neues aus den Medien
am 20.05.2019, 21:35
Zitat

Zitat von Karsten am 19.05.2019, 18:05
Ja, ich kann Sel da nicht zustimmen - Wasser und gelöste Salze (Alaun, Gips) zerstören den Zusammenhalt im Sandstein. Das nennt man dann chemische Verwitterung. Ich empfehle eine Exkursion mit Rainer Reichstein ...

So habe ich es auch gelernt und zitiere mal aus dem alten Klefü, wo eine schöne kurze gelogische Einführung die gröbsten Vorgänge beschreibt: "… Sickerwässer vermögen vor allem das im Gestein enthaltene Mineral Schwefeleisen mit Hilfe des mitgeführten Sauerstoffs in Brauneisen umzubilden.Im Verlaufe dieser chemischen Umsetzung entsteht auch Schwefelsäure, die für die Zersetzung der silikatischen Bestandteile im Gestein verantwortlich ist. (Anmerkung von mir - saurer Regen wirkt genau so) Bei Anwesenheit von Ammoniak aus den Zerfallsprodukten der Vegetationsdecke und von Kalzium , Natrium und Kalium kommt es dabei zur Bildung von Alaun und Gips. Dort, wo die mit den gelösten Bestandteilen beladenen Sickerwässer wieder aus dem Gestein treten, setzt eine Verdunstung der wässrigen Lösungsmittel und eine Ausscheidung der gelösten Verbindungen ein. Die Wiederausscheidung gelöster Kieselsäure führt im Oberflächenbereich des Sandsteins zu einer unvollständigen, vom Gefüge abhängigen Verfestigung (was Sel vermutlich meinte). Daneben kommt es in den unverfestigt gebliebenen Bereichen zu einer Auskristallisation der Salze Alaun und Gips, bei der zahlreiche Quarzkörner aus ihrem Verband gelöst werden. (hier irrte Sel, weil jede Kristallbildung Raum, also Volumen beansprucht und dabei die Sandkörner auseinandertreibt - Kristallbildung ist bei porösen Trägermaterial immer zerstörend). Nach und nach entstehen dort Hohlformen, während die verfestigten Bereiche als Horizontal- oder Vertikalrippen stehenbleiben - man spricht von Wabenverwitterung." Zitat Ende.

Die in Teilen tatsächlich entstehende Verfestigung ist also wirklich nur in Teilbereichen und immer nur oberflächlich wirksam. Sehr anschaulich beschrieben findet man diesen Effekt im Pfaffensteinbuch von Rölke. Die Sportfreunde waren schockiert, als sie bei der Sanierung feststellen mussten, dass der Gipfelkopf der Barbarine quasi so stabil wie ein rohes Ei war. Unter einer erschreckend dünnen Hülle aus festem Stein war die Hälfte der Füllung nur noch loser Sand ohne jede Bindung. Wie Beton ohne Zement.
Unser Gebirge zerbröselt also weniger von außen nach innen, sondern umgekehrt. Die paar Körner, die wirklich außen wegwittern gestalten die Landschaft in Menschenzeit fast unmerklich. Auffälliger wird schon der direkte Abrieb im mechanische Angriff von tausenden Schuhsohlen. Das können wir in unserer Erlebenszeit selbst deutlich sehen. Wirklich landschaftsgestaltend sind aber immer wieder die Stürze, wenn die Steine ihre innere Stabilität verlieren und unter dem Eigengewicht zusammen- oder abbrechen.
Und dies übrigens besonders effektiv dort, wo ein wasserdurchlässigerer Stein auf einem weniger durchlässigerem Stein liegt, weil dort dann das Wasser verstärkt zu den Seiten austreten muss. Und diese Schichtung ist nach dem Ergebnis der Untersuchungen wohl auch unter der Basteiaussicht so gegeben.

Im Übrigen gestehe ich den Verantwortlichen soviel Überlegung zu, dass die komplette Aufgabe der Aussicht nicht ohne wirkliche Einsturzgefahr veranlasst worden wäre. Wir werden sehen, wie begründet die Vorsicht war. Ich hätte wahrscheinlich genau so entschieden und eben deshalb auch meine Arbeiter vom Massiv aus gesichert. Aber, wer bin ich schon … ?

spreewolf
Stiegengeher
Beiträge: 584
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Beitrag Re: Neues aus den Medien
am 20.05.2019, 23:11
Zitat

Die verdeckte Erosion setzt sich dann schlagartig um und wird als Abbruch sichtbar. Wir können das nur so hinnehmen.
Der Lauf der Welt eben.
Bei Wikipedia habe ich , zugegeben in weit aus größerer Dimension, noch ein schönes Beispiel gefunden :
Der ostafrikanische Grabenbruch. Man kalkuliert dass dieser in den nächsten 10 Millionen Jahren der Grund eines neuen Ozeans wird. ….Noch lange Zeit. Denkste !! Seit 2005 wird in der Afar-Senke verstärkter Vulkanismus beobachten! Bei jedem Grummeln reißt dort die Erde auf und sackt ein Stückchen weiter ein. Z.Zt. bei -110m . Klasse! 🙂 Das eigentlich Interessante ist aber der Landriegel welcher noch bis zu roten Meer verbleibt. Sind es noch 100km? Oder doch nur noch die Hälfte? Wenn alle Neune von den Vulkanen gleichzeitig "husten" bringt die Tagesschau noch zu unseren Lebzeiten die Meldung von der Eröffnung einer Fährlinie zwischen Somalia und Äthiopien.
…...bis dahin beobachten wir die Bastei weiter. 🙂 🙂 😉

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